Im neuen Keller

Nach sechs Wochen Umzugspause sind nun im Angermünder Stadtarchiv alle Unterlagen (825 lfd. Meter Archivgut) wieder in die Regale einsortiert. Am 12. Januar (10 bis 15 Uhr) sind alle Interessenten zu einem Tag der offenen Tür ins neue Domizil des Stadtarchivs eingeladen. Seinen neuen Standort fand das Archiv im Keller einer ehemaligen Grundschule. 

Stadtarchivarin Margret Sperling, die sich auch in den alten vier Wänden wohlgefühlt hatte, besitzt am neuen Standort gute Arbeitsbedingungen. Gleichwohl musste sie sich beim Platz bescheiden: Einen Raum, den sie eigentlich als Leseraum und Zeitungsarchiv vorgesehen hatte, bekam der Heimatverein als Bibliothek. Das größte Problem sei allerdings gewesen, die 2,80 und 2,60 Meter hohen Regale auf 2,40 Meter zu kürzen. 

Kontakt:
Stadtarchiv Angermünde
Fischerstraße 15/16
16278 Angermünde

Quelle: Kerstin Kossatz, Märkische Oderzeitung, 17.12.2004

Akten für die Gütersloher Textilgeschichte

Die Industriegeschichte Güterslohs beruht im Wesentlichen auf der Geschichte der Textilindustrie. Pionierarbeit auf diesem Gebiet leistete die 1887 gegründete Baumwollweberei Niemöller & Abel. Nun übergab der langjährige Mitinhaber und Heimatforscher Ekkehard Niemöller (*1929) 800 Akten dieser Firma sowie seine persönlichen Sammlungen zur Gütersloher Textilgeschichte dem Archiv der Stadt Gütersloh

Von der Stadt Gütersloh erhielt Niemöller die vertragliche Zusage zur Finanzierung der archivarischen Erschließung und historischen Aufarbeitung des Bestandes. Das Projekt wird zudem mit 10.000 Euro finanziell unterstützt von der Fachgruppe Textil im Unternehmerverband des Kreises GüterslohStadtarchivar Stephan Grimm und sein Mitarbeiter Heinrich Lakämper-Lührs veranschlagen rund zwei Jahre für die Verzeichnungsarbeiten am neu erworbenen Aktenbestand. Anschließend soll auf Grundlage dieser und anderer städtischer Quellen eine wirtschaftshistorische Publikation erarbeitet werden.

Kontakt:
Stadtarchiv Gütersloh
Hohenzollernstraße 30 a
33330 Gütersloh
Telefon: 05241-82-2302
Telefax: 05241-82-2032
stephan.grimm@gt-net.de

Quelle: Neue Westfälische, 16.12.2004

Die Archivierung Berliner Architektur-Fotos

Zur Tagung \“Stadtbilder. Inventarisierung und Nutzung architekturbezogener Fotoarchive in Berlin" hatte in dieser Woche die Architektursammlung der Berlinischen Galerie eingeladen und war damit auf große Resonanz gestoßen. Den 180 Teilnehmern stellten sich sechs Berliner Archive während des Erfahrungsaustausches vor: das Archiv des Stadtmuseums und des Landesdenkmalamtes, das Landesarchiv, das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, das Privatarchiv des Journalisten Dieter Breitenborn sowie das Fotoarchiv des Ostberliner Büros für Städtebau. 

Das letzt genannte Fotoarchiv stand 1990 vor der Auflösung, konnte aber auf Initiative der Angestellten zu immerhin 70 Prozent gerettet werden. Die meisten Farbdia-Bestände landeten damals allerdings auf dem Müll. Die Rest – 34.000 Abzüge auf 9.700 Karteikarten – wurden 1991 der Architektursammlung der Berlinischen Galerie übergeben. Seit Anfang 2004 wird dieses wohl wichtigste DDR-Konvolut zur urbanen Entwicklung Ostberlins mit Hilfe von Fördermitteln aus dem amerikanischen "Getty Grant Program\“ nun erschlossen und digitalisiert.

