Darmstädter Bombennacht-Dokumentation ans Stadtarchiv

Der englische Regisseur Martin Greaves übergab am 9.1.2015 die Originalbänder seiner Filmdokumentation „Running with Mum – der Weg meiner Mutter“ an das Stadtarchiv Darmstadt. Der Film schildert die sog. „Brandnacht“ des 11./12. Septembers 1944 in Darmstadt anhand eines Einzelschicksals. Beim damaligen britischen Luftangriff auf Darmstadt, der im Kontext der sog. Moral-bombing-Strategie stand, wurde die Stadt weitgehend zerstört. Rund 11.500 Menschen fielen dem kaum halbstündigen Angriff um Mitternacht zum Opfer. Ein Fünftel der Opfer waren Kinder.

Die damals siebenjährige Aloisia Kopf entstammte einer katholischen Familie, eine Minderheit in der protestantisch geprägten Stadt. Die Familie Kopf besaß eine kleine Gärtnerei. Nach Angriffsbeginn um 23:55 Uhr am 11. September 1944 kroch die kleine Aloisia mit ihrer Familie aus dem Fenster ihres Hauses in der Kiesstraße 9, rannte an der Hand ihrer Mutter durch den Feuersturm. Die Kirche St. Ludwig, in der sie Schutz suchen wollten, brannte ebenfalls. Schließlich schafften es beide bis zum Marienplatz, wo das schwerverletzte Kind am Morgen von Sanitätern gerettet wurde. Phosphor hatte ihre Beine verbrannt. Über ein Jahr musste sie im Krankenhaus liegen, viele weitere Jahre noch litt sie unter Schmerzen.

Das Mädchen mit den verbrannten Beinen ist die Mutter des Regisseurs Martin Greaves. Aloisia hatte als junge Frau den englischen Motorradtouristen John Greaves in Darmstadt kennengelernt, ihn dort geheiratet und war mit ihm nach London gezogen. Über ihr Trauma der Brandnacht 1944 hat sie lange nicht gesprochen – bis ihr Sohn Martin Greaves mit ihr nach Darmstadt fuhr und mit ihr den Weg jener Septembernacht ablief. Dort erzählte die Mutter ihre Geschichte, die so zur Filmgeschichte wurde. Seit 2008 wird der Film jährlich am Gedenktag des Bombenangriffs in der Centralstation gezeigt, zusammen mit dem Film „Brandmale“ von Christian und Jutta Gropper.

Mit der nunmehrigen Übergabe der Mastertapes des rund einstündigen Film an das Stadtarchiv Darmstadt will der Regisseur erreichen, dass sein Film auch zukünftig nutzbar ist. Mit der Schenkung trat Greaves auch alle Rechte ans Stadtarchiv ab, das den Film ausschließlich zu nicht-kommerzieller Nutzung und zur wissenschaftlichen Auswertung freigeben wird.

Link: www.runningwithmum.com

Kontakt:
Haus der Geschichte
Karolinenplatz 3
64289 Darmstadt
Telefon: 06151 / 16 50 10
Fax: 06151 / 16 50 11

Quelle: Frankfurter Rundschau, 9.1.2015; Echo online, 9.1.2015; Echo online, 11.2.2011

Ausstellung zu den Luftangriffen auf Magdeburg im Zweiten Weltkrieg

Das Stadtarchiv Magdeburg stellt am 12. Januar 2015 um 15.00 Uhr Dokumente zu den Luftangriffen auf Magdeburg im Zweiten Weltkrieg und zu deren Auswirkungen vor. Gezeigt werden unter anderem historische Akten, Briefe, Tagebücher, Fotos und andere Archivalien. Der Eintritt ist frei.

Eine Anmeldung ist erforderlich, weil die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Interessierte können sich per Mail unter archiv@magdeburg.de oder vom 7. bis 11. Januar telefonisch unter den Rufnummern 03 91/5 40 27 27 und 03 91/5 40 27 21 anmelden.

Hintergrund der Veranstaltung aus der Reihe „Im Stadtarchiv gefunden“ ist die Zerstörung Magdeburgs vom 16. Januar 1945. In dieser Woche jährt sich dieser Tag zum 70. Mal.

