Stadtarchiv Sendenhorst im Blickpunkt

Kreisarchiv Warendorf hat historische Unterlagen auch online zugänglich gemacht

In der aktuellen Ausgabe seiner Reihe „Wiedervorlage“ macht das Kreisarchiv Warendorf auf historische Unterlagen der Stadt Sendenhorst aufmerksam. Nach gut sechs Monaten ist es geschafft: Der gesamte, von der Stadt Sendenhorst dem Kreisarchiv anvertraute Bestand mit amtlichen Unterlagen der Jahre 1918 bis 1949, ist nun sortiert, „entgrätet“, gesäubert, umgebettet, durchgesehen, geordnet, verzeichnet und im Magazin an seinem vorgesehenen Platz geräumt.

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Abb.: Die Windmühle der Familie Wößmann in Sendenhorst.(KAW, S 05 Sendenhorst Nr. 36)

Unter dem Titel „Wiedervorlage“ stellt das Warendorfer Kreisarchiv in regelmäßigen Abständen Unbekanntes, Merkwürdiges, Schönes oder Nachdenkliches aus seinen Beständen vor. Im Foyer des Kreishauses werden bis Mitte September 2016 aktuell ausgewählte Stücke der Stadt Sendenhorst in einer Vitrine ausgestellt. Insgesamt wurden 546 Archivguteinheiten aus der Zeit zwischen 1918 und 1949 aus dem städtischen Bestand ins Kreisarchiv eingearbeitet. Auch wenn die Unterlagen nur einen Zeitraum von 30 Jahren abdecken, dokumentieren sie doch die Verwaltungsarbeit der Stadtverwaltung Sendenhorst in all ihrer Vielfalt. Von der Abwicklung politischer Wahlen über Aktivitäten im Rahmen der Jugendfürsorge, der Krankenpflege im St. Josef Stift bis hin zu Kriegsflüchtlingen und der Fürsorge für Kriegsbeschädigte bietet der Bestand ein breites Spektrum an Themen.

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Abb.: Blick durch die Oststraße in Sendenhorst, um 1925. (KAW, S 05 Sendenhorst Nr. 58)

Dabei ist es besonders interessant, dass der Bestand die unmittelbare Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, die Zeit der politischen Umbrüche in der so genannten Weimarer Republik, bis hin zur Machergreifung und Gleichschaltung, die NS-Zeit, den Zweiten  Weltkrieg und die Nachkriegszeit abdeckt. Diese Unterlagen belegen im Magazin des Kreisarchivs rund 16 Regalmeter.

Der Bestand steht zur Einsichtnahme im Lesesaal zur Verfügung. Das Findbuch ist auch online unter www.archive.nrw.de recherchierbar.

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Abb.: Das Rathaus von 1911. Auf dem Dach die Luftschutzsirene. Im Hintergrund das alte Gasthaus Suermann. In dem Haus vorne links war zeitweilig die örtliche Leitung der NSDAP untergebracht (im Volksmund „Braunes Haus“). Aufnahme um 1950. (KAW, S 05 Sendenhorst Nr. 108)

Das Stadtarchiv Sendenhorst wurde bis 2010 ehrenamtlich von Hans-Günther Fascies aufgebaut und betreut. Die Neuverzeichnung dieses Bestandes greift auf diese Vorarbeiten zurück und erhält die von Hans-Günter Fascies angelegte Grundstruktur der Ordnung bei.

Die 13 Städte und Gemeinden im Kreis Warendorf sind zur Führung eigener Stadt- und Gemeindearchive gesetzlich verpflichtet. Diese Aufgabe haben die Kommunen mit Ausnahme der Stadt Telgte an das Kreisarchiv delegiert. Die Unterlagen der Stadt Sendenhorst liegen erst seit dem Jahr 2010 im Kreisarchiv Warendorf, das seitdem die historischen Bestände des Stadtarchivs betreut und die fortlaufend nicht mehr benötigte Unterlagen aus der Stadtverwaltung in das Stadtarchiv Sendenhorst im Kreisarchiv übernimmt.

Kontakt:
Stadtarchiv Sendenhorst
Das Stadtarchiv Sendenhorst ist im Kreisarchiv Warendorf als Depositum hinterlegt und dort auch benutzbar.

Kreis Warendorf
Kreisarchiv Warendorf
Waldenburger Straße 2
48231 Warendorf
Telefon: 02581/53-1040 oder -1041

Öffnungszeiten
Montag – Mittwoch: 8:00 – 12:00 Uhr
Donnerstag: 8:00 – 16:00 Uhr
Freitag: 8:00 – 12:00 Uhr
oder nach vorheriger Vereinbarung

Digitalisate des Archivs in Sendenhorst
Die Bestände des Stadt- und Heimatarchivs Sendenhorst wurden vom Heimatverein Sendenhorst mit freundlicher Unterstützung der Stadt Sendenhorst digitalisiert und sind im Rathaus auf Anfrage einsehbar. Einen Auszug aus dem Archiv können im Internet unter www.sendenhorstergeschichten.de einsehen werden.

