Vor 777 Jahren: Der Bischof von Münster überlässt den Beckumer Bürgern einen Teil seines Besitzes

Kreisarchiv Warendorf präsentiert „Wiedervorlage“ 5/2015

In der aktuellen Folge der Serie „Wiedervorlage“ präsentiert das Kreisarchiv Warendorf ein Dokument, das vor genau 777 Jahren entstanden ist. In der Urkunde aus dem Jahr 1238 überlässt der Bischof von Münster den Beckumer Bürgern einen Teil seines Besitzes gegen eine jährliche Zahlung. Im Kreisarchiv wird das Dokument auch als „Stadt Beckum U 1“ bezeichnet – denn es handelt sich um die erste Urkunde aus Beckum und sogar um das älteste Dokument im gesamten Kreisarchiv. Ausgestellt wurde die Urkunde am 1. November 1238.

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Abb.: Bischof Ludolf von Münster überlässt am 1. November 1238 die Äcker seines Hofes in Beckum den dortigen Bürgern gegen die jährliche Zahlung eines festgelegten Betrages zur eigenen Bewirtschaftung. (Kreisarchiv Warendorf, Stadt Beckum U 1)

Urkunden gehören zu den wichtigsten und ältesten Quellengruppen, die das Kreisarchiv Warendorf beherbergt. Sie finden sich in großer Zahl in den Beständen der Städte und Gemeinden des Kreises. Ihre Aussteller sind überwiegend geistliche und weltliche Herrschaftsträger, wie Bischöfe, Grafen oder Städte. Eine Urkunde stellt den Abschluss eines Rechtsgeschäfts dar. Sie war vor allem im Mittelalter ein wichtiges Mittel der Rechtssicherung. Die Mehrzahl der Urkunden bezieht sich auf die Veränderungen im Grundbesitz und der dazugehörigen Rechte und Abgaben. Bis in das 15. Jahrhundert hinein wurden Urkunden auf Pergament geschrieben. Erst danach setzt sich das günstigere Papier als Beschreibstoff durch.

Doch zurück zur „Stadt Beckum U 1“: In der auf Latein verfassten Urkunde verzichtet Ludolf von Holte, seit 1226 Bischof von Münster, als Landesherr gegen die Zahlung eines jährlich zu entrichtenden Betrages auf die eigenständige Bewirtschaftung seiner Güter und seiner Mühle in Beckum sowie auf seinen Rechtsanspruch, in Beckum Gericht halten zu dürfen.

Die Beckumer Bürger wurden damit endgültig aus der bischöflichen Verwaltung entlassen. Sie konnten fortan ihre Gemeindeangelegenheiten selbständiger und freier gestalten. In Zukunft traten sie selbstbewusster nach außen. Als Zeugen dieses Vertrages werden sieben geistliche Würdenträger und siebzehn Laien genannt, für die angenommen werden darf, dass sie dem Rechtsakt beigewohnt haben.

Beglaubigt ist die Urkunde mit dem Siegel des Ausstellers, das die für geistliche Siegelführer typische spitzovale Form hat und an rot-gelben Seidenfäden (in Leinen eingenäht) angehängt worden ist. Das Siegel ist leider zerstört, würde aber in einer idealisierten Darstellung das Selbstbildnis des Siegelführers, Bischof Ludolf von Holte zu Münster, zeigen.

Hintergrund: Serie „Wiedervorlage“
Mit der Serie „Wiedervorlage“ macht das Kreisarchiv Warendorf mit historischen Dokumenten aus seinen Beständen bekannt. In regelmäßigen Abständen präsentiert das Archiv Unbekanntes, Merkwürdiges, Schönes oder Nachdenkliches aus seinen Beständen. Damit öffnet man ein Fenster, durch das man einen kleinen Einblick in die reichen Bestände des Endarchivs gewinnen kann. Zu sehen sind die Ausstellungen mit Originalen aus dem Kreisarchiv in der Vitrine im Foyer des Warendorfer Kreishauses und im Flur vor dem Lesesaal des Kreisarchivs.