Probleme bereitet den Fotoarchiven bislang der unterschiedliche Aufbau der jeweils für die Verzeichnung und Verwaltung der Bestände genutzten Software. Alle Versuche, sich auf eine für jede Institution verbindliche Suchmaske zu verständigen, sind bisher gescheitert. Am weitesten fortgeschritten in der internationalen Vernetzung ist noch das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, von dessen (geschätzten) zwölf Millionen Fotografien bislang allerdings auch erst ein Bruchteil inhaltlich erschlossen ist.

Kontakt:
Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Stiftung Öffentlichen Rechts
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin
www.berlinischegalerie.de 

Quelle: Carmen Böker, Berliner Zeitung, 16.12.2004

Archivmitteilungen 14/2004 der Ev. Kirche von Westfalen

Im November diesen Jahres erschien die 14. Ausgabe der Archivmitteilungen der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Das Heft wendet sich vor allem an die ehrenamtlichen Archivpfleger, die im Bereich der westfälischen Landeskirche tätig sind. Neben dem Bericht über die jährlich stattfindende Arbeitstagung der Archivpfleger finden sich in den Mitteilungen Berichte und Anregungen der Archivpfleger selbst, so beispielsweise über die Ergänzung der herkömmlichen Dokumentation der Gemeindegeschichte durch die Sammlung von Fotos aber auch durch die eigene Herstellung von Videos oder DVD über die Gebäude der Kirchengemeinde, Gemeindefeste o.ä.

\"Archivmitteilungen

Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Neuigkeiten aus der Arbeit des Landeskirchlichen Archivs. So wird in dieser Ausgabe über den Rechtsstreit um ein Kirchenbuch berichtet, die neuste Ausstellung des Archivs vorgestellt, die Archivarbeit im Bereich der Ämter, Werke und Einrichtungen umrissen, neu erschlossen Archive beschrieben und eine Übersicht über einen Teil der verfilmten Kirchenbücher im Landeskirchlichen Archiv gegeben.

Mit der Vorstellung verschiedener Veröffentlichungen anderer landeskirchlicher Archive und die Zusammenstellung der Quellen zur Geschichte evangelischer Kirchengemeinden im Landesarchiv NRW Staatsarchiv Münster wird außerdem ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus gewährt, der bei der Arbeit vor Ort und der Erforschung der Gemeindegeschichte hilfreiche Anstöße geben kann.

Auf welche Kuriositäten und interessanten Zusammenhänge man bei der Archivarbeit stoßen kann, wird in den Beiträgen zu der Kirche in Kirchdornberg und den Kirchenbüchern im Landeskirchlichen Archiv deutlich.

(Claudia Brack, Bielefeld)

Inhalt:

  • Vorwort (3)
  • Claudia Brack, 12. Arbeits- und Fortbildungstagung für Westfälische Kirchenarchivare – Ein Tagungsbericht (4-11)
  • Wolfgang Günther, Rechtsstreit um ein Kirchenbuch (12-16)
  • Matthias Rickling, Alkohol – Sünde oder Sucht? Eine kirchliche Archivausstellung als Beitrag zum kulturellen Leben in Geschichte und Gegenwart der Region (17-23)
  • Christine Koch, Archivarbeit im Bereich der Ämter, Werke und Einrichtungen der EKvW (24-28)
  • Harri Petras, Mit Video und DVD (29-31)
  • Alfred Smieszchala, St. Antonius Abbas in Kirchdornberg (32-35)
  • Hartmut Hegeler, Untersuchung der SS zu Hexenprozessen in Westfalen und Lippe (36-37)
  • Johann Melzer, Kuriosa aus Kirchenbüchern (38-40)
  • Jens Murken, Aus anderen evangelischen Archiven (41-48)
  • Johannes Burkardt, Quellen zur Geschcihte evangelischer Kirchengemeinden im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Staatsarchiv Münster (49-74)
  • Übersicht über die verfilmten Kirchenbücher im Landeskirchlichen Archiv, Teil 2 (75-92)
  • Neue Findbücher in der evangelischen Kirche von Westfalen (93-111)
  • Neue Bücher (112-114)
  • Nachrichten – Recherchen – Personalia (115-117)
  • Autorinnen und Autoren (118)

Urkunde zur Stadtrechtsverleihung Wertheims restauriert

Mit der Übergabe der restaurierten Urkunde zur Stadtrechtsverleihung vom 12. November 1306, in der König Albrecht I. Wertheim die Freiheiten und Rechte der Stadt Frankfurt erteilte, wurde dieser Tage im Staatsarchiv in Bronnbach eine ein Jahr währende Kulturpartnerschaft zwischen der Kommune und der Kurtz-Holding offiziell beendet, gleichzeitig aber auch ein Vorgeschmack auf das Stadtjubiläum im Jahr 2006 gegeben.