Kirchstraße 1
48324 Sendenhorst
Telefon: +49 2526 303104
Telefax: +49 2526 30349

Öffnungszeiten
Donnerstag 14.00 – 18.00 Uhr
oder nach Vereinbarung (Tel.: +49 2526 1378)

Quelle: Kreis Warendorf, Presseinformation, 11.8.2016

Leitungswechsel im Stadtarchiv Freiburg

Dr. Ulrich P. Ecker, der langjährige Leiter des Stadtarchivs Freiburg, geht Ende August 2016 in den Ruhestand. Der promovierte Historiker, Jahrgang 1951, trat 1983 seinen Dienst bei der Stadt Freiburg als wissenschaftlicher Archivar an. 2002 wurde er zum Leiter des Archivs in der Grünwälderstraße. Ecker ist Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen zur Geschichte der Stadt Freiburg und war zeitweise Vorsitzender des Breisgau-Geschichtsvereins. Neben der Archivarsarbeit im engeren Sinne sah er stets die historische Bildungsarbeit als wichtiges Aufgabenfeld an.stdfrb

Das Engagement von Stadt und Stadtarchiv Freiburg für die ehemaligen ausländischen Zwangsarbeiter für das Deutsche Reich im Zweiten Weltkrieg, die Recherchen, Dokumentation, auch die Entschädigungszahlungen und Einladung nach Freiburg 2003 und 2004 von der Stadt nennt Ecker im Rückblick das für ihn bedeutendste Projekt in den vergangenen Jahrzehnten.

Ulrich P. Eckers Nachfolger wird Dr. Andreas Jobst. 1969 in Regensburg geboren, studierte und promovierte er im Fach Geschichte in seiner Heimatstadt. Er arbeitete im Amt für Archiv und Denkmalpflege der Stadt Regensburg und war danach Geschäftsführer des Bischöflichen Seelsorgeamts Regensburg. Nach der Ausbildung zum höheren Archivdienst an der Archivschule Marburg war Jobst im Bischöflichen Zentralarchiv in Regensburg tätig und ist seit 2015 stellvertretender Leiter des Stadtarchivs in Pforzheim. Voraussichtlich zum 1. Oktober 2016 wird er die Leitung des Freiburger Stadtarchivs übernehmen.

Die stellvertretende Leitung des Stadtarchivs übernimmt Dr. Johanne Maria Küenzlen. Sie studierte unter anderem Geschichte an der Universität in Tübingen, verfasste dort auch ihre Dissertation und absolvierte danach ihr Referendariat für den höheren Archivdienst am Landesarchiv Baden-Württemberg. Eine wichtige Station in ihrem Berufsleben war, neben dem Stadtarchiv Dortmund, das Staatsarchiv Marburg, an dem sie gleich im Anschluss an ihr Referendariat tätig war. Sie tritt voraussichtlich zum 1. November 2016 ihren Dienst bei der Stadt Freiburg an.

Die vormalige Stellvertreterin von Ulrich P. Ecker, Dr. Christine Pfanz-Sponagel (seit 2004), ist mittlerweile seit März 2016 Leiterin des Stadtarchivs Speyer geworden.

Kontakt:
Stadtarchiv Freiburg
Grünwälderstraße 15
79098 Freiburg
Telefon: 0761 / 201-2701
Fax: 0761 / 201-2799
stadtarchiv@stadt.freiburg.de

Quelle: Stadt Freiburg, Pressemitteilung, 29.7.2016; Badische Zeitung, 4.8.2016

Evangelische Kirchenbücher aus Westfalen nahezu vollständig online

Evangelische Kirchenbücher aus dem westfälischen Raum können ab sofort online betrachtet und erforscht werden.

Das Landeskirchliche Archiv in Bielefeld macht Kirchenbuch-Digitalisate von 382 historischen Gemeinden im Internet zugänglich und ist somit die erste evangelische Landeskirche in Deutschland, deren Kirchenbuchbestände nahezu vollständig online einsehbar sind. Wo bis vor Kurzem noch ein Besuch im Archiv oder in einzelnen Kirchengemeinden unerlässlich war, kann der Familien- und Ortsgeschichtsforschung nun unabhängig von Öffnungszeiten bequem und zeitlich flexibel nachgegangen werden. Ermöglicht wird dies durch das Kirchenbuchportal „Archion“, das die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit zunächst elf Landeskirchen geschaffen hat. Zielsetzung ist ein gemeinsames Portal zur Präsentation von Kirchenbüchern und weiterer biografischer Quellen, die so der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.

