Archivseminar zur Erstellung von Ortschroniken im Staatsarchiv Bamberg

Das Kulturforum Bamberger Land e. V. bietet am 25. September 2010 im Staatsarchiv Bamberg ein Archivseminar an, in dem heimatkundlich Interessierte in drei Fachvorträgen praktische Informationen zur Erstellung von Ortschroniken und zu den Beständen der Archive im Raum Bamberg erhalten. Ein anschließender Rundgang durch das Staatsarchiv bietet zudem einen Einblick in dessen Bestände.

Die Teilnahme am Seminar ist kostenlos. Die Teilnehmerzahl ist jedoch auf 25 begrenzt, so dass um eine verbindliche Anmeldung bis zum 17. September 2010 gebeten wird.

Kontakt:
Landratsamt Bamberg
Fachbereich Kultur und Sport
Martina Alt
Ludwigstraße 23
96052 Bamberg
Telefon 0951 / 85-622
Telefax 0951 / 85-8622

Quelle: Der neue Wiesentbote, 8.9.2010

Zusammenarbeit zwischen Rumänien und Baden-Württemberg im Archivwesen intensiviert

Über Jahrhunderte hinweg haben deutsche Bevölkerungsgruppen die Geschichte und Kultur Siebenbürgens mitgeprägt. Ihre Spuren finden sich nicht nur in zahlreichen Baudenkmälern, sondern auch in den Rumänischen Nationalarchiven. Besonders das Staatsarchiv Klausenburg (Kreisdirektion Klausenburg der Rumänischen Nationalarchive) besitzt umfangreiche Unterlagen, die bis in das Mittelalter zurückreichen und für die Erforschung der Geschichte der deutschen Minderheit in dieser Region herausragende Bedeutung besitzen.

Ein Kooperationsprojekt zwischen den Rumänischen Nationalarchiven sowie dem Landesarchiv Baden-Württemberg und dem Tübinger Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde hat sich zum Ziel gesetzt, diese historischen Dokumente dauerhaft zu sichern und der historischen Forschung zugänglich zu machen. Das ehrgeizige Projekt wird durch den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien aus Mitteln zur Sicherung und Erhaltung deutscher Bau- und Kulturdenkmäler im östlichen Europa finanziert.

Nachhaltigkeit ist das oberste Ziel des Unternehmens: Eine Archivarin aus Klausenburg (Cluj-Napoca) erhielt im Staatsarchiv Freiburg eine Einführung in die Erschließungspraxis im Landesarchiv. Rumänische Restauratoren haben im Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut praktische Erfahrungen für ihre Arbeit vor Ort gewinnen können. Dafür steht ihnen künftig eine nach modernen Grundsätzen ausgestattete Werkstatt zur Verfügung, die in enger Absprache zwischen Klausenburg und Ludwigsburg eingerichtet wurde. Die zum Teil stark gefährdeten Dokumente können so sachgerecht restauriert und damit dauerhaft gesichert werden. Es gilt aber auch, künftig neue Schäden zu verhindern: Deshalb ist die sachgerechte Verpackung der Unterlagen eine entscheidende Maßnahme. Drei Sattelschlepper haben aus Stuttgart nicht nur die technische Ausstattung nach Klausenburg geschafft, sondern auch die erforderlichen Verpackungsmaterialien; die handlichen Boxen haben im Landesarchiv Baden-Württemberg in den letzten Jahren bereits den Praxistest bestanden. Nun können die Rumänischen Nationalarchive von diesen Erfahrungen profitieren.