Ausgestellt worden war das Dokument am 12. November 1306 im Lager zu Brünn. Darin gewährt \“König Albrecht I. auf Bitten des Edelherrn Konrad von Hohenlohe den Kindern des verstorbenen Grafen Rudolf von Wertheim, deren Vormund der genannte Edelherr zu der Zeit war, dass ihre Stadt Wertheim Freiheit und Recht der Reichsstadt Frankfurt genießt\“, wie Dr. Monika Schaupp, Leiterin des Archivverbundes, erläuterte. Man gehe davon aus, dass die Frankfurter Rechte \“nicht eins zu eins auf Wertheim übertragen oder genutzt worden sind\“. Dennoch sei es für die Gemeinde an Main und Tauber ein sehr wichtiges Dokument, räume es doch das königliche Recht ein, eine Siedlung zur Stadt zu machen.

Über lange Zeit sei die recht gut erhaltene Urkunde gefaltet in einer Tasche aufbewahrt gewesen, das Siegel lag dabei. Mit Mitteln aus der Kulturpartnerschaft wurde die Urkunde nun gereinigt, geglättet und das Siegel gefestigt. Die Restaurierung der Urkunde sei durch die Zusammenarbeit zwischen der Großen Kreisstadt und der Kurtz-Holding im Rahmen der Kulturpartnerschaft möglich geworden, würdigte Oberbürgermeister Stefan Mikulicz das geleistete Kultursponsoring.

Kontakt:
Staatsarchiv Wertheim
Bronnbach Nr. 19
97877 Wertheim
Telefon: 09342/1037
Telefax: 09342/22338
archiv-wertheim@w.lad-bw.de

Quelle: Fränkische Nachrichten, 14.12.2004

Münsterland Bibliotheken digital

Die Bibliotheken im Münsterland präsentieren sich neuerdings in einem gemeinsamen Portal www.muensterland-bibliotheken.de. Die an dem Portal "Die Digitale Bibliothek" beteiligten Bibliotheken aus Ahaus, Bocholt, Coesfeld, Dülmen, Emsdetten, Greven, Ibbenbüren, Rheine, Steinfurt und Münster verstehen sich als professionelle Informationsdienstleister, die ihren \“Kunden\“ zuverlässige und qualifizierte Informationen sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form zugänglich machen.

Bisher mussten dafür Bibliothekskataloge intensiv durchgeforstet werden, oft waren zeitaufwändige Internetrecherchen notwendig. Durch die neue Kooperation besteht jetzt die Möglichkeit, die vorhandenen Bibliotheksbestände im leicht erreichbaren Umfeld besser zu nutzen. Leser können via Internet direkt und schnell auf die Bestände der Region zugreifen. Die Internetplattform Münsterland-Bibliotheken bietet die Möglichkeit, Medienbestände verschiedener Datenbanken parallel über eine Metasuche online zu recherchieren. In einer Suchanfrage können lokale, regionale und nationale Bibliothekskataloge einbezogen werden. Als Suchergebnis erhält der Leser eine Auflistung aller Medien mit Hinweis auf die besitzende Bibliothek und den jeweiligen Ausleihstatus. 

Die digitale Bibliothek "Digibib" wurde als ein kooperativ betriebenes Internet-Portal entwickelt und wird vom Hochschulbibliothekszentrum NRW in Köln betrieben.