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Kirchenbücher der Münster-Kirchengemeinde Herford
Foto: Kirchenbuchportal GmbH

Die Digitalisierung der rund 7.000 evangelischen Kirchenbücher der westfälischen Landeskirche war mit erheblichem Kostenaufwand verbunden, konnte aber über die Haushaltsmittel der westfälischen Landeskirche finanziert werden. Die Bereitstellung über das Kirchenbuchportal Archion wird durch die kostenpflichtige Nutzung der Digitalisate gedeckt. Neben den klassischen Gemeindekirchenbüchern finden sich Zivilregister sowie Militärkirchenbücher. In der Regel endet die Präsentation der dargebotenen Quellen mit der Einführung der Standesämter im Jahr 1875. Harald Müller-Baur, der Geschäftsführer bei Archion, nennt die vollständige Präsentation der westfälischen Kirchenbücher einen ersten „Meilenstein“ und blickt zuversichtlich auf kommende Importabschlüsse: „Wir sind auf einem guten Weg − jetzt gilt es bis Ende des Jahres mit den württembergischen Kirchenbüchern auch das zweite Archiv vollständig anbieten zu können.“

Nach einer kurzen Erprobungsphase konnte das Portal im März 2015 seinen Betrieb offiziell aufnehmen. Waren es ursprünglich elf Landeskirchen, sind mittlerweile drei weitere zu den Gründungsmitgliedern hinzugekommen: Die an das Gebiet der Evangelischen Kirche von Westfalen angrenzenden Landeskirchen im Rheinland und in Lippe sowie die Landeskirche in Braunschweig werden ihre Kirchenbücher in Zukunft ebenfalls online zur Verfügung stellen. Nicht angeboten werden Kirchenbücher katholischer Gemeinden. Harald Müller-Baur steht jedoch der „Einbindung katholischer Archive offen gegenüber.“

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Abb.: Doppelseite eines westfälischen Kirchenbuchs in „Archion“ (Screenshot, Ausschnitt)

Die Digitalisierung und Bereitstellung der gefragtesten genealogischen Quellen im Internet löst den Widerspruch zwischen Nutzerorientierung und Bestandserhaltung in idealer Art und Weise. Die Originalquellen können unter optimalen Bedingungen sachgerecht gelagert werden, und doch können Interessierte jederzeit darauf zugreifen. Im Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen wird das Onlineportal als Ergänzung zum bestehenden Angebot betrachtet: Kirchenbücher sämtlicher Kirchengemeinden von Westfalen werden nach wie vor als Digitalisate zur Einsicht im Lesesaal bereitgehalten.

Linkhttp://www.archion.de

Kontakt:
Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen
Bethelplatz 2
33617 Bielefeld
Tel.: 0521/594-164
Fax: 0521/594-267
archiv@lka.ekvw.de
www.archiv-ekvw.de

Quelle: EKvW, Aktuelles, 10.8.2016

„Retten Sie Ihre Videokassetten!“ – Von der U-matic bis zur VHS-Kasette

Tagung der Katholischen Akademie Schwerte in Kooperation mit dem Arbeitskreis Filmarchivierung NRW am 27. Oktober 2016

In Archiven mit Film- und Videobeständen wird oft eine Vielzahl analoger und digitaler Videoformate aufbewahrt, die aufgrund formatspezifischer Besonderheiten unterschiedlich gefährdet sind und spezielle konservatorische Maßnahmen erfordern. Zu den Videoformaten, die aktuell sehr vom Zerfall bedroht sind, zählt das U-matic-Format. Aber auch jüngere Formate wie die Betacam- oder die weit verbreiteten VHS- und SVHS-Kassetten nähern sich ihrem Lebensende.

VHS-Kassette

Abb.: Video-Home-System-Kassette (Von Priwo aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11405119)

Vor allem die Nutzung archivierter Videobestände wird zunehmend komplizierter und eingeschränkter, da sich Kassetten wegen mechanischer Probleme nicht mehr abspielen lassen und Videomaschinen nicht mehr zur Verfügung stehen oder mangels Ersatzteilen nicht mehr repariert werden können. Noch gravierender sind allerdings formatbedingte Schadensarten wie hoher Bandabrieb, Schichtablösungen, Verkleben der Bänder, niedrige Restmagnetisierung oder gar Entmagnetisierung des Bandes, die letztlich zum Verlust der Aufnahmen führen.

Die digitale Sicherung der Videokassetten sollte daher in allen Archiven als unaufschiebbare Aufgabe angesehen und möglichst bald begonnen werden.

Die kommende Tagung des AK Filmarchivierung NRW greift anlässlich des UNESCO-Welttages des audiovisuellen Erbes das Thema der Sicherung von Videobeständen auf und will anhand von Beispielen aus der Praxis und Angeboten von Dienstleistern deutlich machen, welche Aufgaben eine Videodigitalisierung mit sich bringt: Von der Sichtung und Bewertung des Ausgangsmaterials über die Erschließung bis hin zur Wahl des digitalen Formats, der Speicherorte und einer Einbindung in Langzeitarchivierungskonzepte.