Aufzeichnungen in einem Notizbuch eines Magdeburgers über Fliegeralarme in seiner Stadt vom 31. Dezember 1944 bis 14. Februar 1945. © Stadtarchiv Magdeburg

Abb.: Aufzeichnungen in einem Notizbuch eines Magdeburgers über Fliegeralarme in seiner Stadt vom 31. Dezember 1944 bis 14. Februar 1945. © Stadtarchiv Magdeburg

Kontakt:
Stadtarchiv Magdeburg
Mittagstraße 16
39124 Magdeburg
Telefon +49 391 540- 2515
archiv@magdeburg.de

Quelle: Presseinformationen der Landeshauptstadt Magdeburg, 2.1.2015

Archiv und Wirtschaft 4/2014

In Kürze erscheint Heft 4/2014 der vierteljährlichen Zeitschrift der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e.V.Archiv und Wirtschaft„. Die aktuelle Ausgabe enthält Beiträge unter anderem über das Zentrale Archiv des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Göttingen.

Inhaltsverzeichnis „Archiv und Wirtschaft“ 4/2014

AUFSÄTZE

Susanne Kill: Zwei Seelen wohnen ach… Archiv und DB Museum: Zwanzig Jahre nach der Bahnreform (180-184)

Gabriele Teichmann: Sal. Oppenheim jr. & Cie. in Köln: Pioniere der Mobilität (185-193)

Christian Leitz: UBS Group Long-Term Archives (GLTA) – das historische Langzeitgedächtnis der Bank (194-200)

Jessika Wichner: Ohne Herkunft keine Zukunft – auch nicht in der Luft-und Raumfahrt. Das Zentrale Archiv des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Göttingen (201-207)

BERICHTE

Jens Löffler: Nicht nur die Köpfe rauchten… 79. VdW-Lehrgang vom 19. bis 24. Oktober in Wien (VdW on Tour: Austria – in Verbindung mit Bank Austria, International Atomic Energy Agency, Stadt- und Landesarchiv Wien, Technisches Museum Wien, Wirtschaftsuniversität Wien und D. Swarovski KG Wattens) (208-210)

REZENSIONEN

Jens Aspelmeier (Hrsg.): Transparenz für den Bürger? Perspektiven historischer Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit in Archiven, Beiträge zum 17. Archivwissenschaftlichen Kolloquium der Archivschule Marburg (Britta Weschke) (210-211)

Johannes Bähr und Paul Erker: Bosch. Geschichte eines Weltunternehmens (Ralf Stremmel) (212-213)

Dominik Haffer (Hrsg.): „The Hitchhiker’s Guide to the Archival World”. Räume und Grenzen der Archivwissenschaft. Ausgewählte Transferarbeiten des 45. und 46. wissenschaftlichen Lehrgangs an der Archivschule Marburg (Christian Wolfsberger) (213-214)

Tanja Junggeburth: Stollwerck 1839–1932. Unternehmerfamilie und Familienunternehmen (Ralf Stremmel) (214-215)

Klaus Neitmann und Jochen Laufer (Hrsg.): Demontagen in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948. Sachthematisches Inventar, bearb. v. Klaus Jochen Arnold (Kurt Schilde) (215-216)

Marco Rudzinski: Ein Unternehmen und „seine“ Stadt. Der Bochumer Verein und Bochum vor dem Ersten Weltkrieg (Thomas Seidel) (216-218)

Marcus Stumpf und Katharina Tiemann (Hrsg.): „Im (virtuellen) Lesesaal ist für Sie ein Platz reserviert …“ Archivbenutzung heute – Perspektiven für morgen. Beiträge des 21. Fortbildungsseminars der Bundeskonferenz der Kommunalarchive (BKK) in Kassel vom 14.–16. November 2012 (Christian Wolfsberger) (218-219)

Rezensionsliste (219-221)

Impressum (224)

Kontakt:
Redaktion „Archiv und Wirtschaft“
Dr. Martin Münzel
c/o Bertelsmann SE & Co. KGaA
Corporate History
Carl-Bertelsmann-Str. 270
33311 Gütersloh
Telefon: 030-2093-70571
Telefax: 05241-80689992
martin_muenzel[at]yahoo.com
http://www.wirtschaftsarchive.de/veroeffentlichungen/zeitschrift

Neuverzeichnung des Bestandes Altes Senatsarchiv Externa Suecica in Lübeck

Dank einer Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und durch finanzielle Beteiligung der „Gemeinnützigen Sparkassenstiftung Lübeck“ konnte Mitte 2014 die Verzeichnung und Erschließung des Bestandes „Altes Senatsarchiv Externa Suecica“ (die Beziehung der Hansestadt Lübeck zu Schweden) im Archiv der Hansestadt Lübeck abgeschlossen werden. Damit wurde eine weitere durch kriegsbedingte Auslagerung entstandene Verzeichnungslücke des Lübecker Archivs geschlossen. Inhaltlich spiegeln die Lübecker Suecica oder „Schweden-Akten“, welche sich über einen Zeitraum vom 13. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erstrecken, nicht nur die Gesamtbreite diplomatischer Beziehungen Lübecks, sondern auch und insbesondere die der hansischen Wirtschafts- und Außenpolitik mit dem Schwedischen Reich wider, weil die Politik der Stadt bis zum Ende des 17. Jahrhunderts untrennbar mit ihrer Funktion als „Haupt der Hanse“ verbunden war.