Kontakt:
Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen, Köln (HBZ) 
Jülicher Straße 6
50674 Köln
Telefon: 0221 / 40075-160
Telefax: 0221 / 40075-190
digibib@hbz-nrw.de
www.hbz-nrw.de 

Quelle: Münsterland Zeitung, 15.12.2004 

175 Jahre Staatsarchiv Münster

Seit dem 1. Januar 2004 ist das Staatsarchiv Münster als Abteilung 5 Bestandteil des neu eingerichteten Landesarchivs Nordrhein-Westfalen (LAV). Nicht aber der anstehende erste Geburtstag im neuen institutionellen Gewande wurde am Dienstag gefeiert, sondern das 175-jährige Bestehen des nunmehrigen Landesarchivs NRW Staatsarchiv Münster. Als bald nach der Schaffung der preußischen Provinz Westfalen damit begonnen wurde, das während der französischen Fremdherrschaft vernachlässigte Archivgut der vormaligen westfälischen Territorien und aufgehobenen Klöster und Stifte systematisch zu sammeln, entstanden zu diesem Zweck 1821 auf Anweisung des Staatskanzlers Hardenberg vier \“Archivdepots\“ in Arnsberg, Höxter, Münster und Paderborn, später noch ein fünftes in Minden. 1829, vor nunmehr 175 Jahren, wurden die übrigen Depots dem in Münster unterstellt, das seit 1831 die Bezeichnung \“Königliches Provinzialarchiv\“ führte bzw. seit 1867 \“Königlich Preußisches Staatsarchiv Münster\“ hieß.

\"Aus

Dass die Jubiläumsveranstaltung mit annähernd 200 Gästen in der neuen \“zweiten Heimat des Staatsarchivs Münster\“ (Mechthild Black-Veldtrup), der Speicherstadt Coerde, wo das technische Zentrum des LAV entsteht und wo auch das Münstersche Stadtarchiv seit kurzer Zeit residiert, durchgeführt wurde, versinnbildlichte den institutionellen Umbruch im nordrhein-westfälischen staatlichen Archivwesen in jüngster Zeit. Gleichwohl sei auch nach Eingliederung in das neue Landesarchiv die regionale und fachliche Zuständigkeit des Staatsarchivs Münster bewahrt und gewährleistet, wie der Präsident des LAV, Wilfried Reininghaus, in seinem Grußwort betonte. Dabei hob Reininghaus, der ja zwischen 1996 und 2003 selbst Leiter des Staatsarchivs Münster gewesen ist, einmal mehr die Notwendigkeit der archivischen Präsenz bei den aktenproduzierenden Stellen hervor und wies angesichts der besonderen und ertragreichen Nähe von Universität und Staatsarchiv in Münster darauf hin, dass es dem neuen Landesarchiv auch weiterhin um eine enge Zusammenarbeit mit der Forschung gehe.

Diese Kooperation sei, wie auch Regierungsvizepräsident Alfred Wirtz in seinem Grußwort hervorhob, eine Grundlage dafür, dass das Staatsarchiv Münster ein Garant für den Gedächtniserhalt auch in der Informationsgesellschaft bleibe, dabei aber auch, wie Norbert Reimann, der Direktor des Westfälischen Archivamtes, unterstrich, seine traditionelle und hervorragende Bedeutung für die lokalgeschichtliche Forschung beibehalte. Die Vermittlung der kulturellen Identität des Landes, wie sie in besonderem Maße durch das Staatsarchiv Münster geschehe, ist nach Reimanns Worten gerade in schwierigen Zeiten der öffentlichen Verwaltung eine elementare Aufgabe. Reimann wies in seinem Grußwort dabei auf die langjährigen Beziehungen und in diesem Punkte vergleichbaren Zielsetzungen zwischen dem Staatsarchiv Münster und der rund hundert Jahre jüngeren Archivberatungsstelle, der Vorläuferin des heutigen Westfälischen Archivamtes, hin, wenngleich es in Fragen der kommunalen Archivpflege früher wie auch wohl zukünftig durchaus zu Konkurrenzen zwischen beiden westfälischen Archiveinrichtungen kommen konnte und kommen könnte.

