Genealogischer Nachlass von Gerhard Trück im Enzkreis erschlossen

Gute Nachricht für Familienforscher: Im Kreisarchiv des Enzkreises liegt seit kurzem ein weiterer Bestand wichtiger familiengeschichtlicher Unterlagen zur Nutzung bereit, der die gesamte Region Nordschwarzwald abdeckt und sogar nach Sachsen-Anhalt ausgreift: Der genealogischer Nachlass von Gerhard Trück aus Mühlacker.

Trück, Maschinenbautechniker aus Mühlacker, starb 2002 im Alter von nur 64 Jahren. Er hatte sich mehrere Jahre intensiv mit Familienforschung in Mühlacker, im Enzkreis und darüber hinaus befasst. Seinen genealogischen Nachlass übergaben damals seine Witwe Monika geb. Meißner sowie die Kinder Thomas Trück und Constanze Steinecke dem Kreisarchiv zur Aufbewahrung und Erschließung.

Abb.: Thomas Trück (links), Bearbeiterin Ingrid Wieczorek und Archivleiter Konstantin Huber präsentieren Unterlagen aus dem Nachlass Gerhard Trück (Foto: Enzkreis/enz)

Abb.: Thomas Trück (links), Bearbeiterin Ingrid Wieczorek und Archivleiter Konstantin Huber präsentieren Unterlagen aus dem Nachlass Gerhard Trück (Foto: Enzkreis/enz)

Mit Hilfe von Ingrid Wieczorek aus Reutlingen, die im Archiv ein Praktikum im Rahmen ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste absolvierte, konnten die Unterlagen nach zwölf Jahren nun abschließend geordnet und gesichtet werden. Es handelt sich insgesamt um rund fünf laufende Regalmeter schriftlicher Dokumente, also um einen gut befüllten Bücherschrank.

Den Hauptteil bilden Stammbäume, Ahnentafeln und Fotokopien von Literatur über unzählige Familien und Ortschaften in ganz Baden-Württemberg. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Region um Freudenstadt und Dornstetten, der Heimat der Stammlinie Trück. Da seine Ehefrau aus Sachsen-Anhalt stammt, forschte Gerhard Trück auch dort intensiv und konnte dabei sogar eine Verwandtschaft zu Martin Luther feststellen. Die Trücks gehören damit zum Familienverband der Lutheriden-Vereinigung mit Sitz in Zeitz bei Leipzig.

Verwandtschaft mit Martin Luther herausgefunden
Aufgrund Gerhard Trücks Sammelleidenschaft gehören historische Ansichtskarten von Magdeburg und eine Ausgabe der Zeitung „Extrapost“ aus Zerbst von 1858 zum Bestand. Aus der Region Pforzheim-Mühlacker ist praktisch jede Ortschaft mehr oder weniger intensiv in den Unterlagen vertreten, und über die Familienforschung hinaus gibt es sehr viele orts- und heimatkundliche Informationen, darunter eine stattliche Sammlung von Zeitungsausschnitten und Ortsbroschüren. Weitere Themen aus dem Nachlass Gerhard Trück sind die Einwanderung von Waldensern und Schweizern.

Besonders wichtige Unterlagen für den Enzkreis bilden jedoch die von Gerhard Trück geleisteten Vorarbeiten für ein Ortsfamilienbuch Dürrmenz-Mühlacker. Auf der Basis seiner Unterlagen fertigte die Pforzheimer Familienforscherin Ruth Schneider dieses voluminöse Buch mit rund 670 Seiten, das 2009 von Stadtarchiv Mühlacker und Kreisarchiv gemeinsam herausgegeben wurde.

„Damit wurde ein großes Ziel von Gerhard Trück posthum erfüllt“, weiß Archivleiter Konstantin Huber. „Er würde sich gewiss sehr darüber freuen, dass seine gesamten Forschungsunterlagen geordnet wurden, in einem Verzeichnis aufgelistet und somit anderen Genealogen zugänglich sind,“ ergänzt die junge Archivarin Ingrid Wieczorek, die mittlerweile eine Stelle im Kreisarchiv Reutlingen gefunden hat. Denn Gerhard Trück tauschte sich stets gerne aus und stellte anderen Familienforschern seine Ergebnisse zur Verfügung.

