Stadtarchiv Iserlohn mit Programm im Stadtlabor zum »Tag der Archive«

Aus Anlass des bundesweiten „Tages der Archive“ präsentiert das Stadtarchiv Iserlohn vom 4. bis zum 9. März 2022 Vorträge, Filme und andere Angebote im Stadtlabor in Iserlohn. Der sonst übliche „Tag der offenen Tür“ im Iserlohner Stadtarchiv in der „Alten Post“ ist unter Pandemiebedingungen nicht durchführbar, sodass die Idee zu dieser Alternative entstand.

An den fünf Tagen werden Vorträge über die Geschichte, Aufgaben und Bestände des Stadtarchivs Iserlohns sowie zum Einstieg in die Familienforschung angeboten. Außerdem gibt es zwei Filmschätze aus den 1960er Jahren zu sehen, die Aufnahmen von Letmathe bzw. Iserlohn zeigen. Vorträge und Filme werden mehrfach wiederholt, um möglichst vielen Personen die Teilnahme zu ermöglichen. Für den Zugang gelten die 3G-Regel und eine Maskenpflicht (FFP2 oder medizinische Maske).


Abb.: Eva Linn (Stadtlabor) und Rico Quaschny (Stadtarchiv Iserlohn) freuen sich auf das vielseitige Programm (Foto: Stadt Iserlohn).

Das Team des Stadtarchivs Iserlohn berät Interessierte außerdem über die richtige Aufbewahrung von historischen Dokumenten, gibt Hinweise zum Lesen alter Schriften und zu Recherchen im Stadtarchiv. Sehr gern können auch historische Dokumente, Postkarten und Fotografien für die Sammlungen des Stadtarchivs abgegeben werden. Die Rollup-Ausstellung „Archivgut erzählt Stadtgeschichte“ zeigt Schätze des Archivs und vermittelt Streifzüge durch die Stadtgeschichte. Ein Bücherflohmarkt lädt zum Stöbern ein. Publikationen des Stadtarchivs, wie stadtgeschichtliche Veröffentlichungen, Postkarten, Nachdrucke von historischen Stadtplänen und Stadtansichten können erworben werden.

Das Stadtarchiv Iserlohn selbst, an seinem Standort in der Alten Post, bleibt vom 4. bis 9. März 2022 geschlossen.

Programm (zum Download):

Freitag, 4. März 2022, 10 bis 14 Uhr
• 10.30 Uhr
Vortrag: Stadtarchiv Iserlohn – Geschichte, Bestände, Aufgaben
• 12.00 Uhr
Vortrag: Familienforschung – Tipps für Einsteiger
• 13.30 Uhr
„Nur eine kleine Stadt“ – Ein Letmathe-Film von 1960/61

Samstag, 5. März 2022, 10 bis 14 Uhr
• 10.30 Uhr
Vortrag: Stadtarchiv Iserlohn – Geschichte, Bestände, Aufgaben
• 12.00 Uhr
„Stadt im Aufbruch – Entscheidung für Iserlohn“ – Ein Iserlohn-Film von 1969
• 13.00 Uhr
„Nur eine kleine Stadt“ – Ein Letmathe-Film von 1960/61

Montag, 7. März 2022, 10 bis 17 Uhr
• 11.00 Uhr
Vortrag: Stadtarchiv Iserlohn – Geschichte, Bestände, Aufgaben
• 13.00 Uhr
Vortrag: Familienforschung – Tipps für Einsteiger
• 15.00 Uhr
„Stadt im Aufbruch – Entscheidung für Iserlohn“ – Ein Iserlohn-Film von 1969
• 16.00 Uhr
„Nur eine kleine Stadt“ – Ein Letmathe-Film von 1960/61

Dienstag, 8. März 2022, 10 bis 17 Uhr
• 11.00 Uhr
„Stadt im Aufbruch – Entscheidung für Iserlohn“ – Ein Iserlohn-Film von 1969
• 12.00 Uhr
„Nur eine kleine Stadt“ – Ein Letmathe-Film von 1960/61
• 13.00 Uhr
Vortrag: Stadtarchiv Iserlohn – Geschichte, Bestände, Aufgaben
• 15.00 Uhr
Vortrag: Familienforschung – Tipps für Einsteiger