\"Kataster

Auch ihren Festvortrag unter dem Titel \“Memoiren einer Akte\“ nutzte die Leiterin des Staatsarchivs Münster, Mechthild Black-Veldtrup, zu einem Rückblick in die Geschichte, einen Einblick in die Gegenwart und einen Ausblick in die Zukunft der Institution Staatsarchiv. Archiv(bau)geschichte präsentierte sie dabei originell als Aktengeschichte und bediente sich dafür des 300 Jahre alten Katasters der kontribuablen Güter in der Grafschaft Mark, das durch die Zeitläufte sämtliche archivarischen Bearbeitungsformen – mit Ausnahme der Kassation – von der Verzeichnung über die Edition (Willy Timm: Kataster der kontribuablen Güter in der Grafschaft Mark, 1705. 1980) bis hin zur wissenschaftlichen Auswertung (Gisela Lange: Schatzpflichtige Güter in der Grafschaft Mark 1705. Münster 1988) erfahren habe. Die Akte mit den rund 7.000 aufgeführten kontribuablen Gütern findet sich heute im Bestand der Kleve-Märkischen Regierung (Landessachen 117), wird aber im nächsten Jahr auch im Rahmen des dann überarbeiteten und u.a. mit einer Findbuchrecherche- und einer Aktenbestellfunktion erweiterten Informationssystems der Archive in NRW zu finden sein. Bis dahin darf man sich mit der pünktlich zum gestrigen Festakt in Buchform erschienenen, nach 14 Jahren aktualisierten Beständeübersicht des Staatsarchivs Münster trösten.

Da Schwerin a Bologna: antichi testi tornano in Italia

Das Landeshauptarchiv Schwerin gibt jetzt mittelalterliche Urkunden an die Stadt Bologna zurück, die lange Zeit unerkannt in Schwerin gelagert hatten. Wie die deutsche Botschaft in Rom mitteilte, handelt es sich um insgesamt vier Pergament-Dokumente, die in den Jahren 1109 und 1229 in der norditalienischen Region um Bologna ausgestellt worden seien. Sie dokumentierten Immobilienverkäufe und Schenkungen an ein Kloster.

\"Bologneser

Die Schriftstücke seien erst im vorigen Jahr beim Aufräumen im Schweriner Archiv zufällig entdeckt worden, hieß es weiter. Wie sie nach Schwerin kamen, sei nicht geklärt. Sie seien in einem Kuvert mit der Aufschrift \“Gefunden 1950 auf dem Schweriner Güterbahnhof\“ gewesen.

Kontakt:
Landeshauptarchiv Schwerin
Graf-Schack-Allee 2
19053 Schwerin
Telefon: (03 85) 5 92 96-0
Telefax: (03 85) 5 92 96-12
poststelle@landeshauptarchiv-schwerin.de

Quelle: dpa / SZ-online, 11.12.2004

Ältester Westfalen-Film wiederentdeckt

Jahrzehntelang war es in Vergessenheit geraten: das älteste filmische Gesamtporträt Westfalens. Dank der Arbeit der Filmexperten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sind vier der fünf Teile des 1929 veröffentlichten Filmes \“Durch das schöne Westfalen\“ jetzt wieder zu sehen. Mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Westfalen-Initiative hat das LWL-Landesmedienzentrum die alten Filmrollen restauriert, den Film vertont und mit Hilfe der originalen Zwischentitel kommentiert. Nach 75 Jahren feierte der Film, den der LWL auf DVD und Videokassette herausgebracht hat, am vergangenen Mittwoch in Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein) seine Wiederuraufführung.

\“Die Gründe für das frühe filmische Westfalen-Porträt muten modern an: Der Westfälische Verkehrsverband und die Provinzialverwaltung Westfalen, der Vorgänger des heutigen LWL, wollten einerseits auf Westfalen als touristische Region aufmerksam machen, andererseits sollte der Film die regionale Identität stärken, die man in Westfalen durch Pläne zur Neugliederung des Deutschen Reiches bedroht sah\“, so LWL-Kulturdezernent Prof. Dr. Karl Teppe.

\"Hubert

Den Auftrag für das Filmprojekt erhielt der 30-jährige Hubert Schonger, der später zu den bekanntesten Dokumentarfilmern Deutschlands gehörte. Er setzte Westfalens Vielfalt in fünf in sich geschlossenen jeweils 15-minütigen Regionalteilen ins Bild. Dabei galt sein Augenmerk nicht nur landschaftlichen und städtebaulichen Sehenswürdigkeiten, sondern auch der wirtschaftlichen und kulturellen Gegenwart der 1920er Jahre.