Aufgrund dieser vielfältigen Kontakte, zu denen auch Auftragsrecherchen für Amerikaner gehören, findet sich viel Korrespondenz im Nachlass. Einige dieser Unterlagen sind derzeit noch für die Nutzung gesperrt, der allergrößte Teil des Nachlasses jedoch ist nach Voranmeldung im Kreisarchiv für alle Interessenten schon jetzt einsehbar: Kreisarchiv@enzkreis.de, Tel. 07231 308-9423. Das 43-seitige Findbuch ist online einsehbar unter www.enzkreis.de (durchsuchen mit dem Suchbegriff Trück).

 Kontakt:
Kreisarchiv des Enzkreises
Zähringerallee 3
75177 Pforzheim
Telefon 07231 308-9423
Telefax 07231 308-9837
Kreisarchiv@enzkreis.de

Quelle: Enzkreis, Pressemitteilung, 287 / 2015

Württembergische Kirchengeschichte Online (WKGO) freigeschaltet

Am 22. Juli 2015 wurde das Internetportal Württembergische Kirchengeschichte Online (WKGO) durch den württembergischen Landesbischof Frank Otfried July in einem feierlichen Akt im Oberkirchenrat Stuttgart freigeschaltet. Artikel zu Epochen der evangelischen württembergischen Kirchengeschichte finden sich dort ebenso wie Beiträge zu Institutionen, Regionen und speziellen Themen der württembergischen Kirchengeschichte. So kann man sich unter wkgo.de beispielsweise über die Kirchengeschichte von Schwäbisch Hall, über das Syrische Waisenhaus Jerusalem, über den Predigtgottesdienst, die württembergische Reformationsgeschichte oder über die Stuttgarter Stiftskirche informieren. Dort, wo die Zustimmung der Autoren und Autorinnen eingeholt worden ist, stehen die Beiträge unter einer CC-BY-SA-Lizenz. Deren Anteil soll laufend erhöht werden.

In der Personensuche lassen sich nicht nur Kurzbiografien bedeutender Persönlichkeiten recherchieren, sondern auch große, bislang unzugängliche Datenbestände aus dem Landeskirchlichen Archiv Stuttgart: Das Pfarrerbuch Herzogtum Württemberg (knapp 10.000 Einträge), das Verzeichnis der Stipendiaten des Evangelischen Stifts Tübingen (bis 1930, knapp 14.000 Einträge) und das Verzeichnis der Personalakten des Archivs sind durchsuchbar und zum Teil bereits über Normdaten miteinander verknüpft. Die mit GND-Nummern versehene Einträge verweisen über die BEACON-Technik auf andere, online verfügbare Quellen.

Die Beiträge auf WKGO sind vielfältig mit den Angeboten der Landeskirchlichen Zentralbibliothek Stuttgart und ihrem Zentralkatalog verknüpft. Das Landeskirchliche Archiv bietet unter https://www.wkgo.de/quellen-literatur/archivische-findmittel einen – stetig wachsenden – Teil seiner Bestandsfindmittel zur Recherche an.

WKGO versteht sich als wachsendes Angebot. Bislang werden vorwiegend Basisinformationen geboten, die laufend fortgeschrieben werden sollen.

Württembergische Kirchengeschichte Online ist ein von der Evangelischen Landeskirche Gefördertes verantwortlich ist der Archivleiter Dr. Norbert Haag. Projekt von Archiv und Zentralbibliothek sowie dem Verein für württembergische Kirchengeschichte.

Kontakt:
archiv@elk-wue.de

Ausstellung »Kirchturmblick und Welthistorie« im Diözesanarchiv Würzburg

Schätze aus den Pfarrarchiven des Bistums Würzburg zeigt die Ausstellung „Kirchturmblick und Welthistorie – Der Pfarrer als Chronist“, die am 16.7.2015 im Foyer des Diözesanarchivs Würzburg eröffnet wurde. Unter den Exponaten befindet sich beispielsweise eine gebundene „Sammlung alter Urkunden“ aus dem Pfarrarchiv Rieneck mit spätmittelalterlichen Urkunden aus dem 15. Jahrhundert, aber auch DDr. August Amrheins „Realschematismus der Diöcese Würzburg“ aus dem Jahr 1897. „Die Geschichte, in der wir leben, ist unser Schatz“, betonte Generalvikar Thomas Keßler bei der Eröffnung. Die Ausstellung zeige, wie wichtig es sei, Geschichte zu bewahren. Zu sehen sind die Exponate voraussichtlich bis Ende November 2015.

Abb.: Eröffneten die Ausstellung (von links): stellvertretender Archivleiter Thomas Wehner, Archivdirektor Professor Dr. Johannes Merz, Generalvikar Thomas Keßler und Dekan Gerhard Weber.