Mittwoch, 9. März 2022, 10 bis 14 Uhr
• 10.30 Uhr
Vortrag: Stadtarchiv Iserlohn – Geschichte, Bestände, Aufgaben
• 12.00 Uhr
Vortrag: Familienforschung – Tipps für Einsteiger
• 13.30 Uhr
„Nur eine kleine Stadt“ – Ein Letmathe-Film von 1960/61

Kontakt:
Stadtarchiv Iserlohn
Rico Quaschny (Leiter des Stadtarchivs)
Theodor-Heuss-Ring 5
58636 Iserlohn
Tel.: 02371/217-1920
rico.quaschny@iserlohn.de und archiv@iserlohn.de

Quelle: Stadt Iserlohn, Pressemitteilung, 28.2.2022

Mainzer LSBTIQ-Geschichte soll sichtbar werden

Aufruf zur Erforschung der LSBTIQ-Geschichte der Landeshauptstadt Mainz mit Schwerpunkt ab 1946.

Es sei wichtig, „die Diskriminierungsgeschichte aufzuarbeiten, besonders, wenn man sich bewusst macht, dass immer noch Gesetze und Strukturen in der Bundesrepublik existieren, die nach wie vor eine diskriminierende Wirkung haben“, sagt der Leiter der städtischen Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LSBTIQ in Mainz, Oliver Bördner gegenüber dem Radiosender SWR2.


Abb.: Junge Demoteilnehmer tragen Regenbogenflaggen auf ihren Schultern, SWR2, Kultur Aktuell, Der Podcast, 25.2.2022 (6:53 min.)

Das Stadtarchiv Mainz und die Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LSBTIQ der Landeshauptstadt Mainz rufen aus diesem Grund zur Erforschung der LSBTIQ-Geschichte in Mainz mit Schwerpunkt ab 1946 auf. Das Stadtarchiv Mainz bittet die Bevölkerung um Zeitdokumente aller Art, die die Lebenswirklichkeit beispielsweise von schwulen Männern oder lesbischen Frauen Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts wiedergeben.

In dem von Prof. Dr. Wolfgang Dobras, dem Leiter des Stadtarchivs Mainz, und Oliver Bördner, dem Leiter der Mainzer Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LSBTIQ unterzeichneten Aufruf heißt es:

Historische Quellen zu Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transidenten, Intergeschlechtlichen und queeren Menschen (LSBTIQ) befinden sich in allen Archivbeständen. In der Regel sind sie dort aber nicht als solche gekennzeichnet, weshalb LSBTIQ in der Geschichtsschreibung oft kaum auftauchen und deshalb nicht sichtbar sind. Dies wollen wir gerne ändern!

In vielen Kellern und auf Dachböden liegen wahre Schätze für die historische Forschung zu LSBTIQ: Briefe, Fotografien, Dokumente, Sammlungen von Zeitdokumenten, persönliche Erinnerungsstücke oder Alltagsgegenstände. Ohne solche Unterlagen aus privaten Beständen erfährt das Stadtarchiv nur wenig über die Lebenswege von Personen.

In der jungen Bundesrepublik waren die Verbrechen des Nationalsozialismus an Menschen mit LSBTIQ-Hintergrund lange verschwiegen worden. Menschen, deren Lebensführung, sexuelle Orientierung und gelebte Geschlechtsidentität nicht den gesellschaftlichen Normen entsprachen, wurden verachtet, diskriminiert und ausgegrenzt.

Haben auch Sie ein Familienalbum mit einem „blinden Fleck“, einem Familienmitglied, über das fast nichts (mehr) bekannt ist oder über das man nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen hat? Steht bei Ihnen vielleicht ein Koffer einer verstorbenen Tante oder eines Großonkels, die lesbisch, schwul, bisexuell, transident, intergeschlechtlich oder eben queer waren? Uns interessieren Dokumente und Unterlagen von Menschen, die mehr oder weniger offen ihre sexuelle Orientierung bzw. ihre Geschlechtsidentität gelebt haben und die für ihre Art zu lieben und zu leben auch diskriminiert oder strafrechtlich verfolgt wurden.