Manu propria von König Gustav Wasa vom 10.5.1545 (Quelle: AHL ASA Externa Suecica 128)

Abb. 1: Manu propria von König Gustav Wasa vom 10.5.1545 (Quelle: AHL ASA Externa Suecica 128)

Da der Lübecker Bestand Suecica u. a. wegen des Verlusts eines Teils der Bestände des schwedischen Reichsarchivs im 17. Jahrhundert eine herausragende Bedeutung für die nordeuropäische, vorrangig für die schwedische Geschichte hat, waren durch die Neuverzeichnung wesentliche Impulse u. a. für die historische Forschung in Schweden zu erwarten, insbesondere für die Zeit vom 13. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts mit dem Herrschaftsbeginn Gustav Wasas und dem darauffolgenden Aufstieg Schwedens zur Großmacht. Diese Vermutung bestätigte sich am Ende der Förderzeit (s. u.). Ebenso bietet die jetzige Neuverzeichnung hervorragende Möglichkeiten neue Erkenntnisse zu wirtschafts-, alltags- und sozialgeschichtlichen Fragestellungen zu gewinnen.

Unter den Suecica-Akten, die ca. 7 Regalmeter umfassen, befinden sich beispielsweise das für die schwedische Nationalgeschichtsschreibung äußerst wichtige Tagebuch der Lübecker Gesandtschaft Bomhower-Plönnies 1523 nach Schweden (Königswahl Gustav Wasas) sowie auch andere, für die Diplomatie und die hansische Geschichtsschreibung aufschlussreiche Unterlagen, hierbei vor allem die Wirtschaftsgeschichte des Ostseeraumes betreffend. Die Akten wurden, wo es sich als erforderlich erwies, im Einzelblattverfahren von der Projektmitarbeiterin Frau Dr. Dagmar Hemmie erschlossen.

Eine Reihe von Akten des Bestandes wurde bereits während des laufenden Projektes durch Wissenschaftler als Benutzer des Archivs der Hansestadt Lübeck ausgewertet.

Nach Ende des Projektzeitraums wurde die Verzeichnung direkt ins Internet gestellt und ist über die Internetseite des Archivs jederzeit abruf- und recherchierbar. Die Datenbank des Archivs ist bei Google registriert.

Kontakt:
Archiv der Hansestadt Lübeck
Dr. Jan Lokers
Mühlendamm 1-3
23552 Lübeck
archiv@luebeck.de
www.archiv.luebeck.de

Fortbildungsprogramm des LVR-AFZ für 2015 erschienen

Das Jahresprogramm des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums (LVR-AFZ) bietet auch 2015 eine Reihe von Fortbildungsveranstaltungen, die sich mit aktuellen Themen aus der Welt der Archive, Bibliotheken und Museen befassen. Das neue Programmheft ist jetzt erschienen und die Internetfassung gleichzeitig freigeschaltet worden.

Das Fortbildungsprogramm zeigt eine Mischung aus wohlbekannten Formaten und neuen Angeboten. So werden die bisherigen Themen der Digitalen Archivierung und des Arbeitsschutzes im Kulturbereich mit neuen Impulsen weiterentwickelt. Das gleiche gilt für die kontinuierliche Begleitung des Förderprogramms „Archiv und Schule“. Ebenso finden sich mit dem Basiskurs und der Jahrestagung im November 2015 (dieses Mal zur Webpräsenz) die bereits gewohnten Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche im Rheinland.

In einem anderen Seminar soll gezeigt werden, wie sich die Öffentlichkeitsarbeit durch die Möglichkeiten des Internet, der social media und Wikimedia-Projekte verändern kann. Neu ist ferner eine Tagung zu Dienstleistungen im Bereich der Bestandserhaltung. Hier sollen die immer wieder entstehenden Schwierigkeiten der Beauftragung an externe Dienstleister resp. die Vergabepraxis, Haftung und Qualitätskontrolle thematisiert werden.