Die Partner sind sich sicher, dass das Projekt "Leuchtturmcharakter" für ähnliche Maßnahmen besitzen wird. Staatssekretär Dr. Dietrich Birk ließ sich Ende Juni 2010 durch Dr. Ioan Dragan, den Direktor des Klausenburger Staatsarchivs vor Ort über den Stand der Arbeiten informieren. Birk unterstrich die Bedeutung des Projekts im Rahmen der vielfältigen kulturellen Beziehungen zwischen Rumänien und Baden-Württemberg. Das Projekt ermögliche – so der Staatssekretär – die vertiefte Erforschung der Geschichte der deutschen Minderheiten in diesem Raum. Denn dies ist besonders hervorzuheben: Erstmals werden Findmittel, die in deutscher und rumänischer Sprache präzise beschreiben, was in den Archivbeständen zu erwarten ist, online publiziert – ein Meilenstein für die historische Forschung!

Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Pressebericht; Land Baden-Württemberg, Pressemitteilung, 25.6.2010

Die Westfälische Diakonenanstalt Nazareth 1914-1954

Alle Diakone in Bethel, so war es in der „Geschichte der evangelischen Posaunenbewegung Westfalens“ nachzulesen, seien bis 1937 in die SA eingetreten. Lange Zeit hat sich der Mythos der "Braunen Brüder" in Nazareth denn auch hartnäckig gehalten. Jahrelang hat sich der Historiker Reinhard Neumann mit dem Thema befasst. Das Ergebnis seiner Recherchen ist jetzt als Buch erschienen: Im Vergleich zu anderen diakonischen Gemeinschaften in Deutschland seien demnach nur wenige Nazareth-Diakone der NSDAP beigetreten. 1939 habe Nazareth-Vorsteher Pastor Paul Tegtmeyer mitgeteilt, dass von 810 Nazareth-Brüdern zehn Mitglied in der SA seien.

„Es geisterten so viele Mutmaßungen und Legenden über die Haltung der Brüder der Westfälischen Diakonenanstalt Nazareth zum Nationalsozialismus umher, dass es unumgänglich war, darüber zu forschen und die Ergebnisse auf wissenschaftliche Füße zu stellen“, sagt Pastor Bernward Wolf, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und zuständig für die diakonischen Gemeinschaften Nazareth und Sarepta. In Absprache mit der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel und der Nazareth-Leitung erteilte der Vorstand daraufhin dem Dozenten Reinhard Neumann den Auftrag, die historische Entwicklung der Brüderschaft in der Zeit von 1914 bis 1954 wissenschaftlich fundiert aufzuarbeiten.

Pastor Johannes Kuhlo, Vorsteher der Diakonenanstalt Nazareth, habe tiefgreifende Veränderungen für die Nazareth-Diakone in Bethel eingeleitet. So habe er etwa die zölibatäre Lebensform gelockert, die Brüderschaft gewann neben der Sarepta-Schwesternschaft größere Eigenständigkeit. „Die männliche Diakonie in Bethel wurde 1877 als Hilfsinstrument der Diakonissen gegründet. Diakone wurden dort eingesetzt, wo das Schamgefühl der Diakonissen verletzt wurde, zum Beispiel in der Pflege männlicher Patienten“, erläutert Reinhard Neumann. Die Diakonissen hatten das Sagen, die Diakone mussten sich – entgegen dem damaligen Rollenverständnis der Geschlechter – unterordnen, so Neumann.

Politisch habe Johannes Kuhlo national-chauvinistisch gedacht. „In seiner Person mischte sich die pietistisch-erweckte Bibelfrömmigkeit seiner Ravensberger Heimat mit der fast schon sakral anmutenden Kaiserverehrung des wilhelminischen Zeitalters“, kommentiert Reinhard Neumann in seinem Buch „Die Westfälische Diakonenanstalt Nazareth 1914–1954“. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg 1918 und dem Zusammenbruch des Kaiserreiches habe Kuhlo die „Judensippe“ und die „Spartakisten“ als Schuldige für den „kommunistischen, gottlosen Umsturz“ ausgemacht. Seine glühende Verehrung für den Kaiser habe er nahtlos auf Adolf Hitler übertragen.