Programm (zum Download)

Referentinnen und Referenten:
Dr. Ralf Springer
Ruth Schiffer
Dr. Joachim Thommes M.A.
Dr. Renate Buschmann
Dirk Fey M.A.
Kai Gottlob
Winfried Roths
Jürgen Sefczyk
Dr. Markus Leniger

Anmeldung (externer Link)

Erinnerungsbuch für die Opfer der NS-Medizinverbrechen in Bremen

822 Bremerinnen und Bremer – Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer, die in Bremen und Bremerhaven geboren wurden oder gelebt haben -, fielen in der NS-Zeit nationalsozialistischen Medizinverbrechen zum Opfer! Über Jahrzehnte waren diese Opfer im kollektiven Gedächtnis der Stadtgesellschaft nicht präsent, ihr Schicksal schien vergessen. Daher nennt nun ein in der Schriftenreihe des Staatsarchivs Bremen erschienenes „Erinnerungsbuch“ alle bisher bekannten Namen und Lebensdaten der Betroffenen und ermöglicht erstmals einen Gesamtüberblick zu diesen Opfern des NS-Regimes. Ihrer Individualität und Einzigartigkeit geben elf ausgewählte biografische Skizzen ein lebendiges Gesicht. Fotografien und Dokumente belegen ihr Leben und ihren Tod, der noch immer unfassbar erscheint.

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Die von Gerda Engelbracht recherchierten Lebensläufe gelten kranken und behinderten Menschen, die als „lebensunwert“ diffamiert und schließlich physisch vernichtet wurden – durch Ärzte, Verwaltungsfachleute, Pfleger und eine menschenverachtende Ideologie, die ihre Existenz als Belastung für die „Volksgemeinschaft“ bezeichnete. Mehr als 200.000 Menschen aus Heil- und Pflegeanstalten wurden damals in Deutschland ermordet.

Die Publikation ermöglicht aus 252 Seiten erstmals einen Blick auf alle Bremer Opfer der NS-Medizinverbrechen, sie nennt nicht nur die Opfer, sondern auch die Orte der Verbrechen, Täter, Beteiligte und Zeitumstände.

Das Buch erscheint parallel zur Wanderausstellung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) „erfasst, verfolgt, vernichtet“ vom 4.8. bis 6.9.2016 in der Unteren Rathaushalle in Bremen.

Info:
Gerda Engelbracht:
Erinnerungsbuch für die Opfer der NS-Medizinverbrechen in Bremen
Bremen 2016
(Kleine Schriften des Staatsarchivs Bremen. Heft 53)
ISBN 978-3-95494-102-5
19,90 Euro

Der Pforzheimer Erfinder Oechsle und seine Manufaktur wissenschaftlicher Gerätschaften

Briefe im Stadtarchiv Pforzheim veranschaulichen Arbeitsweise

Christian Ferdinand Oechsle (1774-1852) zählt als Erfinder und Mechanikus zu den herausragenden Persönlichkeiten, die den Namen von Pforzheim weit hinausgetragen und ihm einen guten Klang verliehen haben. Seine Most- oder Oechsle-Waage zur Messung des Zuckergehalts im Weinmost ist bis heute im Gebrauch. In den letzten Jahren konnte das Stadtarchiv Pforzheim drei handschriftliche Briefe von Oechsle erwerben. Sie richten sich an seine Kunden und geben einen Einblick in seine Arbeitsweise.

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Abb.: Brief von Chr. F. Oechsle an den Lahrer Apotheker Dr. Hänle aus dem Jahr 1842 (Foto: Stadtarchiv Pforzheim)

„In seiner Werkstatt in der Altstädter Kirchenstraße stellte Oechsle über 500 verschiedene physikalische und chemische Präzisionsinstrumente her“, erläutert Harald Katz vom Stadtarchiv Pforzheim. Viele Gerätschaften entwickelte er dort selbst. Die Produktpalette, darunter auch Telegraphenapparate nach Morse, wurde schon damals in einem Katalog angeboten und erfreute sich großer Nachfrage. Das jedenfalls, so Katz, geht aus zahlreichen Zeugnissen und Empfehlungen namhafter Universitäten und Hochschulen hervor.

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Abb.: Ein berühmter Pforzheimer: Der Erfinder und Mechanikus Christian Ferdinand Oechsle (Foto: Stadtarchiv Pforzheim)

Die jüngst erworbenen Briefe richteten sich an zwei seiner Kunden. So schrieb Oechsle im Januar 1838 an den bekannten Karlsruher Münzrat Ludwig Kachel (1791-1878) und bittet zunächst um die postalische Übersendung von – offenbar noch geschuldeten – 96 Gulden und 48 Kreuzern: „…denn zum Empfangen findet man zu jeder Stunde eine offene Hand nicht nur bei Mechanikern, sondern sogar bei Leviten und Priestern jeder Farbe und Ranges“. Danach antwortet Oechsle auf Kachels Bestellung „einer Wage mit einer Empfindlichkeit von 1 Centigramm“, die er in vier bis fünf Wochen liefern könne. Der Preis für das Gerät werde 80 Gulden betragen.