Ebenfalls neu ist das Format von halbtägigen Informations- und Diskussionsveranstaltungen zu Rechtsanwendungen: Nutzung von Archivgut (Modul 1) und Rechtefragen bei Fotografien (Modul 2) werden die ersten Themen dieser Reihe sein. Andere Veranstaltungen, wie das „Erlebnis Archiv“ für die Studierenden der rheinischen Universitäten, die MAI-Tagung und der vom 18. bis 19. Juni 2015 in Brauweiler stattfindende Rheinische Archivtag, finden sich ebenso im Programm.

Hinzuweisen ist noch auf die neue Online-Anmeldung. Ab sofort ist innerhalb des Internetauftritts www.fortbildungszentrum.lvr.de eine direkte Anmeldung zu den Veranstaltungen möglich.

Hier ist das aktuelle Jahresprogramm online zu finden.

Das gedruckte Programmheft ist für alle Interessierten, deren Adresse dem Fortbildungszentrum nicht bekannt ist, bei folgender Anschrift kostenlos zu beziehen:

LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum
Ehrenfriedstraße 19
50259 Pulheim
Tel 02234 9854-313 und -225
Fax 02234 9854-349
afz.fortbildungszentrum@lvr.de
http://www.afz.lvr.de

Quelle: AFZ-Newsletter, 10.12.2014

Ausstellung »Frauenarbeit im Ersten Weltkrieg in Essen«

Bis zum 28. Mai 2015 präsentiert das Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv in seiner Kabinettausstellung „Frauenarbeit im Ersten Weltkrieg in Essen“ Fotografien, die den Arbeitsalltag von Frauen und Mädchen auf den Essener Zechen und in den Betrieben an ausgewählten Beispielen zeigen.

Vor Ausbruch des Krieges war es undenkbar, dass Frauen und Mädchen im Bergbau oder bei der Gussstahlfabrik beschäftigt wurden. Doch je länger der Krieg dauerte, desto mehr steigerten die Materialschlachten den Bedarf an Waffen und Munition. Die stetige Nachfrage hatte einschneidende Auswirkungen auch auf die Kruppsche Gussstahlfabrik. Die Belegschaft musste ständig vergrößert werden, doch da nicht genügend Männer zur Verfügung standen, wurden nun erstmals Frauen in der Produktion beschäftigt. Mehr als 20.000 arbeiteten in der Zünderwerkstatt und der Geschossdreherei, in der Kanonen-Werkstatt und der Räderschmiede, in der Werkzeugschleiferei und der Stahlformgießerei. Sie schufteten bei Bau- und Transportarbeiten, hoben Gruben aus und entluden Waggons. Auf den Bildern ist zu sehen, welch schwere körperliche Arbeit die Frauen und Mädchen zu verrichten hatten.

Im Bergbau wurden die Frauen nicht unter Tage eingesetzt – da hatten die Verantwortlichen moralische Bedenken -, doch die Arbeit auf den Kokereien, am Leseband oder im Holzlager war gleichfalls anstrengend und kräftezehrend.

Die Frauen dienten als Ersatz für die eingezogenen Männer. Als der Krieg vorbei war, endete auch ihre Arbeit bei Krupp und auf den Zechen. Schon am 12. November 1918, nur wenige Tage nach dem revolutionären Umsturz, verkündete das Direktorium der Gussstahlfabrik, dass Arbeiterinnen nicht auf eine Weiterbeschäftigung rechnen können, da ihre Arbeitsplätze nun für die zurückkehrenden Krieger freigemacht werden müssten. Dies war allgemeiner gesellschaftlicher Konsens, weshalb es auch keine Proteste gegen die vollzogenen Entlassungen gab.

Abb.: Arbeiterinnen auf der Kokerei Mathias Stinnes in Essen-Karnap 1914-1918 (Fotoarchiv Ruhr Museum)

Abb.: Arbeiterinnen auf der Kokerei Mathias Stinnes in Essen-Karnap 1914-1918 (Fotoarchiv Ruhr Museum)

Die Bilder, viele sind hier zum ersten Male zu sehen, stammen vor allem aus den reichhaltigen Beständen des Historischen Archivs Krupp. Weitere Fotos stellten das Ruhr Museum und die Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft der EVAG zur Verfügung.

Geöffnet ist die Ausstellung dienstags und mittwochs von 9.00 bis 15.30 und donnerstags von 9.00 bis 18.00 Uhr.