Kuhlos Nachfolger Pastor Paul Tegtmeyer, der von 1923 bis 1954 das Amt des Vorstehers in Nazareth innehatte, habe gegen den Nationalsozialismus eine tiefe Abneigung gehegt. „Wir arbeiten nicht für das Dritte Reich, sondern für das Reich Gottes“, erinnerte er die Diakone, die Sympathie für die Nazi-Ideologie aufbrachten. Vor allem jüngere Brüder, die ihren Dienst nicht in Bethel versahen, suchten nach Orientierung. Die Propaganda versprach ihnen ein positives Christentum. „Das kann so schlecht nicht sein“, meinten sie. Doch Pastor Tegtmeyer sei stets kritisch geblieben. Reinhard Neumann ist überzeugt: „Tegtmeyer hat die Brüderschaft in ihrer Gesamtheit durch die Zeit des Nationalsozialismus gerettet.“

Paul Tegtmeyer und seine Frau Maria standen an der Spitze der Hierarchie in der Diakonenanstalt Nazareth. Die Brüder redeten sie mit Papa und Mama an. Mit strengen, patriarchalischen Strukturen hätten sie es geschafft, die Mitglieder der „Nazareth-Familie“ durch die Anfeindungen und Verführungen jener Zeit zu manövrieren. 1939 meldete Tegtmeyer auf Anfrage der Deutschen Diakonenschaft, dass von 810 Nazareth-Brüdern zehn Mitglied in der SA seien. Im Archiv der Stiftung Nazareth hat Reinhard Neumann Quellenmaterial erschlossen, das zum Teil erstmalig ausgewertet wurde und für die Zeit von 1914 bis 1954 neue Erkenntnisse liefert. Viele hundert Briefe hat er gelesen. Besonders bewegt hätten ihn die Schilderungen der Soldatenbrüder im Zweiten Weltkrieg.

In größter seelischer Not schrieben sie an Pastor Tegtmeyer von den Gräueltaten, die sie erlebten oder die ihnen zu Ohren kamen. „Hier im Krankenhaus habe ich Gelegenheit, in einen Abgrund von Blutschuld zu blicken, die wir auf uns geladen haben, dass ich mich manchesmal frage, wie kann Gott noch mit uns sein?“, schrieb ein Diakon, der als Krankenpfleger in einem Lazarett in Posen diente. Nach Kriegsende musste Paul Tegtmeyer seine ganze Kraft aufbringen, um die desillusionierten und traumatisierten, heimatvertriebenen oder aus langer Gefangenschaft nach Hause kehrenden Brüder in die Nazarethfamilie wiedereinzugliedern. „Das große Verdienst des ehemaligen Vorstehers liegt darin, dass er es geschafft hat, im Nationalsozialismus die Einheit Nazareths zu wahren und ein Abdriften der Gemeinschaft zu den völkisch-nationalistischen Deutschen Christen zu verhindern“, betont Bernward Wolf. Das Buch „Die Westfälische Diakonenanstalt Nazareth 1914 – 1954, Jahrzehnte der Krise“ ist im Luther-Verlag erschienen und kostet 24,90 Euro.

Info:
Reinhard Neumann
Die westfälische Diakonenanstalt Nazareth 1914–1954
Jahrzehnte der Krise
Beiträge zur Westfälischen Kirchengeschichte, Band 36
240 Seiten, Paperback, Format 23 x 15,5 cm
€ 24,90 [D]
ISBN 978-3-7858-0453-7

Quelle: EKvW, Nachrichten aus der Evangelischen Kirche von Westfalen, 7.9.2010

Themenabende zu »zugereisten Odenwälderinnen«

Im Rahmen des Kultursommers Südhessen haben sich die Frauen der Odenwälder Frauengeschichtswerkstatt mit dem Thema „Zugereiste Odenwälderinnen – Flucht, Vertreibung und freiwillige Einwanderung in den Odenwald“ beschäftigt. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden bei Aufführungen am Freitag, dem 10. September, 19:30 Uhr, im Odenwaldmuseum Michelstadt (Kellereihof) sowie am Samstag, dem 11. September, 19:30 Uhr, im Evangelischen Gemeindehaus in Fränkisch-Crumbach (Bahnhofstraße 1) zu sehen sein.