Kontakt:
Kreisarchiv Warendorf
Waldenburger Straße 2
48231 Warendorf
Telefon: 02581/53-1040
Fax: 02581/53-1041
kreisarchiv@kreis-warendorf.de

Quelle: Kreis Warendorf, Pressemitteilung, 16.11.2015

90 Jahre Unternehmensgeschichte: Westfalenhallen öffnen ihr Archiv

Am 28. November 1925 wurde in der deutschen und europäischen Veranstaltungsgeschichte ein neues Kapitel aufgeschlagen. Nur etwas mehr als sieben Monate nach Baubeginn fand damals die Eröffnung der ersten Westfalenhalle statt. „Mit dem spektakulären Holzbauwerk begann die Erfolgsgeschichte der Westfalenhallen, die bis heute fortgeschrieben wird“, erklärt Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen Dortmund GmbH. Im Jahr des runden Geburtstages macht das Unternehmen nun gemeinsam mit dem Westfälischen Wirtschaftsarchiv (WWA) seinen faszinierenden Archivbestand für die Fachöffentlichkeit zugänglich. Am Tag des 90. Geburtstages selbst findet die Gala des wohltätigen Vereins „Kinderlachen“ statt und thematisiert u. a. den Jahrestag. Für 2016 ist eine Ausstellung mit Konzertfotos der Rolling Stones in Planung. Der Erfolg der Gala ist ein Teil der langen Westfalenhallengeschichte seit 1925. Weltweit gibt es nur ganz wenige Arenen, die mit einer vergleichbaren Historie aufwarten können. Die Liste der Stars und Künstler, die hier aufgetreten sind, umfasst hunderte Namen.

„Die Entwicklung der Westfalenhallen ist nicht nur mit der Dortmunder Stadtgeschichte, sondern auch mit der Entwicklung der gesamten Region eng verknüpft“, sagt Dr. Karl-Peter Ellerbrock, Direktor des Westfälischen Wirtschaftsarchivs. „Neun Jahrzehnte lang haben die Veranstaltungen Sportgeschichte, aber auch deutsche Kulturgeschichte geschrieben.“ Das mache das Archiv der Westfalenhallen so wertvoll. „Allein schon die historischen Veranstaltungsplakate sind faszinierende Zeitzeugen, die tief in die kulturelle Seele der Gesellschaft blicken lassen.“

Das Westfälische Wirtschaftsarchiv wird Anfang kommenden Jahres ein Projekt im Auftrag der Westfalenhallen abschließen, welches das Archiv professionell aufgearbeitet hat. Das Projekt dauerte ein ganzes Jahr, denn es gab wahrhaftig viel zu tun. 140 Regalmeter Unterlagen mussten gesichtet werden, darüber hinaus auch rund 150 Erinnerungsstücke aus der Westfalenhallen-Historie. Die ältesten Unterlagen stammen bereits aus dem Jahr 1916. Der Bestand wurde datenbankgestützt verzeichnet und verschlagwortet. Zur professionellen Aufbereitung gehört auch eine professionelle Lagerung. Sämtliche Akten wurden durch das Entfernen von Heftklammern und Ordnern rostfrei „entmetallisiert“ und für eine langfristige Aufbewahrung in spezielle Archivkartons umgebettet. Einige Exponate, darunter der Wimpel von der Eröffnung 1925, sind auch restauriert worden.

Ab April kann der Westfalenhallen-Bestand nun durch interessierte Forscher oder Studenten eingesehen werden. Möglich ist dies über die Westfalenhallen selbst oder über das Westfälische Wirtschaftsarchiv. Die Findmittel sind an beiden Standorten verfügbar. „Gern machen wir den Archivbestand der interessierten Öffentlichkeit und der Forschung zugänglich, weil wir wissen, wie wichtig die Unterlagen auch über die regionale Wirtschaftsgeschichte hinaus sind. Die Inhalte sind ein Stück deutscher Geschichte“, so Sabine Loos. „Das Wirtschaftsarchiv hat mit dem Zugriff auf den Westfalenhallenbestand einen einmaligen, wertvollen Zuwachs erfahren“, freut sich Dr. Ellerbrock.

Eine Nutzung des Archivs setzt eine vorherige Terminabsprache voraus.

Kontakt Westfalenhallen: medien@westfalenhallen.de
Kontakt WWA: wwado@dortmund.ihk.de

Quelle: Mailingliste Geschichtskultur Ruhr, 30.11.2015

Verzeichnisse der Stadt- und Gemeindearchive im Enzkreis frei online verfügbar

Seit fast 20 Jahren ordnen die Kreisarchivare des Enzkreises die Archive der Städte und Gemeinden, die über kein eigenes Fachpersonal verfügen. Die Verzeichnisse dieser Arbeit sind jetzt im Internet-Auftritt des Enzkreises frei zugänglich.