Veranstaltungsort:
Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv
Ernst-Schmidt-Platz 1, Essen-Stadtmitte

Kontakt::
Haus der Geschichte / Stadtarchiv
Ernst-Schmidt-Platz 1
45128 Essen
Telefon+49 201 88 41300
Fax+49 (0)201 88 41313
hdeg@essen.de
www.essen.de/stadtarchiv

Stadtarchiv Bremerhaven neu im Internet

Mit einigen Neuerungen geht das Stadtarchiv Bremerhaven Anfang Dezember 2014 online. Die Serviceleistungen werden den Nutzern übersichtlich und ansprechend unter www.stadtarchiv-bremerhaven.de auf den Seiten der bremerhaven.de präsentiert. Neu dabei ist beispielsweise die Einführung in die Forschungsmöglichkeiten im Stadtarchiv namens „Erste Schritte ins Archiv“, durch die Erstnutzern der Einstieg in die Archivarbeit erleichtert und Berührungsängste genommen werden sollen.

Abb.: Stadtarchiv Bremerhaven

Interessierte finden dort ebenso Basisinformationen wie eine Beständeübersicht, Informationen zu den rechtlichen Grundlagen, zu Reproduktionen und zu den Praktika im Stadtarchiv. Daneben werden ständig aktualisierte Informationen zur Veranstaltungsreihe, den Veröffentlichungen und derzeitigen Projekten des Stadtarchivs angeboten. Eingebunden ist auch der seit 2004 bestehende Online-Bildservice des Stadtarchivs. Neu ist ebenfalls die Rubrik „Geschichte des Stadtarchivs“, in welcher der Werdegang des Stadtarchivs seit seiner Gründung im Jahr 1926 kurz erzählt wird.

In der nächsten Zeit werden weitere Inhalte dazu kommen. Begonnen wurde mit der Onlinestellung der Stadtchronik bis ins Jahr 2008, die Erweiterung der Rubrik „Amtsträger und verdiente Persönlichkeiten“, die stetige Vervollständigung unseres Bildservices und weitere Angebote im Bereich Archivpädagogik. Langfristig ist vorgesehen, auch Erschließungsinformationen, soweit möglich, online zugänglich zu machen.

Kontakt:
Stadtarchiv Bremerhaven
Hinrich-Schmalfeldt-Straße 30
Stadthaus 5, Erdgeschoss
27576 Bremerhaven
Telefon 0471 590-2567
Fax 0471 590-2005
Stadtarchiv@magistrat.bremerhaven.de
www.stadtarchiv-bremerhaven.de

Quelle: Stadt Bremerhaven, Pressemitteilung, 2.12.2014; Foto: Stadtarchiv Bremerhaven

Ausstellung zum Kreis Warendorf im Ersten Weltkrieg

Die Ausstellung „Der Kreis Warendorf im Ersten Weltkrieg“ beleuchtet die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das Gebiet des heutigen Kreises Warendorf aus der Perspektive der Zivilbevölkerung und der Soldaten.
Sie wurde vom Kreisarchiv Warendorf und dem Museum Abtei Liesborn gemeinsam konzipiert und für die Ausstellung im Kreishaus überarbeitet.

Bis Ende Januar 2015 ist im Kreishaus eine Ausstellung über den 1. Weltkrieg im Kreis Warendorf zu sehen - das Bild zeigt Kreisarchivar Dr. Thomas Brakmann, Archivmitarbeiterin Victoria Wegener und Landrat Dr. Olaf Gericke nach der Ausstellungseröffnung (v.l.)

Abb.: Bis Ende Januar 2015 ist im Kreishaus eine Ausstellung über den 1. Weltkrieg im Kreis Warendorf zu sehen – das Bild zeigt den neuen Warendorfer Kreisarchivar Dr. Thomas Brakmann, Archivmitarbeiterin Victoria Wegener und Landrat Dr. Olaf Gericke nach der Ausstellungseröffnung (v.l.) (Foto: Kreis Warendorf)

Im Ersten Weltkrieg stand ein bis dahin nie da gewesenes technisches Vernichtungspotenzial zur Verfügung. Die Produktion der vom Militär geforderten Kriegswaffen war nur durch eine Mobilisierung aller zur Verfügung stehenden Ressourcen in der Heimat möglich. So sprachen bereits die Zeitgenossen von der so genannten „Heimatfront“.

Der Beckumer Bahnhof am 2. August 1914 anlässlich der Mobilmachung. Um 14:10 Uhr fuhr der Zug mit den Rekruten unter großer Anteilnahme der Bevölkerung vom Beckumer Bahnhof ab (Fotoarchiv Dormitorium Beckum)

Abb.: Der Beckumer Bahnhof am 2. August 1914 anlässlich der Mobilmachung. Um 14:10 Uhr fuhr der Zug mit den Rekruten unter großer Anteilnahme der Bevölkerung vom Beckumer Bahnhof ab (Fotoarchiv Dormitorium Beckum)

Neben der wirtschaftlichen und finanziellen Unterstützung der Kriegswirtschaft trat für die Bevölkerung die moralische Unterstützung der eigenen Angehörigen und Freunde an der Front als weitere Aufgabe hinzu.