Oder sind Sie im Besitz von eigenen Dokumenten, Fotos und weiteren Materialien zur jüngeren LSBTIQ-Geschichte in Mainz? Ihre Schenkung und Ihr Beitrag sind uns hoch willkommen!

Mit diesem Aufruf soll queere Geschichte als Teil der Stadtgeschichte sichtbar gemacht und Grundlagen für weitere Forschungen geschaffen werden.

Die ermittelten Quellen werden unter Wahrung aller Persönlichkeitsrechte in einem Findbuch zusammengetragen, das online abrufbar sein soll. So wollen wir Menschen mit LSBTIQ-Hintergrund buchstäblich aus der historischen Unsichtbarkeit in die Mitte der Gesellschaft holen. Von der Veröffentlichung profitiert die interessierte Öffentlichkeit ebenso wie die wissenschaftliche Forschung.

Kontakt:
Stadtarchiv Mainz
Rheinallee 3b
55116 Mainz

Ansprechpartner: Dr. Frank Teske
Tel.: 06131/12 34 23
frank.teske@stadt.mainz.de

Quelle: Stadt Mainz, Pressemitteilung, 14.2.2022; Stadt Mainz: Aufruf zur Erforschung der LSBTIQ-Geschichte, 14.2.2022; SWR2, Leben & Gesellschaft: Gespräch, 25.2.2022

Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive

Ein neues Editionsprojekt an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Am 1. April 2021 hat das Forschungsprojekt „Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften seine Arbeit aufgenommen. Gefördert wird die Arbeit durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.


Abb.: Noch am Beginn des 19. Jahrhunderts reichten die Felder und Wiesen der ostpreußischen Güter bis an die Tore Königsbergs. (Gouache von W. Barth, 1809, Ausschnitt, Foto: Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, D. Katz)

Nach dem 2019 erfolgreich abgeschlossenen Projekt „Lebenswelten, Erfahrungsräume und politische Horizonte der ostpreußischen Adelsfamilie Lehndorff vom 18. bis in das 20. Jahrhundert“ wird sich das neue Projekt durch einen Perspektivenwechsel mit den Lebenswelten bäuerlicher Untertanen im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert und damit zunächst einer anderen Facette der Geschichte des Erinnerungsortes Steinort zuwenden. Zudem wird es aber durch eine vergleichende Betrachtung mit anderen ostpreußischen Gütern weit darüber hinausgehen und neue Erkenntnisse über diese historische Kulturlandschaft, die Lebensbedingungen, Wertehorizonte und Beziehungsformen der ländlichen Bevölkerung ermöglichen.

Steinort ist ein Schloss auf einer Landzunge zwischen Dargeinen- und Mauersee in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es war bis 1945 der ostpreußische Stammsitz derer von Lehndorff. Das Gutsdorf Steinort heißt heute Sztynort.

Neben noch unbekannten Quellen des Gutsarchivs Lehndorff-Steinort werden Quellen aus den Guts- und Familienarchiven der Grafen Finckenstein, Dohna und Schwerin Gegenstand des Forschungsprojektes sein. Als Ergebnis werden in Form einer wissenschaftlichen Online-Edition erstmals Quellen zu neuzeitlich-bäuerlichen Lebenswelten aus verschiedenen ostpreußischen Gutsarchiven unter kulturgeschichtlichen, sozial- und agrargeschichtlichen Fragestellungen zusammengeführt. Die darauf aufbauende vergleichende Studie wird den Kenntnisstand über die bäuerlichen Lebensverhältnisse in der ostpreußischen Gutsherrschaft deutlich erweitern.

Das Archiv der ostpreußischen Grafenfamilie von Lehndorff ist erstaunlich umfangreich erhalten. Heute befindet sich die Überlieferung an verschiedenen Standorten: im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem, im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig sowie im Archiwum Państwowe w Olsztynie (Staatsarchiv Allenstein).