Insgesamt 27 dicke, blaue Bücher umfasst derzeit die Serie der Archiv-Verzeichnisse, die auch Findbücher oder Repertorien genannt werden. In monate-, manchmal auch jahrelanger Arbeit sichten und ordnen die Fachleute des Enzkreises das historische „Gedächtnis“ der Kommunen in Form der erhaltenen Akten und Bände und erschließen sie inhaltlich. „Erst durch die Schaffung dieses Zugangs zu den enthaltenen Informationen wird klar, welche Schätze für die Ortsgeschichte teilweise jahrhundertelang in Rathauskellern und -dachböden schlummerten“, weiß Heike Sartorius zu berichten: „Die Arbeit ist in der Tat manchmal staubig, doch es kommen immer hochinteressante Dokumente zum Vorschein.“ Sartorius hat einen beachtlichen Teil der Archive in den letzten zwanzig Jahren geordnet.

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Abb.: Die Kreisarchivare Marc Kinast (links) und Heike Sartorius (rechts) mit Praktikantin Madeleine Wollmer und dem Stapel der nun online gestellten Findbücher (Foto: Enzkreis).

Durch das Landesarchivgesetz sind der Erhalt und die Nutzbarmachung dieser kommunalen Schriftgutbestände für die interessierte Öffentlichkeit vorgeschrieben. Die Findbücher waren bisher lediglich in Druckform im Kreisarchiv und bei den jeweiligen Gemeindeverwaltungen einsehbar. Jetzt können sie von Heimatforschern oder an Familiengeschichte Interessierten komfortabel am heimischen PC eingesehen werden – und bieten in digitaler Form eine Suchfunktion zur bequemeren Recherche. Wer dann durch die Angaben zu Inhalt, Entstehungszeitraum und Umfang neugierig geworden ist, kann die Archivalien nach Terminvereinbarung unter Angabe der entsprechenden Bestandsnummer in den Rathäusern vor Ort selbst in Augenschein nehmen.

Die bisher ältesten Schriftstücke finden sich in den Gemeindearchiven von Tiefenbronn (1517), Ersingen und Ölbronn (1569), Engelsbrand (1571) und Niebelsbach (1576). Immerhin bis ins 17. Jahrhundert reichen die Unterlagen von Mühlhausen an der Würm (1614), Königsbach (1666), Wimsheim (1673), Schützingen (1683) und Wiernsheim (1688) zurück. Die übrigen Archive setzen erst nach 1700 ein, enthalten aber teilweise ebenfalls sehr umfangreiche Bestände. Große Verluste durch Kriegszerstörungen oder Brand mussten die Archive von Heimsheim, Salmbach und Serres erleiden.

„Die älteren Findbücher sind mit Textverarbeitungsprogrammen erstellt worden, die mittlerweile nicht mehr fehlerfrei lesbar waren. Daher mussten wir vor der Online-Stellung zunächst neue digitale Vorlagen schaffen“, erklärt Marc Kinast, unter dessen Anleitung insbesondere Madeleine Wollmer das umfangreiche Datenmaterial aufbereitet hat. Sie absolvierte im Rahmen ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste am Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein mehrwöchiges Praktikum im Kreisarchiv des Enzkreises.

Zur Verbreitung der Verzeichnisse soll auch die geplante Einbindung in die neuen bundesweiten Portale „Deutsche Digitale Bibliothek“ und „Archivportal D“ beitragen. Die digitalen Findbücher sind online zu finden unter: https://www.enzkreis.de/kreisarchiv

Kontakt:
Kreisarchiv des Enzkreises
Zähringerallee 3
75177 Pforzheim
Telefon 07231 308-9423
Telefax 07231 308-9837
Kreisarchiv@enzkreis.de

Quelle: Enzkreis, Pressemitteilung 455 / 2015

100 Jahre Stadtarchiv Gera

Vor hundert Jahren, am 1. Dezember 1915, wurde der Geraer Lehrer Ernst Paul Kretschmer (1887-1957) auf Vorschlag des Jenaer Professors Mentz nebenamtlich zum Stadtarchivar in Gera berufen. Damit begann die Geschichte des öffentlich nutzbaren Stadtarchivs von Gera, wie die OTZ berichtet.