Die Ausstellung gibt Einblicke in den Alltag der Bevölkerung im östlichen Münsterland im Zeichen von Not, Entbehrung, Trennung und Verlust.

Dabei berücksichtigt die Präsentation verschiedene Aspekte:
– Kriegsbegeisterung und Mobilmachung,
– die militärische Vorbereitung von Kindern und Jugendlichen,
– die Auswirkungen des Krieges auf die Versorgungs- und Wirtschaftslage,
– die Aktivierung der Frauen in der Kriegswirtschaft
– sowie den Umgang mit Kriegsversehrten und den Tod von Angehörigen.

Um die Jahre zwischen 1914 bis 1918 im Kreis Warendorf überhaupt skizzieren zu können, ist der Rückgriff auf die umfangreichen Bestände des Kreisarchivs Warendorf unabdingbar. Eine Vielzahl der gezeigten Objekte stammt aus seinen Beständen und damit auch aus der archivarischen Überlieferung von zwölf Städten und Gemeinden des heutigen Kreises Warendorf.

Soldaten der 1. Kompagnie des Landsturms im Kreis Warendorf im Jahr 1915 (KAW, Bildarchiv Altstadtfreunde Nr. 14.02.-36)

Abb.: Soldaten der 1. Kompagnie des Landsturms im Kreis Warendorf im Jahr 1915 (KAW, Bildarchiv Altstadtfreunde Nr. 14.02.-36)

Viele Bürgerinnen und Bürger des Kreises stellen Exponate wie Briefe, Fotos und militärische Ausrüstungsobjekte zur Verfügung. So ist es möglich, einzelne Schicksale zu präsentieren und den offiziellen Quellen private und persönliche Zeugnisse an die Seite zu stellen.

Info:
Die Ausstellung „Der Kreis Warendorf im Ersten Weltkrieg“ ist zwischen dem 27. November 2014 bis zum 30. Januar 2015 im Warendorfer Kreishaus (Waldenburger Str. 2) im Foyer und im Ersten Obergeschoss zu sehen (Öffnungszeiten: Mo – Do 8 – 18, Fr 8.00 – 15.30 Uhr)

Kontakt:
Kreisarchiv Warendorf
Waldenburger Straße 2
48231 Warendorf
Tel.: 02581 53-1040
kreisarchiv@kreis-warendorf.de

Nachlass von Werner Maser (1922-2007) erschlossen

München/Institut für Zeitgeschichte: Der Nachlass des Historikers und Schriftstellers Werner Maser ist erschlossen. Diplom-Archivar Dietmar Schönfeld vom Archiv des Instituts für Zeitgeschichte in München bearbeitete in einem ca. zweijährigen Zeitraum den umfangreichen Nachlass von Maser, der besonders durch seine Hitlerbiografie „Adolf Hitler. Legende, Mythos, Wirklichkeit“ (1971), sein Buch „Nürnberg – Tribunal der Sieger“ (1977) und die Biografie „Helmut Kohl. Der deutsche Kanzler“ (1990) bundesweite Aufmerksamkeit erhielt.

Abb.: Nachlass von Werner Maser (1922-2007) erschlossen, Foto: IfZ München

»Hitlers Mein Kampf« (1966), »Adolf Hitler, Legende, Mythos Wirklichkeit« (1971), »Nürnberg. Tribunal der Sieger« (1977). Nachlass von Werner Maser (1922-2007) erschlossen (Fotos: IfZ München)

Der 1922 in Ostpreußen als Sohn eines Landwirts und Pferdezüchters geborene Werner Maser nahm als Offizier am Zweiten Weltkrieg teil. Das Studium schloss er 1951 in Berlin mit dem Staatsexamen ab und promovierte 1954 mit einer Arbeit „Die Organisierung der Führer-Legende“. Er war bis dahin wissenschaftlicher Assistent bei Ernst Niekisch an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin. Maser war anschließend als Redakteur in Westdeutschland tätig, später dann als Lehrbeauftragter und Professor, von 1991 bis 1993 schließlich an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Maser beschäftigte sich vor allem mit der Geschichte des Nationalsozialismus und mit Adolf Hitler. Von Verwandten Hitlers wurde er zu dessen „Nachlassverwalter“ eingesetzt.