An beiden Abenden wird im Anschluss an die Aufführungen das Buch „Wo wilde Weiber wohnen – Geschichten von und über Frauen rund um den Odenwald“ präsentiert. Der Eintritt kostet jeweils sieben Euro (ermäßigter Preis fünf Euro).

Der Kreisausschuss des Odenwaldkreises, dessen Frauenbeauftragte, das Kreisarchiv Odenwaldkreis sowie die Frauenbeauftragte der Stadt Michelstadt zeichnen für die Veranstaltungen verantwortlich.

Nähere Informationen vermittelt die Kreis-Frauenbauftragte Amarelle Opel, Telefon 06062 70-222, E-Mail: a.opel@odenwaldkreis.de

Link: www.frauengeschichtswerkstatt-odenwald.org

Quelle: Odenwaldkreis / Pressestelle, Pressemeldung, 3.9.2010

Neue Leiterin für das Kasseler Stadtarchiv

Dr. Alexandra Lutz übernimmt zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Leitung des Stadtarchivs Kassel. Dies hat der Magistrat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, wie Oberbürgermeister Bertram Hilgen am 2. September 2010 im städtischen Pressedienst mitteilte.

Dr. Alexandra Lutz ist derzeit noch als Archivoberrätin an der Archivschule Marburg tätig. Die 41-jährige Archivarin sammelte dort berufliche Erfahrungen als Dozentin und Koordinatorin für Archivwissenschaft. Ihr Studium der Mittleren und Neueren Geschichte, Volkskunde und Soziologie absolvierte Dr. Lutz an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo sie im Juni 2003 mit der Disputation abschloss.

Aufgrund ihrer archivarischen und historischen Fachkenntnisse und Berufserfahrungen sei Dr. Alexandra Lutz die geeignete Bewerberin für die Aufgaben und Anforderungen im Kasseler Stadtarchiv, erklärte Oberbürgermeister Hilgen. Sie folgt auf Stadtarchivarin Dr. Sigrid Schieber, die Ende 2008 die Leitung des Archivs für knapp ein Jahr übernommen hatte (siehe Bericht vom 17.11.2008), und beendet somit ein längeres Provisorium ohne Archivleitung. Mit dem Stadtarchiv Kassel hat Dr. Alexandra Lutz bereits schon einmal zusammengearbeitet. Von September bis Dezember 2009 erschlossen die 24 Teilnehmer des 46. Fachhochschulkurses der Archivschule Marburg unter ihrer Leitung den Bestand "Willi-Seidel-Haus / Jugendarchiv" aus dem Kasseler Archiv.

Kontakt:
Stadtarchiv Kassel
Wildemannsgasse 1 / Marstall
34117 Kassel
Telefon: 0561 / 787-4050
Telefax: 0561 / 787-4060
stadtarchiv@stadt-kassel.de

Quelle: Stadt Kassel, Pressemitteilung, 2.9.2010; HNA, 9.6.2010

Archive im Rhein-Erft-Kreis und in Düren legen Archivführer neu auf

Seit sechzehn Jahren besteht die Arbeitsgemeinschaft der Archive im Rhein-Erft-Kreis sowie der Stadt und des Kreises Düren. Angeschlossen sind auch das Landesarchiv NRW, das Archiv der RWE Power AG, das des Erftverbandes sowie das des Landschaftsverbandes. Dieser Tage stellten die Archivare die Fortschreibung des Archivführers „Fundgruben“ vor. Die 72-seitige Broschüre beschreibt die Aufgaben der Archive, informiert über Ansprechpartner und Öffnungszeiten und listet stichwortartig auf, welche "Schätze" in welchem Haus gehütet werden.