Zwar existierte bereits zuvor ein Stadtarchiv, doch dieses war den Geraer Bürgern nicht öffentlich zugänglich. Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die aus dem Geschäftsgang ausgesonderten Registraturen der Stadtverwaltung weder geordnet, noch sicher untergebracht. 1915 lagerte das Archivgut der Stadt Gera in einem Keller unter der Küche des Ratskellers.

Der heutige Leiter des Geraer Stadtarchivs, Klaus Brodale, erinnert aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums an die Lebensleistung, die sein Vorgänger ehrenamtlich erbracht hat: „Er erstellte Findkarteien, leistete Auskunft für städtische Dienststellen, Wissenschaftler, Vereine, Privatpersonen und baute selbst Sammlungen auf. So die zeitgeschichtliche Sammlung, die Material-, Bild und Kartensammlung, er erfasste die Ratsbibliothek und legte den Grundstein für einen lückenlosen Zeitungsbestand ab 1795, erforschte Regionalgeschichte.“

Ernst Paul Kretschmer, zuletzt Realoberlehrer, war von 1915 bis 1945 nebenamtlich, bis 1952 dann hauptamtlich Stadtarchivar in Gera. Der vom Thüringischen Landesarchiv im Jahre 1959 erworbene Nachlass Kretzschmers ist im Wesentlichen ein Niederschlag der sehr produktiven Tätigkeit Kretschmers auf dem Gebiet der Geraer Ortsgeschichte und der reußischen Heimatgeschichte. Er enthält großenteils druckfertige Ausarbeitungen, vermischt mit gesammeltem sonstigem Material, darunter einzelne Originalschriftstücke.

Kontakt:
Stadtverwaltung Gera
Fachdienst Zentrale Dienste
Stadtarchiv
Gagarinstraße 99
07545 Gera
Fon: 0365 838-2140 bis -2144
Fax: 0365 838-2145
stadtarchiv@gera.de

Quelle: Elke Lier / OTZ, 1.12.2015

Fuldaer Fachtagung „Das Ganze im Fragment“

Fachtagung „Das Ganze im Fragment. Zerstörte und wiederentdeckte Schätze aus kirchlichen Bibliotheken, Archiven und Museen“ in Fulda

Die Altbestandskommission der Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Theologischer Bibliotheken (AKThB) und des Verbandes kirchlich-wissenschaftlicher Bibliotheken (VkwB) veranstaltete am 27./28. November 2015 in Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät Fulda und dem Institut Bibliotheca Fuldensis ihre 2. Tagung.
Fragmente aus mittelalterlichen Handschriften gehören zu den verborgenen Kostbarkeiten der schriftlichen Überlieferung. Jenseits von spektakulären Funden ist die Aufmerksamkeit für diese Überreste außerhalb von Fachkreisen eher verhalten.

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Abb.: Das Landeskirchliche Archiv Kassel hatte die Gelegenheit, sein seit 2003 laufendes Projekt „Einbandfragmente in Pfarrarchiven aus Kurhessen-Waldeck finden und digital erschließen“ vorzustellen. Dr. Bettina Wischhöfer und Dr. Konrad Wiedemann (im Bild) referierten im Audimax der Theologischen Fakultät Fulda (Foto: Wischhöfer)

Die von Dr. Alessandra Sorbello Staub, der Bibliotheksdirektorin des Bischöflichen Priesterseminars, organisierte Veranstaltung vermittelte einen Einblick in die aktuelle Forschung und bot die Gelegenheit, laufende Projekte und Forschungsvorhaben aus dem Bereich der kirchlichen Bibliotheken und Archive aus interdisziplinärer Sicht kennenzulernen. Sie war mit 50 Interessierten gut besucht und fand im Audimax der Theologischen Fakultät Fulda statt.

Die Tagung ist Bestandteil eines Modellprojektes der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts für den Themenschwerpunkt 2015 „Vergessene Kostbarkeiten“ und wird mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Kulturstiftung der Länder finanziert.