Genoss Maser zunächst den Ruf eines seriösen Historikers, so drängte ihn die These von einem angeblichen Sohn Adolf Hitlers und die Behauptung, Deutschland sei Russland 1941 mit einem Präventivangriff zuvorgekommen, ins (national-konservative) Abseits. Mit seinem Buch „Fälschungen über Hitler und Stalin“ (2004) verließ Maser, der 2007 in Speyer verstarb, nach Meinung der Wochenzeitung Die Zeit vom 10. April 2007 „endgültig den Boden der querdenkerischen, aber produktiven Zeitgeschichte“.

Der über 500 Bände umfassende Bestand spiegelt sowohl die literarische, berufliche als auch kommunikative Seite Masers wider. Neben umfangreichen Manuskripten, Rezensionen, Korrespondenzen und Fotografien erlauben handschriftliche Notizen Einblicke in die Gedankenwelt des Historikers. Der Bestand wird in absehbarer Zeit online über die Homepage des Instituts recherchierbar sein.

Kontakt:
Institut für Zeitgeschichte
Archiv
Leonrodstraße 46 b
80636 München
089/12688-180
archiv@ifz-muenchen.de
www.ifz-muenchen.de

»auf ein fürnemes Fest« – Zur Geschichte der Konfirmation

Vom 24. Oktober 2013 bis zum 24. Februar 2014 zeigte das Landeskirchliche Archiv Kassel im Vorfeld der Jubiläumsfeierlichkeiten der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck zum „Jahr der Konfirmation“ in seinen Räumlichkeiten die Ausstellung „Geschichten aus dem Konfirmationsmuseum“, Tafeln und Originale aus dem Konfirmationsmuseum in Neumünster. Die Exponate umfassten rund 200 Jahre. Dies war Anlass, den Bogen anschließend weiter zu spannen und den Versuch zu unternehmen, sich dem Fest, das in diesem Jahr auf eine 475 Jahre lange Tradition zurückblicken kann, in einer quellennahen Publikation umfassend zu nähern. Es finden sich Dokumente durch fünf Jahrhunderte zum Konfirmationsunterricht, zu Konfirmationsgottesdiensten, zu Konfirmationsscheinen und -fotos, zu Festessen und Geschenken. Dabei bleibt Kurhessen als „Mutterland“ der Konfirmation im Mittelpunkt der Betrachtungen, allerdings angereichert durch eine Umfrage in den Landeskirchlichen Archiven zu Einführung und Verbreitung der Konfirmation und eine EKD-Statistik zur Zahl der Konfirmierten in den letzten 40 Jahren. Archivalien aus der Pfalz und dem Rheinland sowie Exponate aus dem Konfirmationsmuseum Neumünster komplettieren die Darstellung.

Buchcover Bettina Wischhöfer, 'auff ein fürnemes Fest' - Zur Geschichte der Konfirmation (Schriften und Medien des Landeskirchlichen Archivs Kasel 35), Kassel 2014

Die Konfirmation ist zum einen Bestätigung der Taufe, verbunden mit dem ersten Abendmahl der dann mündigen Gemeindegliede, und zum anderen eine Familienfeier ersten Ranges, ein bürgerlich-weltliches Ereignis. Die Konfirmation ist ein öffentliches Fest, anders als Taufe oder Hochzeit, ein Ereignis, das bewusst in Gruppen vorbereitet und gefeiert wurde und wird. Daher spiegelt dieses Fest in besonderem Maße Sozialgeschichte.

Die Anfänge der Konfirmation finden sich in der „Ordenung der Christlichen Kirchenzuchte. Für die Kirchen im Fürstenthumb Hessen“, der so genannten „Ziegenhainer Zuchtordnung“ von 1539. Mit dem dritten Kapitel dieser vom Reformator Martin Bucer im Auftrag des hessischen Landgrafen Philipp I. verfassten Kirchenordnung wurde die Konfirmation als neues Fest eingeführt: „Dem allen nach sol dann der pfarher den selbigen Kindern / die hende aufflegen / und sie also im Namen des Herrn Confirmiren / unnd zu Christlicher gemeynschafft bestetigen / Auch darauff zum Tisch des Herrn gehen heyssen.“ Das „fürneme Fest“ mit dem ersten Abendmahl für die Konfirmierten wurde zu Ostern, Weihnachten oder Pfingsten begangen.