1929 feierte der Film in einem der größten Filmtheater Berlins eine glanzvolle Premiere. \“Westfalenland in unseren Gedanken grau in grau, zeigt hier buntwechselnde Seiten in solch einer Fülle und Mannigfaltigkeit, dass es schwer fällt, auf einzelnes einzugehen. Der Westfälische Verkehrsverband hat mit diesem Film einen Kulturwert geschaffen\“, lobte die Berliner \“Neue Preußische Kreuz-Zeitung\“. Bei der westfälischen Erstaufführung im Provinziallandtag, dem damaligen Westfalenparlament, waren die Politiker so begeistert, dass sie darauf bestanden, den ganzen Film zu sehen, obwohl eigentlich nur geplant war, drei Teile zu zeigen. Ähnlich erfolgreich war der Film bei seiner Tournee durch alle größeren Städte Westfalens. Außerdem war er in Köln, Dresden, Hamburg, Budapest, Wien Oslo und sogar in Brasilien zu sehen. Doch allmählich geriet der Film in Vergessenheit, die Filmrollen schienen in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen zu sein.

Immerhin sei es gelungen, vier Teile wieder zusammen zu stellen, freut sich Dr. Markus Köster, Leiter des Westfälischen Landesmedienzentrums. Aus verschiedenen Fragmenten, die offenbar als Arbeitskopien gedient hatten, ließen sich die Teile \“Um Ruhr und Lippe\“, \“Sauerland, Siegerland und Wittgensteinerland\“, Das Sauerland und die Soester Börde\“ sowie \“Teutoburger Wald und Weserbergland\“ vollständig rekonstruieren. Lediglich der Teil \“Das Münsterland\“ blieb verschollen.

Info:
Durch das schöne Westfalen
Ein Film von Hubert Schonger aus dem Jahr 1929
DVD oder VHS mit 60-minütigem Film
Preis: DVD: 14,90 Euro, VHS: 9,90 Euro (zzgl. 2,60 Euro Versand),
Schulen und Vereine, die auch das Vorführrecht erwerben wollen, zahlen 45 Euro
für die DVD und 35 Euro für den Videofilm.

Bezug:
Westfälisches Landesmedienzentrum, Warendorfer Str. 24, 48133 Münster,
Tel.: 0251 591-3902, medienzentrum@lwl.org

Prozessakten aus drei Jahrhunderten

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten bundesweiten Projekts zur Neuverzeichnung der Reichskammergerichts-Akten wurden auch die Akten des Bestandes R J 10 Reichskammergericht im Staatsarchiv Wertheim vom Rechtshistoriker Dr. Raimund J. Weber verzeichnet und im Druck herausgegeben. Aufgrund des geringen Gesamtumfangs des Wertheimer Materials wurden die Akten kurzerhand in den Band mit den Akten des Reichskammergerichts im Staatsarchiv Sigmaringen als Anhang aufgenommen. Die alten Prozessakten stehen nun optimal aufbereitet der Forschung und dem interessierten Archivbesucher zur spannenden Lektüre zur Verfügung, wie der Archivverbund Main-Tauber mitteilt. Vergangene Woche fand im Staatsarchiv Sigmaringen die öffentliche Präsentation des neuen Inventars statt.

Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806 übte das Reichskammergericht mehr als 300 Jahre die oberste Gerichtsbarkeit aus – mit nachhaltiger Auswirkung auf Reich, Territorien und die Menschen, die da lebten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Archiv zerschlagen. Die Akten, die neben nicht nur für die Rechtsgeschichte, sondern auch für die Sozial- und Kulturgeschichte wichtige Quellen sind, wurden dem Bundesstaat überliefert, in dem der Beklagte nun seinen Wohnsitz hatte.

So gelangten auch umfangreiche Unterlagen an das Großherzogtum Hessen, das jedoch der Überlieferung des Reichskammergerichts nur sehr geringe Beachtung schenkte und den Standesherren im Großherzogtum die sie betreffenden Prozessakten überlassen wollte. Von dem Angebot machten auch die Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg Gebrauch. So sind heute Prozessakten des Reichskammergerichts im Staatsarchiv Wertheim zu finden, die eigentlich im Staatsarchiv Darmstadt zu suchen wären.

Kontakt:
Staatsarchiv Wertheim
Bronnbach Nr. 19
97877 Wertheim
Telefon 0 93 42 / 915920
Telefax: 09342/22338
archiv-wertheim@w.lad-bw.de

Quelle: Fränkische Nachrichten, 11.12.2004