Links:

Kontakt:
Dr. Gaby Huch, Wiss. Mitarbeiterin
Projekt: Die Spiegelung frühneuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Jägerstraße 22/23
10117 Berlin
Tel.: +49 (0)30 20370 485
huch@bbaw.de

Quelle: BBAW: Die Spiegelung neuzeitlich-bäuerlicher Lebenswelten in den Akten ostpreußischer Gutsarchive; Art. Schloss Steinort, in: Wikipedia, 7.1.2022; Gaby Huch: Lebenswelten der Grafen von Lehndorff-Steinort, in: Entdeckungen. Ein Blog zu Ostmitteleuropa, 12.1.2021

Born free. Ausstellung zu 30 Jahren Unabhängigkeit der Ukraine

Nachdem Michail Gorbatschow im Jahre 1985 die „Perestrojka“ (Umbau) der Sowjetunion eingeleitet hatte, änderte sich in der Ukraine vorerst wenig. Der Parteichef Schtscherbytzkyj blieb bis 1989 im Amt. Die Katastrophe im nördlich von Kiew gelegenen Kernkraftwerk von Tschernobyl hatte allerdings schon 1986 vorübergehend breitere Kreise mobilisiert. Als dann Ende der 1980er Jahre der Kollaps des Sowjetsystems einsetzte, zeigten sich politische Oppositionsbewegungen öffentlich und schlossen sich 1989 in einer „Volksbewegung“ (Ruch) zusammen, die vom ehemaligen politischen Häftling Wjatscheslaw Tschornowil (1937-1999) präsidiert wurde. Ruch organisierte 1990 eine Menschenkette mit über 400.000 Personen von Kiew nach Lemberg. In den ersten freien Wahlen im März 1990 erreichte die von der Volksbewegung angeführte Allianz ein Viertel der Stimmen gegenüber 70 Prozent für die Kommunisten.


Abb.: Abgeordnete der Werchowna Rada (Oberster Sowjet) der Ukrainischen SSR: Wjatscheslaw Tschornowil (links) und O. Shevchenko (rechts) mit Streikposten in der Nähe des Gebäudes der Werchowna Rada der Ukrainischen SSR, Kiew, Juni/Juli 1990 (Foto: Central State CinePhotoPhono Archives of Ukraine named after H. Pshenychnyi. No. of arch. u. 0-220463).

Die Oppositionsbewegung wandelte sich allmählich in eine nationale Unabhängigkeitsbewegung. An ihre Spitze stellten sich Vertreter der KP unter Führung von Leonid Krawtschuk, der zum Parlamentspräsidenten gewählt wurde. Im Gleichschritt mit den meisten anderen Sowjetrepubliken erklärte die Ukrainische Republik im Juli 1990 ihre Souveränität und am 24. August 1991, nach dem gescheiterten Putsch reaktionärer Kräfte in Moskau, ihre Unabhängigkeit und den Austritt aus der Sowjetunion. Am 1. Dezember 1991 stimmten in einem Referendum 90 Prozent der Bevölkerung dafür und wählten gleichzeitig Krawtschuk mit 61 Prozent zum Präsidenten der Ukraine. Wenige Tage später trafen sich die Präsidenten Russlands, Boris Jelzin, Belarus, Stanislau Schuschkewitsch, und der Ukraine und beschlossen die Auflösung der Sowjetunion. Es war Krawtschuk, der den Ausschlag für diesen welthistorischen Akt gab.

Zum 30. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine 2021 hat der Staatliche Archivdienst der Ukraine gemeinsam mit anderen staatlichen Archiveinrichtungen und Staatsarchiven eine Online-Ausstellung unter dem Titel „Born free. 30 Years of Independence of Ukraine“ erarbeitet. Die Ausstellung, die angesichts des am 24.2.2022 von Russland begonnenen Angriffskrieges gegen die Ukraine eine besondere Aktualität erhält, nimmt ihren Ausgangspunkt am Unabhängigkeitstag (24. August 1991), widmet sich aber in neun Kapiteln dem „sehr langen und ereignisreichen“ Weg bis zur ukrainischen Unabhängigkeit. Die einzelnen Kapitel oder Abschnitte sind mit Dokumenten, Abbildungen und Fotos unterlegt:

Seit Dezember 1991 gibt es einen unabhängigen ukrainischen Staat. Er umfasst 603.628 Quadratkilometer und ist damit der nach Russland zweitgrößte Staat Europas. Sein Territorium ist identisch mit demjenigen der Ukrainischen Sowjetrepublik und grenzt an Russland, Belarus, Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien und die Republik Moldau.

Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten wurden in bilateralen Verträgen geregelt, so auch das Verhältnis zu Russland, mit dem im Jahre 1997 ein Freundschaftsabkommen geschlossen wurde, in dem sich die beiden Staaten ihre territoriale Integrität garantierten. Die Ukraine war Mitglied der von Russland dominierten Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS), die jedoch von sekundärer Bedeutung blieb. Gleichzeitig vollzog sich eine Annäherung an den Westen, beginnend mit einem 1994 abgeschlossenen Partnerschaftsabkommen mit der EU und der Aufnahme in den Europarat ein Jahr später. Die Ukraine ist eine parlamentarische Präsidialrepublik. Sie ist administrativ in 24 Gebiete geteilt, die Autonome Republik Krim hat einen Sonderstatus.

Russlands Annexion der Krim 2014 und der verdeckte Krieg im Donbas haben die Ukraine nach ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1991 abermals in den Mittelpunkt der europäischen und der Weltpolitik gerückt. Die Schärfe der russisch-ukrainischen Krise seit 2014 leitet sich laut Andreas Kappeler, emeritierter Osteuropahistoriker der Universität Wien, nicht aus der Geschichte, sondern aus extrem widerstreitenden Interessen der politischen Gegenwart ab. „Eine russisch-ukrainische Versöhnung hält Kappeler nur für möglich, wenn Russland sich aus der Ukraine zurückzieht und die Rolle als großer Bruder aufgibt“, fasst Martin Aust in einer Rezension das Kappeler-Buch „Ungleiche Brüder. Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ (2017) zusammen.

Die Gefahr einer russischen Invasion bestand in den vergangenen Jahren mehrfach, unter anderem seit Frühjahr 2021 aufgrund von Truppenkonzentrationen entlang der ukrainischen Grenze. Russlands Präsident Wladimir Putin unterzeichnete am 21. Februar 2022 ein Dekret zur Anerkennung der Unabhängigkeit der besetzten ukrainischen Gebiete. Am 24. Februar 2022 griff Russland die Ukraine völkerrechtswidrig von mehreren Seiten an, sowohl aus Russland als auch von der annektierten Halbinsel Krim und aus dem Nachbarstaat Belarus. – Die jüngste Geschichte der Ukraine stellt ein neues, dramatisches Kapitel für den Kontext der 2021 erarbeiteten Jubiläumsausstellung „Born free“ dar.

Kontakt:
State Archival Service of Ukraine
24 Solomianska Str.
Kyiv, Ukraine, 03110
Tel.: +38 (044) 275-27-77
Fax: +38 (044) 275-36-55
info@arch.gov.ua
https://archives.gov.ua/en

Quelle: State Archival Service of Ukraine: Born free. Documentary exhibition, 24.8.2021; Informationen zur politischen Bildung 28/2015: Ukraine, 8.7.2015, Autor: Andreas Kappeler, 2015; Art. Ukraine, in: Wikipedia, 1.3.2022; Martin Aust (Bonn): Rezension von Andreas Kappeler: Ungleiche Brüder. Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2017. 267 Seiten, ISBN: 978-3-406-71410-8, in: JGO 68, 2020/1, 95-97; Redaktion H-Soz-Kult: Informationsmaterialien zum Krieg in der Ukraine, 3.3.2022.

Jugend in der NS-Zeit im Märkischen Kreis

Führungen durch die Ausstellung »Führer, wir gehören dir«.

Wie die Jugend im Märkischen Kreis zur Zeit des Nationalsozialismus aussah, zeigt das Kreisarchiv des Märkischen Kreises in der Ausstellung „Führer, wir gehören dir“ im Geschichtsmuseum der Stadt Lüdenscheid. Nach dem 27. Februar finden auch am Sonntag, 6. März 2022 ab 15 Uhr, öffentliche, kostenlose Führungen durch die Ausstellung statt. Eine verbindliche Anmeldung ist erforderlich per Mail unter museen@luedenscheid.de oder per Telefon unter 02351 17-1496. Ulrich Biroth, Diplom-Archivar beim Kreisarchiv des Märkischen Kreises, führt durch die Ausstellung und gibt Hintergrundinformationen zu den Exponaten. Es gelten die aktuellen Corona-Regeln.