Hintergrund waren Auseinandersetzungen des Landgrafen Philipp mit den Wiedertäufern. In Zeiten der entstehenden evangelischen Landeskirchen wollten die Wiedertäufer die Erwachsenentaufe durchsetzen. Sie sollten eingebunden werden mit dem Angebot, nicht Erwachsene, sondern Kinder die Taufe selbst und aktiv bestätigen zu lassen. Martin Luther betrachtete die Konfirmation als entbehrlich, mit der Taufe sei alles Wesentliche gesagt. Wohl aber sollte der Getaufte wissen, was die Taufe für ihn bedeutet. Den Katechismus, den er 1529 geschrieben hatte, sollten die Getauften kennen. Dann seien sie reif, am Abendmahl teilzunehmen. Ein öffentliches Fest war nach Luther nicht notwendig. Als solches hat sich die Konfirmation jedoch durchgesetzt.

Am Anfang steht der Urtext der Kirchenzuchtordnung von 1539, am Ende u.a. eine im Jahr 2014 zur Konfirmation geschmückte Kirche sowie kollektive und individuelle Erinnerungen an das Fest.

Ein Kapitel widmet sich dem Konfirmationsunterricht durch fünf Jahrhunderte und setzt sich u.a. mit Texten zum „richtigen Alter“ der Konfirmanden auseinander. Orientiert an kanonischem Recht wurden Kinder mit den „Unterscheidungsjahren“, also dem Alter, in dem sie einer Religionsveränderung fähig erachtet (und auch strafmündig werden), konfirmiert. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts endete mit der Konfirmation in der Regel auch der Schulbesuch. Die Konfirmierten arbeiteten auf dem elterlichen Hof oder begannen eine Lehre. Die Eltern waren daran interessiert, ihre Kinder so früh wie möglich konfirmieren zu lassen. Da in Kurhessen seit 1692 vierzehn Jahre als Konfirmationsalter definiert war, wurden häufig Anträge auf Dispensation vom Konfirmationsalter gestellt.

Ein weiteres Kapitel stellt den durchorganisierten Konfirmationsgottesdienst in den Mittelpunkt. Es finden sich Quellen zum Zeitpunkt der Feier, zum Eintrag der Konfirmierten in die Kirchenbücher, zu Konfirmationsgebühren, dem Problem der Konfirmation „mixtae Religionis (aus vermischten Ehen)“, zum Kirchenschmuck, der angemessenen Kleidung, der „Rangirung der Confirmanden“ sowie Konfirmationspredigten. Bei den Verordnungen zu den „mixtae religionis“ wurde übrigens vorwiegend im 18. Jahrhundert geregelt, wie lutherische Kinder im reformierten Umfeld zu konfirmieren waren.

Konfirmationsandenken und -scheine, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts als offizielles Erinnerungsgeschenk der Kirchengemeinden durchsetzten, machen ein weiteres Kapitel aus. Vorläufer gab es mit Beginn des 19. Jahrhunderts, später dann Drucke mit jeweils zeittypischen Motiven.

Das Fest endete nicht mit Gottesdienst und Konfirmationsschein. Festessen und Geschenke, Andenken und – nicht zu vergessen – das Konfirmationsfoto gehörten seit Anfang des 20. Jahrhunderts dazu. Was bleibt, sind Erinnerungen der Heranwachsenden an ihren ersten großen Auftritt. Diese werden kollektiv betrachtet (Goldene Konfirmation) und individuell in Memoiren, Tagebuchauszügen und Gedichten.

Die vorliegende Publikation wurde komplett durch Drittmittel finanziert, die Druckkosten übernahm freundlicherweise das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Der Verband kirchlicher Archive in der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken (AABevK) unterstützte das Vorhaben.

Historische Quellen generieren einen Mehrwert. Wer sich darauf einlässt, erfährt Neues und erkennt Zusammenhänge. Das Landeskirchliche Archiv Kassel nimmt seinen Vermittlungsauftrag wahr, indem es Archivalien zur Geschichte dieses öffentlichen Festes präsentiert und den Betrachter so anregt, neue Erkenntnisse zu gewinnen und eigenen Erinnerungen nachzugehen.

Info:
Bettina Wischhöfer, „auff ein fürnemes Fest“ – Zur Geschichte der Konfirmation
(Schriften und Medien des Landeskirchlichen Archivs Kasel 35), Kassel 2014,
ISBN 978-3-939017-16-5,
110 Seiten, 12,90 €,

zu beziehen über Landeskirchliches Archiv Kassel oder den Buchhandel.

Kontakt:
Landeskirchliches Archiv Kassel
Lessingstraße 15 A
34119 Kassel
0561 / 788 76-0
archiv@ekkw.de 
www.ekkw.de/archiv