Netzwerk der Fußballmuseen und Vereinsarchive zu Gast in Dortmund

Am 9. und 10. November 2015 traf sich das Netzwerk Deutscher Fußballmuseen und Vereinsarchive in Dortmund zu seiner Herbsttagung. Das BORUSSEUM sowie das neu eröffnete Deutsche Fußballmuseum hatten gemeinsam in die Revier-Metropole eingeladen. An der zweitägigen Veranstaltung nahmen rund 40 Archiv- und Museumsvertreter aus 24 Vereinen der vier höchsten deutschen Ligen teil.

BORUSSEUM-Leiterin Nicole Kayser begrüßte die Gäste im „schönsten Stadion der Welt“. Bei einer Führung erhielten die Teilnehmer einen persönlichen Einblick in die Arbeit des BVB-Museums und die Abläufe vor Ort. In einem Vortrag stellte die Leiterin des Evonik Industries Konzernarchivs, Frau Dr. Andrea Hohmeyer, ihre Institution vor. Dabei verwies sie auf die Aktivitäten der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchive, die sich ähnlich wie das Netzwerk der Fußballmuseen für eine stärkere Beachtung historischer Fragestellungen in Unternehmen einsetzt. Am Nachmittag beschäftigten sich die Museumsvertreter mit strukturellen Fragen zur künftigen Ausrichtung des Netzwerkes. Am Abend bot eine Lesung in den Umkleidekabinen des BVB im Rahmen des Dortmunder LesArt.Festivals die Möglichkeit für einen geselligen Austausch unter den Teilnehmern.

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Abb.: Netzwerk der Fußballmuseen und Vereinsarchive zu Gast in Dortmund

Veranstaltungsort des zweiten Tages war das kürzlich eröffnete Deutsche Fußballmuseum. Museumsdirektor Manuel Neukirchner stellte in seiner Begrüßung die Entstehungsgeschichte, das Sammlungskonzept und die Ausstellung des Hauses vor. Er bedankte sich bei den Vereinsvertretern für die gute fachliche Zusammenarbeit und ihre Unterstützung beim Sammlungsaufbau in den vergangenen Monaten und Jahren. Daraufhin besichtigten die Teilnehmer die erste Dauerausstellung zur Geschichte des gesamten deutschen Fußballs und zeigten sich in einer anschließenden Diskussionsrunde von der Realisierung im Museum äußerst angetan. Zum Abschluss der Tagung wurden kommende Aktivitäten des Netzwerkes miteinander abgestimmt.

Das Netzwerk Deutscher Fußballmuseen und Vereinsarchive ist ein Zusammenschluss haupt- und ehrenamtlicher Klubvertreter. In ihm sind derzeit rund 40 Vereine organisiert. Zu den Aufgaben des Netzwerkes gehören die fachliche Weiterbildung und der kollegiale Austausch unter den Mitgliedern. Ein weiteres Ziel ist es, die Arbeit der Vereinsmuseen insgesamt sichtbarer zu machen und damit die Bedeutung der Fußballgeschichte für die deutsche Öffentlichkeit zu stärken.

Das nächste Treffen des Netzwerks ist für das Frühjahr 2016 terminiert. Die Aktivitäten werden von einem Sprecherkreis koordiniert, dem momentan Freddy Fenkes (VfL Osnabrück), Sebastian Kurbach (Hannover 96), Fabian Raabe (FC Bayern München), Matthias Thoma (Eintracht Frankfurt) und Dr. Henry Wahlig (Deutsches Fußballmuseum / VfL Bochum) angehören.

Altertumsverein Paderborn ehrt Rolf-Dietrich Müller mit einer Festschrift zum 65. Geburtstag

Der langjährige Leiter des Stadtarchivs Paderborn, Archivoberrat Rolf-Dietrich Müller, erwarb sich als ehrenamtlicher Geschäftsführer des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn in den Jahren 2003 bis 2013 große Verdienste um einen der ältesten Geschichtsvereine Deutschlands. Dem blieb es leider bislang verwehrt, ihm hierfür zu danken. Nun holt der Altertumsverein dies mit einer Festschrift zum 65. Geburtstag Müllers im Oktober 2015 nach.