Auch Gruppenführungen oder Führungen für Schulklassen sind unter der Woche nach Terminvereinbarung möglich. Informationen und Buchung per Telefon unter 02352 9667059 sowie per Mail unter kreisarchiv@maerkischer-kreis.de.


Abb.: In der Ausstellung „Führer, wir gehören dir“ vom Kreisarchiv des Märkischen Kreises können die Besucherinnen und Besucher chronologisch durch die Themenbereiche Weimarer Republik, Schulzeit, Dienst am Volk und Kriegszeit reisen. Auch Propaganda und mediale Beeinflussung der Bevölkerung stehen im Fokus (Foto: Hannah Heyn/Märkischer Kreis).

Die Ausstellung „Führer, wir gehören dir. Jugend in der NS-Zeit im Märkischen Kreis“ vom Kreisarchiv des Märkischen Kreises erzählt mit mehr als 500 Exponaten, wie die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei eine ganze Generation manipulierte. Fotos, Filme, Objekte und Dokumente aus dem Kreis erklären, warum die I-Männchen des Jahres 1933 gegen Kriegsende als Flakhelfer bei der Luftwaffe, in Aufräumkommandos der Hitlerjugend nach Bombenangriffen im Ruhrgebiet und zuletzt im Volkssturm ihr Leben riskierten.

„Auch Leihgaben von Menschen aus dem Märkischen Kreis geben Antworten – verbunden mit persönlichen Geschichten. Dazu gehört zum Beispiel ein Geschütz in Miniaturformat“, sagt Ulrich Biroth. Anhand der vier Themenbereiche „Weimarer Republik, Schulzeit, Dienst am Volk und Kriegszeit“ werden die Besucherinnen und Besucher chronologisch durch die Ausstellung geleitet.

Bis zum 29. Mai 2022 läuft die Ausstellung noch im Geschichtsmuseum der Stadt Lüdenscheid (Sauerfelder Str. 14 – 20, 58511 Lüdenscheid). Öffnungszeiten des Museums sind mittwochs bis sonntags, jeweils von 11 bis 18 Uhr.


Abb.: Wie die Jugend in der NS-Zeit im Märkischen Kreis aussah, erzählen auch Leihgaben von Menschen aus dem Märkischen Kreis. Ein Beispiel: das Geschütz in Miniaturformat (Foto: Hannah Heyn/Märkischer Kreis).

Kontakt:
Geschichtsmuseum
Sauerfelder Str. 14-20
58511 Lüdenscheid
Tel.: 0 23 51/17-14 96
Fax: 0 23 51/17-17 09
museen@luedenscheid.de

Kreisarchiv/Landeskundliche Bibliothek
Kreishaus I Altena
Bismarckstraße 15
58762 Altena
Tel.: 02352 9667059
kreisarchiv@maerkischer-kreis.de

Quelle: Märkischer Kreis, Pressemitteilung, 22.2.2022

Exkursionen ins jüdische Westfalen

Buchveröffentlichung zur Erinnerungskultur.

Nur zwei Dutzend von etwa 180 Landsynagogen in Westfalen haben die Shoah überlebt. Sie dienten nach 1945 als Abstellraum, Kohlenlager oder Fahrradwerkstatt. Mittlerweile haben lokale Förderkreise sie instandgesetzt und – oft zusammen mit der jeweiligen Kommune – für kulturelle Veranstaltungen geöffnet.

In dem im Jahr 2021 im Rahmen von »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« durchgeführten Festival “Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen“ wurden acht dieser kostbaren Gebäude neu mit jüdischem Leben verknüpft: Ermöglicht durch einen Dreiklang aus Literatur zu jüdischen Themen, Ortsbegehung auf jüdischen Spuren und Konzerten mit jüdischer Musik in ihrer ganzen Vielfalt.

„Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen“ als gemeinsamer Beitrag der Evangelischen Stadtakademie Bochum, des Evangelischen Forums Westfalen und des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe – war ein rundum gelungenes Festival. Zum Projekt „Musik und Kultur in westfälischen Landsynagogen“ hat der Bochumer Theologe Dr. Manfred Keller jetzt ein Buch herausgegeben mit dem Titel „Expedition ins jüdische Westfalen“.