Die redaktionelle Hauptarbeit leisteten Berit Arentz (Kreis Düren), Susanne Harke-Schmidt (Kerpen), Manfred Coenen (RWE Power) und Rudolf Kahlfeld (Landschaftsverband). Als Sponsoren ermöglichten neben den Trägern die Kreissparkassen Düren und Köln das Projekt.

Der Archivführer "Fundgruben" entstand 1996, zwei Jahre nach der Gründung der Arbeitsgemeinschaft. Neu aufgelegt wurde er nun mit 5.000 Exemplaren. Der Archivführer liegt kostenlos in den Archiven und in den Rathäusern aus. Eine PDF-Ausgabe der "Fundgruben" soll noch auf den Internetseiten des Rhein-Erft-Kreises zum Download bereitgestellt werden.

Quelle: Bergisches Handelsblatt, 2.9.2010; Kölnische Rundschau, 2.9.2010

Am Tag des offenen Denkmals Angebote für Kinder in Münster

"Kultur in Bewegung" heißt es am Sonntag, 12. September, dem Tag des offenen Denkmals in ganz Deutschland und so auch im westfälischen Münster. Wer nun glaubt, in Münster beschränkt sich das Programm auf Oldtimer und Lastkähne, unterschätzt die Aktiven der lokalen Denkmalpflege. Facettenreich setzen sie das Thema um und laden ein, Münsters historische Schätze zu entdecken, sachkundig begleitet und kostenlos.

So kam beispielsweise in den 1950er-Jahren Bewegung in die Architektur, als amerikanische Ideen und Konstruktionen auch Münster erreichten. Mit ihrer eigenen Leichtigkeit sind heute noch der Kiffe-Pavillon und das Iduna-Hochhaus Zeugen dieser Entwicklung. Dabei sind Einflüsse aus der Fremde keine Erscheinung des 20. Jahrhunderts. Schon Johann Conrad Schlaun oder Lambert Corfey hatten sich erstmal selbst in Bewegung gesetzt. Vom barocken Geist Italiens oder Frankreichs inspiriert schufen sie einzigartige Gebäude wie den Erbdrostenhof, das Rüschhaus oder die Dominikanerkirche. Auch die Architekten, die im 19. Jahrhundert den Domplatz im Zeitgeist des Historismus neu gestalteten, waren weitgereist, um dann in Münster Baustile vergangener Jahrhunderte wieder aufleben zu lassen.

Mit Hilfe der Fachleute sind diese Spuren am Denkmaltag leicht zu entdecken. Wer sich lieber selbst mehr bewegen möchte, hat dazu zum Beispiel bei einer Radtour entlang des Rings Gelegenheit. Sie verspricht spannende Blicke auf Villen, Kirchen oder Schulen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Oder man geht ein Stück des Prozessionsweges gen Telgte, wie die Menschen es seit über 400 Jahren tun. Plattdeutsche Texte und Meditationen bringen an den historischen Wegemalen auch den Geist in Bewegung.

Drei Veranstaltungen eignen sich zudem explizit für Familien. So können Erwachsene und Kinder in Kinderhaus spielerisch einen Blick ins Mittelalter werfen, als die Leprakranken noch weit vor den Toren Münsters hinter hohen Mauern leben mussten. Kinder sind auch im Landesarchiv NRW Abt. Westfalen willkommen, wo es um Kutschen, Karten und einen reisenden Kaiser geht, oder in der Mauritzkirche, wo sie erfahren, wie man Kirchen baut.

Das Programmheft mit Angeboten für Groß und Klein gibt es in der Münster-Information und im Internet (www.muenster.de/stadt/denkmal). Einige Veranstaltungen eignen sich auch für Menschen mit Behinderungen und sind entsprechend gekennzeichnet.