Unter dem Titel „Kommunalarchiv und Regionalgeschichte“ versammelt der von Andreas Gaidt und Wilhelm Grabe herausgegebene Band neben einer Einführung über Rolf-Dietrich Müller und seiner Bibliografie 21 Beiträge von Berufs- und Vereinskollegen, Weggefährten und Freunden, die die Person Müllers und das Stadtarchiv Paderborn als roter Faden zusammenhalten. Der erste Teil gewährt einen Blick hinter die Kulissen des Stadtarchivs Paderborn, nämlich in die Bildersammlungen (Ansichtskarten, Filme, Erschließung und Bewertung von Fotos), die Müller stets am Herzen lagen und überregional bedeutend sind. Ergänzt werden die Paderborner Themen mit Texten über das Institut für Deutsche Studentengeschichte, dessen Archiv- und Bibliotheksbestände im Stadtarchiv Paderborn zuhause sind, über ein Problem der digitalen Langzeitarchivierung und über westfälische Adelsarchive. Damit ist der Horizont des Bandes abgesteckt: Auch die Paderborner Beiträge weisen weit über die Paderstadt hinaus.

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Abb.: Gutgelauntes Geburtstagskind mit anwesenden Autoren nach der Buchübergabe, v.r.: Josef Walter, Wilhelm Grabe, Wolfram Czeschick, Andreas Gaidt, Friedrich Gerhard Hohmann, Rolf-Dietrich Müller, Anikó Szabó mit Festschrift, Christian Berg, Hermann-Josef Schmalor, Michael Pavlicic, Arnold Otto (Foto: Altertumsverein Paderborn / Klaus Grohn)

Dies wird im zweiten Teil, der sich regionalgeschichtlichen Themen zuwendet, noch deutlicher. Diesen Beiträgen liegen großenteils Paderborner Archivalien zugrunde, dennoch sind auch sie von deutlich überregionalem Interesse. Dies zeigt sich etwa in der historischen Einordnung einer Dichtung des Liberalen und Paderborner Liedervaters August Baumann über den „Kaffeekrieg in Paderborn“ aus der Zeit des Kulturkampfes oder in der Darstellung des „ersten Nationalsozialisten Westfalens“, als der sich der völkische Wanderprediger Heinrich Dolle selbst bezeichnet hat. Weitere Aufsätze handeln über den Aufstieg und den Niedergang der Curanstalt Inselbad, Paul Michels Verdienste als Stadtbaurat, Heinz Nixdorfs Engagement in Brasilien und über den Maler des Paderborn des frühen 19. Jahrhunderts, Franz Joseph Brand. Eine interessante migrationsgeschichtliche Parallele zwischen Rolf-Dietrich Müller und dem Paderborner Postmeister Conrad Bernhard Meyer wird genau beleuchtet. Einem besonderen Blick auf Libori und das Für und Wider der Benennung von Straßen nach Personen mit besonderem Blick auf Paderborn sind weitere Studien gewidmet. Die Bedeutung des Militärs für die Entwicklung der früheren fürstbischöflichen Residenz Neuhaus im 19. Jahrhundert wird aus der Ortschronik herausgelesen. Der letzte, in Paderborn bislang nicht bekannte Versuch Hessen-Kassels, sich das Fürstbistum Paderborn einzuverleiben, wird seziert. Die komplizierte Gründungsgeschichte der Gesamthochschule, heute Universität Paderborn wird dargelegt, Beiträge über die Entstehung und Entwicklung der Syrisch-Orthodoxen Kirche mit einem Brückenschlag zur Paderborner Kirchengemeinde, über den Weg Salzkottens in den Nationalsozialismus und nicht zuletzt – und für Außenstehende überraschend – über den Aktenbestand des Reichs- und Bundesschleppbetriebs im Landesarchiv NRW in Münster sowie Hinweise zu den hochkarätigen Autoren runden den Band ab, die dann auch den überzeugenden Grund für den letzten Beitrag deutlich machen.

Info:
Andreas Gaidt und Wilhelm Grabe (Hrsg.): Kommunalarchiv und Regionalgeschichte. Rolf-Dietrich Müller zum 65. Geburtstag. Hrsg. im Auftrag des Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn. Paderborn: Bonifatius Druck-Buch-Verl., 2015. 323 S., zahlr. Abb. ISBN: 978-3-89710-653-6, 19,90 € im Buchhandel.