Ein weiterer Geschäftspartner saß in Lahr: der Apotheker Dr. Christian Hänle (1789-1863), ein Pionier der wissenschaftlichen Pharmazie, mit dem Oechsle auch freundschaftlich verbunden war. Unter anderem führt er dabei in seinem Brief vom 19. April 1841 aus: „Der Elektromagnet wird 180 Pfund tragen. Ein ziemlich großes Modell einer Elektro-Magnetischen Bewegungsmaschine habe ich für eigene Versuche angefangen. Wann es fertig ist, werde ich Ihnen anzeigen, was es leistet. Ich hoffe […] das Hammerwerk kann alsdann mit verbunden werden. Den Preis kann ich erst nach Beendigung desselben angeben“.

Weiter schreibt er: „Auf mein Guthaben von 136 Gulden 57 Kreuzer werde ich eine Anweisung 1 Monat nach Dato auf dem Kassier des dortigen Gewerbeverein, Ordre des Herrn C. F. Witzenmann abgeben“. Hier bezieht sich Oechsle auf Christoph Friedrich Witzenmann (1778–1836), Kaufmann in Pforzheim, der als Mitglied der 2. Kammer des Badischen Landtages von 1819 bis 1823 und von 1831 bis 1833 den Wahlkreis Stadt Pforzheim vertrat.

Im dritten Schreiben vom 6. September 1842, wiederum an Dr. Hänle, gibt Oechsle einen interessanten Einblick in seine Vorgehensweise bei der Herstellung seiner Apparaturen und den damit verbundenen Qualitätsanspruch: „Busen’sche Kohle habe ich bis jetzt noch keine, ließ mir dazu aber eine Partie Steinkohlen von London direkt kommen und werde, wenn ich einige freie Zeit bekomme, mich dahintermachen. Die englischen Kohlen sind ganz vorzüglich“. Es sei schon überraschend, dass englische Kohle über London und die Nordsee und dann vermutlich auf dem Rhein und über Bruchsal nach Pforzheim geliefert wurde, meint Historiker Katz.

Die mechanische Werkstatt von Oechsle wurde von seinem Sohn Christian Ludwig Oechsle (1814-1897) weitergeführt, dann aber mangels männlicher Nachkommen eingestellt. „Schade eigentlich“, meint Harald Katz: „Wer weiß, was daraus sonst noch entstanden wäre.“ Ernst Leitz jedenfalls, ein Lehrling von Ludwig Oechsle, gründete nach seiner Pforzheimer Ausbildung in Wetzlar den späteren Weltkonzern „Leica“.

Kontakt:
Stadtarchiv Pforzheim –
Institut für Stadtgeschichte
Kronprinzenstr. 28
75177 Pforzheim
Tel.: 07231 39-2899
archiv@stadt-pforzheim.de
www.stadtarchiv.pforzheim.de

Quelle: Harald Katz, in: Enzkreis, Pressemitteilung 273/2016, 25.7.2016

Landeskirchliches Archiv Düsseldorf jetzt auf Flickr

Im Jahr 2014 startete das Landeskirchliche Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) mit Sitz in Düsseldorf seinen Archivblog (http://blog.archiv.ekir.de/). Damals schrieb man sich das Motto „Informationswohlstand für alle“ auf die Fahnen. Nunmehr leitete das Düsseldorfer Kirchenarchiv mit seiner Beteiligung am Fotocommunity-Portal Flickr den nächsten Entwicklungsschritt auf diesem Weg ein.

Seit über 20 Jahren werden ausgewählte Fotos, Abbildungen und Dokumente im Archiv der EKiR digitalisiert und mit Metadaten beschrieben. Diese digitale Sammlung wächst stetig und umfasst heute rund 100.000 hochauflösende Images, die für Forschungstätigkeiten, Publikationen und Ausstellungen genutzt werden können. Das Bildarchiv gliedert sich thematisch in die Abteilungen Personen (0), Ereignis (1), Gebäude (2), Orte/Landschaften (3), Sachen/Vasa sacra (4), Dokumente (5), Kirchliche Einrichtungen (6), Gesellschaft/Soziales (7), Alben/Serien (8) und Sonstiges (9).

Eine Auswahl von zunächst 758 Fotos aus dem Bildarchiv wurde jetzt im Fotocommunity-Portal Flickr online zugänglich gemacht (Link). Die 758 Fotos verteilen sich thematisch über 18 Fotoalben. – Zu sehen sind, neben historischen Atelierfotos, auch so manch private Knipseraufnahmen von Personen der Rheinischen Landeskirche. Sie beleuchten aus dem protestantischen Blickwinkel das Leben in der Gemeindearbeit, dem kirchlichen Vereins- und Bildungswesen sowie diversen Einrichtungen und Stiftungen. Ferner lassen sich aber auch Aufnahmen namhafter Personen, besonderer Ereignissen und Vasa Sacra finden.

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Abb.: Die Flickr-Seite des Landeskirchlichen Archivs Düsseldorf (Screenshot, Ausschnitt).

Freies Wissen dank CC-Lizenzen
Das Besondere an der Flickr-Beteiligung des rheinischen Kirchenarchivs ist, dass die Bilder, die ohnehin gemeinfrei sind, via Public Domain ins Netz gestellt wurden. Fotos, bei denen das Archiv der EKiR über die Verwertungsrechte verfügt, wurden via CC-BY-SA 2.0 (Namensnennung- Weitergabe unter gleichen Bedingungen) veröffentlicht. Damit soll die Nutzung und das Teilen der Inhalte erlaubt sowie die Kreativität einer freien Kultur gefördert werden.