Abb.: Eröffneten die Ausstellung (von links): stellvertretender Archivleiter Thomas Wehner, Archivdirektor Professor Dr. Johannes Merz, Generalvikar Thomas Keßler und Dekan Gerhard Weber (Foto: Kerstin Schmeiser-Weiß).

„Als Pfarrer wurde ich dann immer wieder damit konfrontiert, wo überall Archive aufbewahrt werden“, sagte Generalvikar Keßler. Unter anderem auf Dachböden oder ausgerechnet unter Wasserleitungen aufgestapelt habe er „wunderschöne Dinge“ gefunden. „Mein Herz schlägt für die Geschichte, und ohne die Arbeit, die hier geleistet wird, würde manches schlicht und ergreifend verschwinden“, lobte er die Mitarbeiter des Diözesanarchivs. Die Ausstellung öffne ein Fenster zur Bistumsgeschichte. „Ich hoffe, dass es die Menschen neugierig werden lässt.“

Vor welch gewaltiger Herausforderung das Diözesanarchiv steht, machte Archivdirektor Professor Dr. Johannes Merz in seiner Einführung deutlich. Im Bistum Würzburg gebe es mehr als 600 Pfarrarchive, in denen sich insgesamt Dokumente im Umfang von schätzungsweise rund 50 Millionen Seiten Papier befänden. Rund die Hälfte der Pfarrarchive befinde sich heute im Diözesanarchiv. „Durch Kriege, Raub und Desinteresse bereits stark gebeutelt, ist diese archivische Überlieferung auch heute wieder großen Gefahren ausgesetzt“, sagte er. Regelmäßig würden Archivalien aus Pfarreien im Internethandel auftauchen, Rechnungen, Akten und Urkunden spurlos verschwinden. Zugleich wachse der Druck von Seiten der Geschichtsinteressierten, welche mit Hilfe der Pfarrarchive die Geschichte ihres Orts oder ihrer Familie zurückverfolgen wollen.

Die Pfarrchroniken stellten einen zentralen Leitbestand zur unterfränkischen Kirchen-, Pfarreien- und Heimatgeschichte dar, sagte stellvertretender Archivleiter Thomas Wehner. Triebfeder für die Verfasser sei neben entsprechenden Anordnungen der Bischöfe oder Diözesanleitungen oftmals auch das starke Interesse vieler Pfarrer an geschichtlicher Forschung und an der Geschichte ihres Orts gewesen. Nach einem Stellenwechsel oder dem Tod eines Pfarrers sei die Chronik häufig von seinem Nachfolger weitergeführt worden. Manche Pfarrer hätte dabei eine „Kirchturmblick“ gepflegt, sagte Wehner. Sie konzentrierten sich vor allem auf die Darstellung der Pfarrgeschichte, die Kirchen und Pfarrgebäude, die Güter und Einkünfte. „Einige Chroniken blickten aber auch über den pfarrlichen Tellerrand hinaus und berichteten über Landes- und Weltgeschichte, über Naturkatastrophen oder sonstige besonders wichtige Ereignisse der jeweiligen Zeit.“ Pfarrer wie August Amrhein oder Karl Josef Barthels hätten durch ihre umfangreichen historischen Forschungen und schriftstellerischen Arbeiten über die Region hinaus Bedeutung und Anerkennung erlangt.

Die Ausstellung ist voraussichtlich bis November 2015 im Foyer des Diözesanarchivs, Domerschulstraße 17, 97070 Würzburg zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags und dienstags von 9 bis 16 Uhr sowie mittwochs und donnerstags von 9 bis 19 Uhr.

Kontakt:
Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg
Domerschulstr. 17
97070 Würzburg
Telefon: +49 931 386-67 100
Fax: +49 931 386-67 101
abbw@bistum-wuerzburg.de

Quelle: Kerstin Schmeiser-Weiß, Bistum Würzburg, Aktuell, 16.7.2015

Archiv und Wirtschaft 2/2015

Soeben erschienen ist Heft 2/2015 der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e.V.Archiv und Wirtschaft„. Die aktuelle Ausgabe enthält Beiträge unter anderem über Ausstellungen und Archivquellen zur Verkehrsgeschichte im Deutschen Museum sowie über die Geschichte des ersten deutschen Mähdreschers. Auch beinhaltet das neue Heft einen Bericht über die diesjährige VdW-Jahrestagung.