 

Grevener Geschichtsblätter 8

Das Stadtarchiv Greven hat die 8. Ausgabe der Grevener Geschichtsblätter veröffentlicht. Das reich bebilderte Heft beinhaltet drei Aufsätze. Der Historiker Klaus Brenken beschäftigt sich mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Greven in den 1980er Jahren, in denen ein offenerer Umgang mit dem Dritten Reich, dem Zweiten Weltkrieg und den Nachkriegsjahren möglich war. Stadtarchivar Stefan Schröder thematisiert das korrekte Datum und die gültige Urkunde zur Stadtwerdung 1950. Bislang wurde zu Unrecht eine schöne, aber bedeutungslose Stadtrechtsurkunde präsentiert.

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Im Beitrag des Historikers Christoph Leclaire wird unter anderem das Schicksal des polnischen Zwangsarbeiters Antoni Bachanek vorgestellt, der eine beispielhafte Verfolgten-Odyssee während des Nationalsozialismus erlebte. Darüber hinaus werden zu den bereits bekannten verfolgten Zwangsarbeitern in Greven neue Forschungsergebnisse präsentiert – inklusive einiger erstmalig veröffentlichter Fotos von ihnen. So ist es Leclaire sogar gelungen, einem der beiden 1942 in den Bockholter Bergen hingerichteten Zwangsarbeiter, dem polnischen Kriegsgefangenen Franciszek Banaś, ein Gesicht zu geben.

Die „Grevener Geschichtsblätter 8“ mit einem Umfang von 43 Seiten sind zum Preis von 7 Euro im Rathaus (Information), im Stadtarchiv (Rathauskeller) und in der Stadtbibliothek Greven erhältlich.

Als Service bietet das Stadtarchiv die neue Ausgabe im greven.net kostenfrei zum Download an (unter www.greven.net/geschichte-downloads).

Kontakt:
Stadtarchiv Greven
Rathausstr. 6
48268 Greven
Telefon: 02571/920-358 (-458)
Telefax: 02571/920-320
archiv@stadt-greven.de

10 Jahre Forum Regionalgeschichte – Historiker-Vereinigung feiert Jubiläum

Sie sind Archivare, Museumsleute oder freie Historiker: Die rund 20 Mitglieder des Forums Regionalgeschichte, die sich seit zehn Jahren in regelmäßigen Abständen fachlich austauschen. Zur zwanzigsten Sitzung in der historischen Umgebung des Klosters Maulbronn kam man in Rekordbeteiligung zusammen.

Information und Kooperation – das sind die Ziele der Gruppe, die sich 2005 als Arbeitsgemeinschaft konstituierte. Das Kreisarchiv des Enzkreises hatte damals hauptamtliche Archivare und Museumsleiter ebenso wie freiberuflich arbeitende Historiker aus dem Pforzheimer Raum ins Landratsamt eingeladen. „Für Historiker ist interessant, welche Quellen in welchen Bildungseinrichtungen zu recherchieren sind, und für die Institutionen ist es wichtig zu wissen, welche Themen bei den Historikern gefragt sind“, fasst Kreisarchivar Konstantin Huber die Zielsetzung zusammen. Auf diese Weise können zum Beispiel Archivare bei der Auswahl der aufzubewahrenden Quellen solche Themen stärker berücksichtigen – und mit einer aktiven Überlieferungsbildung die Geschichtsschreibung der Zukunft maßgeblich mitbestimmen.

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Abb.: Gruppenbild zur Jubiläumssitzung: Die Teilnehmer des Forums Regionalgeschichte trafen sich im Klosterhof in Maulbronn (Foto: Markus Friedrich)

Jeweils im Frühjahr und im Herbst treffen sich die Mitglieder des Forums Regionalgeschichte an wechselnden Orten in der Region – von Mühlacker bis Remchingen und von Knittlingen bis Calw „Fachlicher Austausch und Vernetzung stehen im Zentrum unserer Zusammenarbeit“, erklärt Huber. Außer der Besichtigung der verschiedenen Bildungseinrichtungen werden jeweils Fachreferate gehalten. Das Themenspektrum ist dabei enorm breit gestreut: Von keltisch-römischer Archäologie über mittelalterliche Burgen im Enztal, emanzipierte Frauen in der Frühneuzeit, Pressegeschichte in Weimarer Republik und Nationalsozialismus bis zur Flüchtlingsfrage der Nachkriegszeit reicht die Palette.