Link: http://tag-des-offenen-denkmals.de

Quelle: Stadt Münster, Pressemitteilung, 2.9.2010

Karl Valentins »Altmünchner Fotosammlung« jetzt per Datenbank erschlossen

Karl Valentin (1882-1948) ist den meisten Zeitgenossen nur als Volksschauspieler und Komödiant bekannt. Tatsächlich jedoch war er auch in vielerlei Hinsicht ein leidenschaftlicher Chronist seiner Heimatstadt München. So beobachtete und analysierte er die Münchner Mentalität aufs Genaueste, um sie in seinen Sketchen und Filmen zu verarbeiten und zu karikieren. Daneben hatte er aber auch ein besonderes Interesse an der architektonischen Entwicklung der Stadt, die sich seit 1870 rasant veränderte. Valentin sah dies mit eher gemischten Gefühlen: „Leider hat der Fortschritt, der ja nicht aufzuhalten ist, geradlinige oder viereckige Häuserkolosse mitten in die Stadt gestellt, sogar einen Wolkenkratzer, es beginnt also schon zu neuyorkeln.“

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Abb.: Die Mariensäule in Festschmuck zum Wittelsbacher Jubiläum am 25. August 1880, Stadtarchiv München – Fotosammlung (Sammlung Valentin 48)

Wenn diese Entwicklung auch nicht aufzuhalten war, so sollte doch das Gewesene dokumentiert werden. Um 1925 begann Karl Valentin eine rasch wachsende Sammlung von Fotografien zur Stadtentwicklung (mit unterschiedlichen Ansichten von Gebäuden, Straßen und Plätzen) zusammenzutragen, deren Schwerpunkt in den Jahren 1855 bis 1910 liegt. Sie enthält auch 160 Stereoskop-Ansichten, die bei Benutzung einer entsprechenden „Sehhilfe“ dreidimensionale Blicke auf Münchens Straßen und Plätze erlaubten.

Im August 1939 verkaufte Karl Valentin seine Sammlung für 20.000 Reichsmark an die Stadt München, die sie dem Stadtarchiv München überließ. Hatte Valentin schon seit längerem Ideen entwickelt, wie die Fotos interessierten Zeitgenossen zugänglich gemacht werden konnten, so spielte nun auch seine sich zunehmend verschlechternde Wirtschaftslage eine Rolle.

Die rund 2.200 Fotos dieser einzigartigen Sammlung wurde in den vergangenen Jahren digitalisiert und in einer Datenbank erschlossen, die ab sofort im Lesesaal des Archivs einsehbar ist.

Kontakt:
Stadtarchiv München
Winzererstr. 68
80797 München
Tel. +49 (0)89 233 0308
Fax +49 (0)89 233 30830
stadtarchiv@muenchen.de

Quelle: Stadt München, Pressemitteilung, 1.9.2010

Exkursion zum Gebäudekomplex der Konsumgenossenschaft »Vorwärts« in Barmen

In Zusammenarbeit mit der Kunst- und Kulturinitiative Sprockhövel e.V. und dem Verein "Historikerinnen und Historiker vor Ort" lädt das Stadtarchiv Sprockhövel zu einer Führung durch den Gebäudekomplex der ehemaligen Konsumgenossenschaft "Vorwärts" ein.

Das Areal der Konsumgenossenschaft "Vorwärts" (gegr. 1899) mit eigener Bahnanbindung, Werkstätten und der damals modernsten Großbäckerei des Bergischen Landes ist ein einmaliges Zeugnis der Industrie- und Sozialgeschichte Wuppertals. Zur Zentrale gehörten auch genossenschaftseigene Wohnhäuser und verschiedene Verteilungsstellen, unter anderem auch in Haßlinghausen.

Leiter der Haßlinghauser Filiale war der damalige Haßlinghauser Gemeindevorsteher Wilhelm Kraft. In den 1920er Jahren versorgte man rund ein Drittel der Barmer Bevölkerung – bis die Nationalsozialisten die Erfolgsgeschichte gewaltsam unterbrachen und hier eine SA-Kaserne mit Folterkeller einrichten. Auch Wilhelm Kraft gehörte zu denjenigen, die ihren Widerstand gegen das NS-Regime mit dem Leben bezahlen mussten. Nach dem Krieg bis in das Jahr 2000 dienten die Gebäude in der Münzstraße als Flüchtlingsunterkunft.