Inhaltsverzeichnis „Archiv und Wirtschaft“ 2/2015

AUFSÄTZE

Wilhelm Füßl: Mobilität im Deutschen Museum. Ausstellungen und Archivquellen zur Verkehrsgeschichte (56-63)

Tomislav Novoselac: „Eine neue Ära der europäischen Getreideernte“ – die Geschichte des ersten deutschen Mähdreschers (64-71)

Michael Rothmann: „Weither kommen die Völker […] Hier steht den Schätzen der Welt weit geöffnet der Markt“. Frankfurts Wegekreuz als Ursprung zur Warenmesse (72-83)

BERICHTE

Sebastian Wein: Aus den Archiven auf die Bühne – Unternehmensgeschichte als Event. VdW-Jahrestagung vom 26. bis 28. April 2015 in Frankfurt am Main (84-89)

Benjamin Obermüller und Christian Finger: „Eine Anleitung zum Glücklichwerden“ – Jahrestagung des AK Chemiearchivare am 2./3. November 2014 bei der Merck KG in Darmstadt (89-91)

REZENSIONEN

Yaman Kouli: Wissen und nach-industrielle Produktion. Das Beispiel der gescheiterten Rekonstruktion Niederschlesiens 1936–1956 (Dirk Schaal) (92-93)

Ruth-E. Mohrmann (Hrsg.): Audioarchive. Tondokumente digitalisieren, erschließen und auswerten (Brigitta Hafiz) (93-95)

David Oels und Ute Schneider (Hrsg.): „Der ganze Verlag ist einfach eine Bonbonniere“. Ullstein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Edgar Lersch) (95-96)

Gerhard Paul und Ralph Schock (Hrsg.): Sound der Zeit. Geräusche, Töne, Stimmen 1889 bis heute (Marcel Müller) (96-98)

Werner Ströbele (Hrsg.): Bosch und Reutlingen. 50 Jahre Automobilelektronik und Arbeitswelten. Begleitband zur Ausstellung des Heimatmuseums Reutlingen 30.4.–25.5.2014 (Markus Friedrich) (98-99)

Rezensionsliste (100-101)

Impressum (104)

Kontakt:
Redaktion „Archiv und Wirtschaft“
c/o Bertelsmann SE & Co. KGaA
Corporate History
Dr. Martin Münzel
Carl-Bertelsmann-Straße 270 | 33311 Gütersloh
Telefon: 030-2093-70571
Telefax: 05241-80689992
Martin_Muenzel@Yahoo.com
http://www.wirtschaftsarchive.de/veroeffentlichungen/zeitschrift

25 Jahre Kreisarchiv des Enzkreises

„Alles andere als staubtrocken“ – so beschreibt Archivarin Heike Sartorius ihren Arbeitsplatz im Landratsamt. Denn dort wird Geschichte lebendig, wenn die Mitarbeiter alte und neue Schriften erfassen und katalogisieren. In diesem Jahr feiert die Einrichtung – das Kreisarchiv des Enzkreises – ihr 25jähriges Jubiläum – und Kreisarchivare aus ganz Baden-Württemberg kamen zum Gratulieren.

25 Jahre Kreisarchiv des Enzkreises

Die Gründung 1990 ging auf die Initiative des damaligen Ersten Landesbeamten und späteren Landrats Werner Burckhart zurück, der den Umzug der Kreisverwaltung in das neue Gebäude an der Güterstraße im Blick hatte. „Die Herausforderung lag anfangs vor allem in der Sichtung und Bewertung des gesamten, etwa sieben Regalkilometer umfassenden Schriftguts aus Haupt- und Altregistraturen“, erinnert sich Kreisarchivar Konstantin Huber; als „Mann der ersten Stunde“ leitet er die Einrichtung von Beginn an.

„Aber auch historische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit wurden von Beginn an gewünscht und betrieben“, wie Huber betont. So gibt das Archiv regelmäßig Publikationen wie die Jahrbuchreihe „Historisches und Aktuelles“ und eine Schriftenreihe zu historischen Themen heraus. „Dazu hat letztes Jahr ein Kalender über die Kleindenkmale im Kreis unser Repertoire erweitert“, sagt Huber.

Hinzu kommen in loser Folge Vorträge und Ausstellungen – wie aktuell die deutsch-französische Wanderausstellung „Menschen im Krieg 1914-1918 am Oberrhein“, die bis zum 2. Juni in der Eingangshalle des Landratsamts zu sehen war. „Wir haben die Schau um die Liste der Gefallenen und Vermissten aus Gemeinden des heutigen Enzkreises ergänzt“, berichtet Archivmitarbeiter Marc Kinast. Knapp 3.000 Namen seien dafür in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen worden.