Teilen um zu erfahren
Längst sind nicht alle Bilder vollständig beschrieben, weil entweder das Wissen bzw. die Informationsgrundlagen dazu fehlen. Das Archiv hegt die Zuversicht, dass sich über die Flickr-Community Kontakte ergeben, die Kenntnis haben, zum Beispiel darüber, wer die abgebildete Person ist, wer der Fotograf ist oder in welchem Zusammenhang das Foto entstanden ist. Ergänzungen sind somit möglich und Teil des Konzeptes der Fotopräsentation auf Flickr.

Links:

Kontakt:
Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland
Leiter: Archivdirektor Dr. Stefan Flesch
Evangelische Kirche im Rheinland
Hans-Böckler-Straße 7
40476 Düsseldorf
Telefon: 0211/4562-225
Fax: 0211/4562-421
archiv@ekir-lka.de

Quelle: Evangelische Kirche im Rheinland, Pressemitteilung, 7.7.2016

Zeitungsarchiv der Nassauischen Neuen Presse im Limburger Stadtarchiv

Das Stadtarchiv Limburg an der Lahn ist um viele Seiten Limburger Geschichte reicher. Das Zeitungsarchiv der Nassauischen Neuen Presse wandert vom Neumarkt hoch zum Schloss. 1.205 Bände sind es, zusammen viele Meter lang und etliche Kilogramm schwer.

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Abb.: Freuen sich gemeinsam über den Zuwachs im Limburger Stadtarchiv, das nun das Zeitungsarchiv der NNP bzw. des früheren Nassauer Boten aufnimmt (von links): Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker, Bürgermeister Dr. Marius Hahn, FNP-Chefredakteur Joachim Braun und NNP-Redaktionsleiter Joachim Heidersdorf.

Der älteste Zeitungsband stammt aus dem Jahr 1872. Damals hieß die Zeitung noch „Nassauer Bote“, den es mit Unterbrechungen bis 1963 gab. Anschließend blätterten die Leser in der „Nassauischen Landeszeitung“, seit 1986 kommen die Informationen unter dem Titel „Nassauische Neue Presse“ zu den Leserinnen und Lesern. „Das Gedächtnis der Region“, umschrieb Bürgermeister Dr. Marius Hahn das „Geschenk“.

Formal gesehen handelt es sich weder um eine Schenkung oder Stiftung, sondern um eine Überlassung, wie Redaktionsleiter Joachim Heidersdorf bei der Übergabe verdeutlichte. Allerdings räumte er im Beisein des Chefredakteurs der Frankfurter Neuen Presse, Joachim Braun, durchaus ein, dass die Zeitungsbände künftig besser aufgehoben sein werden, als dies in den vergangenen Jahren der Fall war.

Der „Nassauer Bote“, 1870 von Limburger Kaufleuten gegründet, war ein Organ des politischen Katholizismus, ein Zentrumsblatt. Bis 1963 gab es den Boten, der aus dem Haus der Vereinsdruckerei stammt, als selbstständige Zeitung, dann übernahm die Frankfurter Neue Presse das Blatt. Die Frankfurter waren schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Limburg mit einer eigenen Zeitung am Markt. Neben dem Boten und seinen Nachfolgern gehören auch Ausgaben des St. Lubentius-Blatts und des St.-Georgs-Blatts zu den Beständen des Archivs.

Dass die Zeitungsbände als Zeugen Limburger Geschichte in der Stadt bleiben, hatte der langjährige Redakteur der NNP, Johannes Laubach, eingeleitet. Als im Rahmen einer Umstrukturierung Pläne aufkamen, das Archiv nach Frankfurt zu verlegen, nahm er sofort Kontakt mit dem Limburger Stadtarchivars Dr. Christoph Waldecker auf, der sofort großes Interesse zeigte. Im Stadtarchiv gibt es zwar viele Bände des Boten und der folgenden Zeitungen, aber die alten Bände fehlen komplett, zudem weist der Bestand Lücken auf.

Ziel des Stadtarchivars ist es, die Bände für Interessenten schnell verfügbar zu machen. Ausgenommen davon sind zunächst einmal die ältesten Ausgaben, die sich in einem schlechten Zustand befinden. Da gilt es Vorsicht walten zu lassen. Waldecker möchte die beschädigten Bände möglichst schnell elektronisch lesbar machen und prüft verschiedene Optionen. Die Benutzung soll dann künftig am Bildschirm im Stadtarchiv möglich sein.