Um diesen Gebäudekomplex und seine Geschichte zu bewahren und als historischen Lernort neu zu nutzen, gründete sich 2004 der Förderverein Konsumgenossenschaft "Vorwärts" – Münzstraße e.V. Ein Ausstellungsraum, Räume für Schulungen und Wohnungen sind bisher entstanden bzw. sind hier geplant.

Reiner Rhefus, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins und exzellenter Kenner der Wuppertaler Geschichte, wird die Gruppe führen. Für die Führung ist vor Ort eine kleine Gebühr zu entrichten, deren Höhe von der Anzahl der Teilnehmer abhängt. Die Anreise erfolgt in Eigenregie; es können aber auch Fahrgemeinschaften organisiert werden.

Info:
Das Stadtarchiv Sprockhövel lädt ein:
Auf den Spuren von Wilhelm Kraft – Exkursion zum Gebäudekomplex der Konsumgenossenschaft "Vorwärts" nach Wuppertal-Barmen, Münzstraße 47-53

Anmeldung im Stadtarchiv Sprockhövel
Tel.: 02324 – 9701 555 oder bei Dieter Hering unter Tel.: 0202 – 52 14 54

Termin: Freitag, 24. September 2010
Treffpunkt: 14.45 Uhr im Innenhof Münzstraße 51/53 in Wuppertal-Barmen

Weitere Infos unter: www.vorwaerts-muenzstrasse.de

Quelle: Stadt Sprockhövel, Pressemitteilung, 26.8.2010

Skandale in der Geschichte – neuer Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten startet

Am 1. September 2010 startet der 22. Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zum Thema »Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte«. Alle Kinder und Jugendlichen unter 21 Jahren sind aufgerufen, auf Spurensuche in ihren Wohnorten zu gehen. Ausgerichtet wird der Wettbewerb von der Körber-Stiftung in Hamburg, die Preise im Gesamtwert von 250.000 Euro auslobt. Einsendeschluss ist der 28. Februar 2011.

Skandale – Bruch mit zeitgenössischen Wertvorstellungen
Ob Machtmissbrauch in der Politik oder Bestechung in der Wirtschaft, ob Betrug beim Sport oder Tabubruch im Theater: Skandale sind kein neues Phänomen. Zu allen Zeiten, in großen Städten wie in kleinen Dörfern, haben sich Menschen über mutmaßliches Fehlverhalten empört. Skandale waren Anlass, gemeinsame Wertvorstellungen zu überprüfen. Sie konnten Fehlentwicklungen korrigieren und konnten Reformen bewirken, aber auch Vorurteile verschärfen und ein Klima des Misstrauens erzeugen.

Bundespräsident Christian Wulff: »Wichtig erscheint mir bei der Betrachtung von Skandalen, genau hinzusehen, kritisch mit Vorwürfen und Vorverurteilungen der Beteiligten umzugehen und danach zu fragen, welche Interessen und Einflussnahmen jeweils mit im Spiel sind.«

Informationen und Service
Beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten stellen Kinder und Jugendliche eigene Fragen an ihr Lebensumfeld, recherchieren in Archiven und sprechen mit Zeitzeugen und Experten. Ausgezeichnet werden die Sieger auf Landes- wie auf Bundesebene. Preise erhalten auch die besten Schulen und drei Lehrer für herausragendes Engagement.

Links:

Informationen zum Thema:
Körber-Stiftung
Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten
Stefan Frindt
Kehrwieder 12
20457 Hamburg
Telefon +49 · 40 · 80 81 92 – 152
Telefax +49 · 40 · 80 81 92 – 302
frindt[ at ]koerber-stiftung.de
www.geschichtswettbewerb.de