Abb.: Landrat Karl Röckinger begrüßte die Arbeitsgemeinschaft der Kreisarchivare beim Landkreistag Baden-Württemberg um ihren Vorsitzenden Dr. Wolfgang Sannwald (2.v.l.); ganz rechts Heike Sartorius, die den erkrankten Leiter des Enzkreis-Archivs vertrat (Foto: Enzkreis).

„Ein Vierteljahrhundert ist im Archivwesen natürlich kein Alter“, meinte Landrat Karl Röckinger schmunzelnd bei seiner Begrüßung der Baden-Württembergischen Kreisarchivare. Wie sehr sich jedoch dieser Arbeitsbereich gewandelt habe, zeige ein Blick auf die Tagesordnung des Treffens: Breiten Raum in der Agenda nahm – wie auch mehr und mehr in der täglichen Arbeit der Archive – die elektronische Langzeit-Archivierung ein.

Denn wo früher beschriebenes Papier zwischen Aktendeckeln gesammelt wurde, müssen heute immer öfter Unterlagen aus EDV-Anwendungen und E-Mails archiviert werden. Im Enzkreis setzt man dabei künftig auf das „Digitale Magazin“, eine Verbundlösung von Landesarchiv und Rechenzentren – „ein Angebot, um das uns Kollegen in anderen Bundesländern beneiden“, wie der Esslinger Kreisarchivar Manfred Waßner anmerkte. „Sie arbeiten weitab vom Klischee des staubigen Kellers und Dachbodens“, meinte Röckinger anerkennend.

Allerdings gehören im Enzkreis auch solche Plätze zuweilen zum Einsatzgebiet: „Seit 1996 bieten wir für die Städte und Gemeinden den Service, deren Archive zu pflegen“, berichtet Konstantin Huber. Denn dort bestand großes Interesse an der Aufarbeitung und Katalogisierung der zum Teil Jahrhunderte alten Bestände, die manchmal an geradezu verwegenen Orten gelagert worden waren. „Heute betreuen wir 60 Ortsteilarchive und beraten die Kommunen in Archiv- und Registratur-Angelegenheiten“, so Huber.

Außerdem werden im Kreisarchiv aktiv Sammlungsbestände angelegt und gepflegt: So entstanden ein umfassendes Fotoarchiv und die umfangreiche Fachbibliothek. Immer öfter erhalten die Fachleute auch Nachlässe von Familien- und Heimatforschern aus der Region, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen: „Bei uns gibt es Geschichte zum Anfassen“, sagt Heike Sartorius – und das dürfe jedermann gerne selbst probieren.

Kontakt:
Kreisarchiv des Enzkreises
Zähringerallee 3
75177 Pforzheim
Telefon 07231 308-9423
Telefax 07231 308-9837
Kreisarchiv@enzkreis.de

Quelle: Enzkreis, Pressemitteilung, 190 / 2015

Unzucht, knabbernde Untote und besondere Instrumente

„Zauberei!“ – „Wer? Wo?“ – „Cordt Wageners Frau!“ – „Wirklich?!“ – „Aber ja!“ Aber nein! Wie sich vor Gericht herausstellte. Die Anschuldigungen Johann Eickhoffs waren aus der Luft gegriffen: Verleumdung im Jahre 1612. Die Gerichtsbarkeit fackelte dann auch nicht lang und verurteilte Eickhoff zu einer Strafzahlung von 3 Mark.

Unzucht, knabbernde Untote und besondere Instrumente

Es wurde im damals noch recht beschaulichen Amt Hatzburg geraubt und geschlagen, beleidigt und Ehebruch begangen. Aufschluss über die (Un-)Taten im 17. Jahrhundert geben die so genannten „Brüchegeld-Register“, in denen penibel Fakten aufgelistet wurden. Bemerkenswert, besonders im Vergleich zu heute: Körperverletzungen, für die man dieser Tage ins Gefängnis kommen kann, wurden mit nur wenigen Mark Geldstrafe belegt. Bei Ehebruch oder voreheliche Schwangerschaften dagegen, also Vorkommnisse, die mittlerweile geradezu alltäglich sind, mussten die Übeltäter viel tiefer in den Geldbeutel langen. Das bis zu 20-Fache der Buße für eine „einfache“ Beleidigung war dann fällig.