Im Rahmen der Übergabe erinnerte sich Bürgermeister Hahn auch an die ersten Artikel, in denen er selbst vorkam. Das war in seiner Grundschulzeit, als ein Besuch im Rathaus anstand. Und später, als er sein Abitur an der Tilemannschule machte, schaffte es der komplette Abi-Jahrgang 1991 in die Zeitung, als einige wenige Angehörige des Jahrgangs die Türen der Schule mit Farbe beschmierten. 4000 Mark Schadensersatz wurden veranschlagt – und wer sein Abi-Zeugnis haben wollte, musste seinen Teil der Strafe zahlen. Die Summe hatten alle Abgänger zu gleichen Anteilen aufzubringen.

Das und noch viel mehr ist alles im Stadtarchiv nachzulesen. Das Stadtarchiv ist mittwochs von 8.30 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet.

Kontakt:
Dr. Christoph Waldecker M.A., Dipl.-Archivar (FH)
-Leiter des Stadtarchivs-
Werner-Senger-Str. 10
65549 Limburg a. d. Lahn
Telefon 06431 203-368
Fax 06431 584 3947
christoph.waldecker@stadt.limburg.de

Quelle: Stadt Limburg, Pressemitteilung, 22.7.2016

Eröffnung des Neubaus des Staatsarchivs Landshut

Bayerns Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle eröffnete am 15.7.2016 gemeinsam mit Dr. Margit Ksoll-Marcon, der Generaldirektorin der Staatlichen Archive in Bayern, in einer Feierstunde formell den Neubau des Staatsarchivs Landshut. Das Staatsarchiv für Niederbayern war zuvor auf der Burg Trausnitz untergebracht, musste allerdings aus Platzgründen verlagert werden.BU1

Abb.: Außenfassade des Staatsarchivs Landshut (Foto: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns)

„Archive sind das Gedächtnis unserer Gesellschaft und vermitteln zugleich Heimatbewusstsein und Identität – das Staatsarchiv Landshut ist das Gedächtnis Niederbayerns“, so Bayerns Wissenschaftsminister Spaenle. Entsprechend umfangreich gestalte sich der Bestand des Staatsarchivs Landshut. Er umfasst rund 2,6 Millionen Dokumente vom hohen Mittelalter bis in die Gegenwart: Urkunden, Karten, Pläne, Verwaltungsakten – und das auf 18.000 Regalmetern. Nach den derzeitigen Erwartungen sind die Magazine des Neubaus für einen Zeitraum von einem halben Jahrhundert ausgelegt.

„Der Archivneubau in Landshut, für den der Landtag gut 24 Millionen Euro bereitgestellt hat, erfüllt sämtliche Anforderungen an einen modernen Archivbau. Magazine mit sehr guten konservatorischen Bedingungen, einen modernen Lesesaal mit modernen Computerarbeitsplätzen sowie Räumlichkeiten für Ausstellungen und besondere Veranstaltungen. Hier ergeben sich neue Chancen in der Vermittlungsabriet. Deshalb freue ich mich, dass das Staatsarchiv Landshut sich verstärkt an Schulklassen wenden will. Weitere Chancen einer intensivierten Nutzung des Staatsarchivs Landshut wie aller Bayerischer Archive ergibt sich aus der Digitalisierung wichtiger Bestände der staatlichen Archive.“, so der Minister. Für ihn stellen die Digitalisierung und die Aufnahme der dabei entstehenden digitalen Unterlagen in ein „digitales Archiv“ eine der zentralen Herausforderungen dar, der sich das Archivwesen stellt.

Daten zur Baumaßnahme:
– Entwurf zum Staatsarchiv Landshut stammt vom Architekturbüro Prof. Rudolf Hierl aus München –
Sichtziegelbau, Niedrigenergiehaus
– Grundstücksgröße rund 4.400 Quadratmeter
– Bruttorauminhalt rund 141.000 Kubikmeter auf vier Etagen
– Grundsteinlegung für den Neubau des Staatsarchivs Landshut am 20. Juli 2012
– Richtfest am 13. April 2013
– Eröffnung 15. Juli 2016
– Baukosten gesamt rund 24,25 Millionen Euro

Im Rahmen der Feierstunde wurde auch die Ausstellung „Das Gedächtnis Niederbayerns. Das Staatsarchiv Landshut“ eröffnet, die bis zum 30.9.2016 zu sehen sein wird.daca07eaf3

Im Juni 2016 hatte war ein Magazinbau des Staatsarchivs Augsburg eingeweiht worden, im Oktober 2016 erfolgt der Spatenstich für einen Magazinbau des Staatsarchivs Bamberg.

Kontakt:
Staatsarchiv Landshut
Schlachthofstraße 10,
84034 Landshut
Tel. 0871/92328-0
Fax 0871/92328-8
poststelle@stala.bayern.de

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Pressemitteilung 269, 15.7.2016

Schüler forschen und erstellen eigene BIPARCOURS Rundgänge

Projektwoche im Stadtarchiv Troisdorf

Unter dem Motto „HBG- was UNS bewegt, was WIR bewegen“  fand in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien am Heinrich-Böll-Gymnasium Troisdorf eine Projektwoche statt.