„Das Thema Migration haben wir schon mehrfach aufgegriffen, zum Beispiel die Einwanderung von Schweizern und Waldensern im 17. Jahrhundert“, sagt Huber. Bei der jüngsten Sitzung in Maulbronn berichtete als externer Referent Dr. Lothar Wieser aus Mannheim über die Auswanderung nach Brasilien. Die meisten Beiträge aber stammen von Mitgliedern des Forums selbst – meist Berichte über die Forschungsprojekte der Referenten mit anschließender Diskussion.

Informationen zu speziellen historischen Quellen, etwa zu Bauplänen und Flurkarten oder Nachlassinventaren fehlen ebenso wenig wie aktuelle Informationen, die alle Teilnehmer in ihrer täglichen Arbeit beschäftigen. So ging es bereits mehrfach um das Thema Digitalisierung: Sowohl für die Sicherung von Unterlagen der Institutionen als auch für die bequeme Nutzung online gestellter Informationen am eigenen PC seien die neuen digitalen Entwicklungen und Möglichkeiten enorm wichtig, meinen die Mitglieder. Deshalb denkt man im Forum auch über eine gemeinsame Homepage nach.

Die verschiedenen Veranstaltungen mehrerer teilnehmender Institutionen zum Ersten Weltkrieg fanden in einem gemeinsamen Flyer ihren Niederschlag. Die jüngste Kooperationsidee stammt von Maulbronns Stadtarchivar Martin Ehlers: Das Sammeln von Unterlagen zu Zunft und Handwerk in vorindustrieller Zeit. „Daraus kann sich durchaus ein gemeinsames Ausstellungsprojekt entwickeln kann“, hofft Ehlers.

Quelle: Enzkreis, Pressemitteilung, 439/2015, 19.11.2015

„Urwüchsig und unbildsam“? Die Volksschule auf dem Weg der Verstaatlichung

Eine kleine Ausstellung der Bayerischen Archivschule,
bearbeitet von Daniela Kraus und Teresa Massinger

„Urwüchsig und unbildsam“ seien doch fast alle seine Schüler – so begründete der Schulinspektor und Pfarrer Karl Franz 1880 die schlechte Beurteilung der Schule Wildenroth. Mit Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1802 schaltete sich der bayerische Staat immer mehr in die schulische Ausbildung der bayerischen Kinder ein, die bis dahin vor allem privaten und kirchlichen Institutionen vorbehalten war. Visitationen und Beurteilungen wie die der Schule Wildenroth waren damit keine Seltenheit mehr. Insgesamt wandelte sich das bayerische Volksschulwesen durch die aufkommende Verstaatlichung grundlegend.

Die Exponate der kleinen Ausstellung beleuchten anhand der beiden Volksschulen Kottgeisering und Wildenroth im Landkreis Fürstenfeldbruck diesen Prozess. Dabei werden die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, der Bau moderner Schulhäuser, der Unterrichtsalltag der Schülerinnen und Schüler sowie die stetige Professionalisierung des Lehrerberufs aus eineinhalb Jahrhunderten Schulgeschichte thematisiert. Die Ausstellung wählt dabei den „Blick von unten“ und will der Frage nachgehen, was es mit der Urwüchsigkeit der bayerischen Schulkinder damals auf sich hatte.

Zu sehen sind 30 Ausstellungsstücke vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Neben Urkunden und Akten werden auch handgezeichnete Pläne, Holzschnitte, Fotografien und kolorierte Schulfibeln gezeigt. Darunter befinden sich Leihgaben aus dem Gemeindearchiv Grafrath, der Gemeinde Kottgeisering, der Bayerischen Staatsbibliothek und des Schulmuseums Nürnberg.

Ein 52-seitiger, bebilderter Katalog beschreibt die Exponate ausführlich und ordnet sie in den historischen Kontext ein. Er kann gegen eine Schutzgebühr von 1 € im Foyer des Bayerischen Hauptstaatsarchivs erworben werden.

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 8.30 – 18.00 Uhr, Freitag 8.30 – 13:30 Uhr, an Feiertagen, Heiligabend und Silvester geschlossen.

Führungen für Gruppen können telefonisch unter (089) 28638-2489 vereinbart werden.

Der Eintritt ist frei.