Und die höchste ausgesprochene Strafe in der Zeit? „Das war ein besonders makabrer Fall aus dem Jahr 1604“, weiß Lukas Stahn, Geschichtsstudent an der Uni Hamburg und im Frühjahr 2015 Praktikant im Stadtarchiv Wedel, zu berichten. „Marius Dreyer grub auf dem Friedhof Leichen aus – mit der bizarren Begründung, die Toten würden an den Leinentüchern, in die sie eingewickelt waren, ‚nagen‘. Stolze 412 Mark und 8 Schilling kostete Dreyer das – ein Vermögen in der damaligen Zeit.“

Die Register, deren Originale im Landesarchiv in Schleswig liegen, wurden durch die Wedeler Stadtarchivarin Anke Rannegger transkribiert, also in gut lesbare Schrift übertragen. Im Rahmen seines Praktikums versah Stahn die Abschriften mit Erklärungen und einer Einführung. „Das Praktikum hat viel Spaß gemacht“, so der 23-Jährige. „Ich konnte einiges über die Arbeit in Archiven lernen – vielleicht ein Berufsweg, den ich später einschlagen möchte.“

Abb.: Anke Rannegger und Lukas Stahn (Stadtarchiv Wedel)

Nicht alle Fälle sind so makaber wie der des Herrn Dreyer. „Es gab auch einige witzige Vorkommnisse“, erzählt Stahn amüsiert. „Sehr unterhaltsam liest sich die Tat eines gewissen Lorenz Tidemann: 20 Mark musste er dafür bezahlen, dass er ‚gute Leute‘ beleidigt und vor deren Augen sein ‚Instrument‘ aus der Hose gezogen und vorgezeigt hatte!“

Link:
Unzucht, knabbernde Untote und besondere Instrumente. Hatzburger Brüchegeld-Register 1603-1617
herausgegeben vom Stadtarchiv Wedel, Anke Rannegger, Lukas Stahn – Juni 2015

Kontakt:
Stadtarchiv Wedel
Anke Rannegger
Telefon: 04103 707 215
Fax: 04103 707 88 215
A.Rannegger@stadt.wedel.de

Quelle: Stadtarchiv Wedel, Unzucht, knabbernde Untote und besondere Instrumente, Juni 2015

1945 – Kindheit im Umbruch. 35. Symposion des Niederösterreichischen Instituts für Landeskunde über Kinder im Schatten des Krieges

Die Erfahrungen von Kindern im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit, die Umbrüche in Familie und Schule und die Vermittlung in den heutigen Schulen sind Gegenstand einer Konferenz, die von 6. bis 8. Juli 2015 in Laa an der Thaya stattfindet.

 „70 Jahre nach Kriegsende rücken besonders die Schicksale von Kriegskindern ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Unsere Tagung greift dieses aktuelle und berührende Thema auf. Wir zeigen seine vielfältigen Aspekte, stellen neue Forschungsergebnisse vor und laden zur Diskussion darüber ein“, berichtet Elisabeth Loinig, Historikerin und Leiterin des Instituts für Landeskunde.

35. Symposion des Niederösterreichischen Instituts für Landeskunde über Kinder im Schatten des Krieges

Die Heranwachsenden erlebten die „Umbruchszeit“ zwischen 1943 und 1948, die Jahre zwischen Bombenkrieg, Kriegsende und Besatzungszeit, ganz unterschiedlich. So geht es in den Vorträgen um die Kinderlandverschickungen der NS-Zeit, um Kinder als Häftlinge im KZ oder um die Kinder der verfolgten Roma und Sinti. Kriegsende und Nachkriegszeit brachten für viele Kinder das Zerbrechen vertrauter Beziehungen, materielle Not und daraus folgend Krankheiten, viele erlebten Flucht und Vertreibung. Familie, Schule und Kirche unterlagen tiefgreifenden Veränderungen: Kinder ohne Väter, Mütter in der Rolle von Familienerhaltern, Lehrermangel, zerstörte, beschädigte oder zeitweilig geschlossene Schulen. Unterricht und Erziehung mussten nach dem Zusammenbruch der NS-Ideologie neu orientiert werden.