Auch das Stadtarchiv Troisdorf beteiligte sich mit einem umfangreichen Projekt mit dem Titel „Meine Familie, meine Straße, meine Stadt- moderne Forschung im Stadtarchiv Troisdorf“. Eine 10-köpfige Schülergruppe aus den Klassen 6-11 nahm am Projekt teil. Im Stadtarchiv der Stadt Troisdorf erstellten die Schüler eine Woche lang Familienstammbäume und beschäftigten sich mit der Historie der Stadt.

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Abb.: Stolz präsentieren die Schüler und Schülerinnen ihre Ergebnisse, v.l. Antje Winter, die Schüler und Schülerinnen, Dr. Petra Schlüter, Ingrid Ehlen

Die Leiterin des Stadtarchivs, Antje Winter, der Historiker Dr. Ansgar S. Klein sowie Dr. Petra Schlüter, Geschichtslehrerin am Böll-Gymnasium betreuten das Projekt.

Die Jugendlichen lernten das Anlegen von Stammbäumen und Ahnentafeln kennen, werteten alte Zeitungen aus, erlernten die alte deutsche Schrift und recherchierten eifrig. Zu den Themen, die in Arbeitsgruppen diskutiert wurden, gehörten auch die Stadtgeschichte und die Geschichte der eigenen Straße. Erste Schritte in das Thema Ahnenforschung sowie die Verwendung weiterer Hilfsmittel und Quellen war ebenso Thema wie die Grundlagenarbeit des Stadtarchivs Troisdorf.

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Abb.: Beim Lesen der alten Schrift im Stadtarchiv

Ein Interview mit Ingrid Ehlen, einer eifrigen Familienforscherin rundete das Thema ab. Die Schüler konnten bestaunen, wie weit man mit viel Mühe und Geduld bei seinen Recherchen kommt. Interessant waren vor allem die vielen Originaldokumente, die sie zeigte. Bei einer Führung durch das Magazin des Archivs konnten die Schüler die vielfältigen Quellen und interessanten Schriftstücke kennenlernen.

Aber nicht nur die Erforschung und die Spurensuche nach den Familien wurden vorangetrieben. Hintergründe zu Straßennamen, zur Geschichte des jeweiligen Stadtteils oder auch andere interessante historische Hintergründe wurden hinterfragt und mit Hilfe der im Archiv vorhandenen Quellen erforscht.

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Abb.: Bild eines Parcours als Beispiel

Als besonderer Höhepunkt stellte sich die Erstellung von eigenen mit Hilfe der App BIPARCOURS erstellten Rundgänge und Quizanwendungen dar. Mit der Bildungs-App konnten zwölf verschiedene Rundgänge erstellt, erprobt und öffentlich getestet werden.

Am letzten Projekttag, am Donnerstag, den 7. Juli 2016 war dann der Präsentationstag in der Schule. Auf großen Tischen ausgebreitet wurden alle gestalteten plakatgroßen Stammbäume und Tafeln. Die mit viel Mühe gezeichneten Familienübersichten wurden den Mitschülerinnen und Mitschülern vorgestellt.  Auch das Spielen der BIPARCOURS Anwendung fand großen Anklang.

Die Jugendlichen waren sehr engagiert, neugierig, begeistert bei der Sache und stöberten gern. Sogar das aufwändige Lesen der alten deutschen Schrift hat Gefallen gefunden, nach den Rückmeldungen hätte dies sogar noch länger dauern können. Auch die sehr einfach zu gestaltende und mit Inhalten zu füllende App kam bei den Schülern gut an. „Mir hat alles sehr gut gefallen, vor allen Dingen die Erstellung der Parcours hat mir sehr viel Spaß gemacht“ schrieb Luiz als Feedback auf.

Schon Anfang 2014 hatten Vertreter des Heinrich-Böll-Gymnasiums, der Europaschule und der Gesamtschule Sieglar im Beisein von Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski erstmals Bildungspartnerschaften mit dem hiesigen Stadtarchiv abgeschlossen. Ziel der Zusammenarbeit ist die verstärkte Einbindung des Lernortes Archiv in den Alltag sowohl der Schülerinnen und Schüler als auch der Pädagoginnen und Pädagogen.

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Abb.: Während der Führung durch das Magazin

Das Stadtarchiv sichert und verwahrt neben der Überlieferung und dem Quellenmaterial der Stadt Troisdorf verschiedene Nachlässe, eine große zeitgeschichtliche Sammlung, Fotografien, Plakate und eine umfangreiche Pressesammlung. Auch werden Unterlagen von Vereinen und anderen Gruppen gesammelt und archiviert.

Eine umfangreiche Archivbibliothek ist im Leseraum verfügbar. Das Archiv der Stadt Troisdorf befindet sich im Untergeschoss des Rathauses Kölner Str. 176. Auskunft gibt Antje Winter unter Tel. 02241/900-135, Fax 900-8135, E-Mail: wintera@troisdorf.de.

Für jedermann nachspielbar sind die Rundgänge nach dem Herunterladen der kostenlosen App unter https://biparcours.de/

(Marc Eickelmann, Stadt Troisdorf)