Der erste Schulausflug der Volksschule Niederfellabrunn nach dem Krieg, organisiert von der Pfarre Oberhollabrunn – 1946 (Sammlung Johanna Goldschmid, Fotograf konnte nicht ermittelt werden)

Abb.: Der erste Schulausflug der Volksschule Niederfellabrunn nach dem Krieg, organisiert von der Pfarre Oberhollabrunn – 1946 (Sammlung Johanna Goldschmid, Fotograf konnte nicht ermittelt werden)

Thema weiterer Vorträge ist die schwierige Situation für Familien, ob im ländlichen Bereich, in Heimkehrer- und Arbeiterfamilien sowie in den der Vernichtung entkommenen jüdischen Familien. Stefan Eminger, Zeithistoriker im NÖ Landesarchiv: „Es ist uns wichtig, auch aktuelle Schulprojekte vorzustellen. Sie zeigen, wie die Erfahrungen einer »Kindheit im Umbruch« heutigen Jugendliche vermittelt werden können.“

Motorradfahrt mit einem sowjetischen Besatzungssoldaten, Ybbs 1946 (Sammlung Franz Trautinger)

Abb.: Motorradfahrt mit einem sowjetischen Besatzungssoldaten, Ybbs 1946 (Sammlung Franz Trautinger)

Ein Abendempfang und ein kulturelles Rahmenprogramm runden das Tagungsangebot ab.

Das NÖ Institut für Landeskunde in St. Pölten ist eine Einrichtung des Landes Niederösterreich, die dem NÖ Landesarchiv angeschlossen ist. Es steht für Erforschung, Vermittlung und Publikation von historisch-landeskundlichen Themen. Das Institut veranstaltet seit 1980 jährlich öffentliche Symposien zu aktuellen Fragestellungen. Die Tagungen wandern in alle Regionen Niederösterreichs, um die lokale und universitäre Forschung zu vernetzen und ein breites Publikum anzusprechen.

Info:
35. Symposion des NÖ Instituts für Landeskunde,
6. bis 8. Juli 2015, Therme Laa – Hotel & Spa, 2136 Laa an der Thaya, Thermenplatz 3.
http://www.noe.gv.at/Bildung/Landeskundliche-Forschung/Institut-fuer-Landeskunde/1945_Kindheit.html

Wissenschaftliches Konzept:
Mag. Elisabeth Loinig, MAS (NÖ Institut für Landeskunde)
Mag. Dr. Stefan Eminger (NÖ Landesarchiv)

Teilnahmegebühr:
€ 15,– (inkl. Tagungsmappe und Rahmenprogramm); Studierende (bis 26 Jahre) kostenlos.

Anmeldung und Kontakt:
NÖ Institut für Landeskunde
Landhausplatz 1
3109 St. Pölten
Tel. 02742 9005 16255
post.k2institut@noel.gv.at

Aktuelles aus der Arbeitsgemeinschaft Archive in Nordhessen

Die Arbeitsgemeinschaft Archive in Nordhessen hat zwei aktuelle Arbeitserträge der Öffentlichkeit vorgestellt: Eine aktualisierte Version ihrer Selbstdarstellung und Archivepräsentation in Broschürenform sowie archivische Hinweise auf Bestände zum Ende des Zweiten Weltkriegs unter www.archive-nordhessen.de.

Vor siebzig Jahren endete der Zweite Weltkrieg und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft – Kassel lag wie viele deutsche Städte in Trümmern; die Folgen von Diktatur und Zerstörung bestimmten auf lange Zeit den Alltag der Menschen. Aus Anlass dieses Jahrestages hat die Arbeitsgemeinschaft Archive in Nordhessen Bestände online zusammengestellt. Auf der Internetseite www.archive-nordhessen.de präsentieren die Archive Nachlässe, Bildbestände und Sammlungen zu den Themen Nationalsozialismus, Kriegsende und Nachkriegszeit.

Die Freischaltung der Internetseite mit Hinweisen auf Bestände zum Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit fand am 24. April 2015 im Magistrats-Saal im Rathaus der Stadt Kassel statt.

Archivarinnen und Archivare der Arbeitsgemeinschaft Archive in Nordhessen nach der Präsentation des aktuellen Flyers im Rathaus der Stadt Kassel am 24. April 2015 (Foto: Stephan Kaiser, Pressestelle Stadt Kassel)

Abb.: Archivarinnen und Archivare der Arbeitsgemeinschaft Archive in Nordhessen nach der Präsentation des aktuellen Flyers im Rathaus der Stadt Kassel am 24. April 2015 (Foto: Stephan Kaiser, Pressestelle Stadt Kassel)

In einer dritten aktualisierten Auflage (2.500 Exemplare) liegt ab sofort die Broschüre der Arbeitsgemeinschaft wieder vor, der 15 Einrichtungen angehören: Archiv der deutschen Jugendbewegung, Archiv der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Archiv der Kasseler Sparkasse, Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, Archiv des Spohr Museums, Bundesarchiv des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, Deutsches Musikgeschichtliches Archiv, documenta Archiv, Freundeskreis Historisches Ihringshausen e. V., Archiv der Gedenkstätte Breitenau, International Tracing Service, Stadtarchiv Baunatal, Stadtarchiv Kassel, Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung, Universitätsbibliothek Kassel-Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel.

Die Broschüre liegt in den beteiligten Archiven kostenfrei aus und steht auch als pdf-Datei zum download zur Verfügung.

Ja zur Errichtung eines Kreis- und Kommunalarchivs Grafschaft Bentheim

Darüber dass der Landkreis Grafschaft Bentheim ein eigenes, professionell aufgestelltes Kreisarchiv benötigt, herrscht Einigkeit unter allen Fraktionen im Kreistag. Jetzt stimmte der Kreistag des Landkreises Grafschaft Bentheim in seiner Sitzung am 7.5.2015 mehrheitlich für den Neubau eines Kreisarchivs in Nordhorn. Der Bau des Kreis- und Kommunalarchivs soll im Rahmen einer privaten-öffentlichen Partnerschaft (PPP) erfolgen. Strittig blieb, ob der Kreis als Bauherr auftreten oder das Bauwerk über einen Investor finanziert werden soll.

Wie die Grafschafter Nachrichten berichten, führte der Erste Kreisrat Hans-Werner Schwarz zu Beginn der Debatte noch einmal den mittlerweile mehr als sechsjährigen Diskussions- und Entscheidungsprozess über ein neues Kreisarchiv vor Augen. Zentrales Anliegen sei, dass man nicht lediglich ein trockenes und feuerfestes Lager für Schriftgut bauen, sondern einen „besonderen außerschulischen Lernort“ schaffen wolle.

Der geplante Standort für das Kommunal- und Kreisarchiv Grafschaft Bentheim sei die „Grüne Wiese“ vor dem Nordhorner Kompetenzzentrum im NINO-Hochbau.

Quelle: Irene Schmidt, Grafschafter Nachrichten, 9.5.2015

Neubau des Kölner Stadtarchivs am Eifelwall beschlossen

Der Ausschuss Kunst und Kultur der Stadt Köln hat am 6.5.2015 in einer Sondersitzung einstimmig den Neubau des Historischen Archivs der Stadt Köln am Eifelwall beschlossen. Dem Beschluss ging eine „teilweise hitzige Diskussion“ um die Baukosten voraus, wie der Kölner Stadt-Anzeiger schreibt.

Bis 2019 soll nach den Plänen des Darmstädter Büros Waechter + Waechter das Gebäude für das Archiv samt Rheinischem Bildarchiv entstehen. Der Rahmen der Gesamtprojektkosten wird nach Angaben der Stadt Köln eingehalten bzw. sogar geringfügig unterschritten. Er werde lediglich formell erhöht aufgrund der Einplanung eines präventiven Sicherheitszuschlages von zehn Prozent der Baukosten. Zu diesem Verfahren hatte der Projektsteuerer der Stadt Köln geraten, wie die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln am 29.4.2015 erläuterte.

Insgesamt belaufen sich die Baukosten auf nach wie vor auf 75,9 Millionen Euro, der präventive Sicherheitszuschlag auf 7,6 Millionen Euro und die Einrichtungskosten auf weitere 6,5 Millionen Euro, in der Summe auf 90,1 Millionen Euro Gesamtprojektkosten.

Der Rat hat die Verwaltung am 18.7.2013 mit der Weiterplanung des Neubaus für das Historischen Archiv und das Rheinische Bildarchiv beauftragt. Diesem Beschluss lag eine Kostenschätzung zu Grunde, die sich auf 76,331 Mio. Euro belief. Es handelt sich dabei um die Gesamtbaukosten (brutto), die auch die Regalanlagen für die Magazine des Archivs beinhalten. Für das bewegliche Mobiliar der beiden Nutzereinrichtungen waren seinerzeit zusätzlich 6,566 Mio. Euro veranschlagt.

Die Steigerung des Baupreisindexes ist bereits in den Gesamtkosten berücksichtigt. Die Erfahrung aus anderen Großprojekten, wie z.B. der Sanierung der Bühnen in Köln zeige, so die Stadt Köln, dass ein solcher Zuschlag sinnvoll sei.

Nichtsdestotrotz kündigte die CDU an, die Kosten für das neue Kölner Stadtarchiv vom Rechnungsprüfungsamt untersuchen lassen zu wollen.

Quelle: Stadt Köln, Pressemitteilung, 29.4.2015; Matthias Pesch, Kölner Stadt-Anzeiger, 6.5.2015