Das Buch lädt ein zu Streifzügen durchs jüdische Westfalen und verbindet zugleich die Bilanz des Festivals mit einem Blick in die Geschichte des Landjudentums und Impulsen zu der aktuellen Frage: Wie gehen wir vor Ort mit jüdischem Kulturerbe um?

Pfarrer i.R. Dr. Manfred Keller war von 1979 bis 2005 Leiter der Evangelischen Stadtakademie Bochum. Unter dem Leitwort „Erinnern und begegnen“ setzte er sich in dieser Zeit und bis heute kontinuierlich mit jüdischem Leben in Bochum und in Nordrhein-Westfalen auseinander.

Info:
Manfred Keller (Hg.), Exkursionen ins jüdische Westfalen. Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen.
Mit Beiträgen von Jenny Aloni | Andrea Behnke | Walter Gödden | Arno Herzig | Manfred Keller | Fred Kaspar | Abraham Lehrer | Jakob Loewenberg | Josefa Metz | Imo Moszcowicz | Iris Nölle-Hornkamp | Dieter Przygode | Barbara Rüschoff-Parzinger | Hubert Schneider, Dirk Urbach | Marga Spiegel | Gisbert Strotdrees | J. Monika Walther
Bochum 2022 – 176 Seiten – Preis: 18,90 €
ISBN 978-3-95565-524-2

Die Ernte des Festivals wurde nicht nur in das Buch, sondern auch in einen Film eingebracht. Als Projekt der Evangelischen Akademikerschaft in Deutschland (EAiD) hat der Bochumer Journalist Jens Tampier das Festival „Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen“ filmisch begleitet. Er richtet den Blick seiner Kamera vor allem auf jene Menschen, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement wesentlich zum Erhalt der Landsynagogen beitragen. “Menschen, die selbst nicht vergessen wollen und auch nicht zulassen, dass andere vergessen”, sagt der Filmemacher.

Der Bochumer Journalist Jens Tampier arbeitet seit den 1990er Jahren als Filmemacher und Reporter für die Fernsehsender Sport1, DAZN und Magenta Sport. Seit 2006 ist er auch als selbständiger Produzent von Film- und Fernsehproduktionen tätig. Zusammen mit Patrick Lambertus betreibt er außerdem das Internetportal Die Bochumschau.

Quelle: EFW– Landesverband Westfalen – Evangelisches Forum Westfalen, Buchveröffentlichung; Ev. Stadtakademie Bochum, Programmhinweis, 24.2.2022

ICA erklärt seine Solidarität mit ukrainischer Archivszene

Der Internationale Archivrat (ICA) drückt angesichts des kriegerischen Überfalls Russlands auf die Ukraine seine Solidarität mit den ukrainischen Archivarinnen und Archivaren aus. Der ICA fordert die Regierung Russlands auf, allen im Land verbleibenden Kulturerbe-Fachleuten keinen Schaden zuzufügen und plädiert mit Hinweis auf die Haager Konvention vom 14. Mai 1954 zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten von der Zerstörung von Schrift- und Kulturgut abzusehen.

Das ICA arbeitet eng mit den nationalen Archiven in den Nachbarländern Polen, Litauen, Lettland und Estland zusammen, um die sich schnell verändernde Situation zu überwachen und den Kolleginnen und Kollegen vor Ort so viel Unterstützung wie möglich zu gewähren und um gefährdete Archive zu schützen.

Archive seien ein unersetzliches Kulturerbe und müssten zusammen mit dem engagierten Personal, das ihre Bedeutung, Struktur und Nutzung versteht, geschützt werden, so der ICA in seiner Erklärung vom 25.2.2022 weiter.

Die Erklärung im Wortlaut:

Solidarity with Ukrainian Archives and Records Professionals

The International Council on Archives wishes to express its solidarity with Ukrainian archives and records professionals during this difficult time. The ICA calls on the Government of Russia to not harm any documentary or cultural heritage professionals that remain in country, as well as refrain from destroying documentary and cultural heritage in respect of the 1954 Convention for the Protection of Cultural Property in the Event of Armed Conflict.

The ICA is working closely with the national archives in the neighbouring countries of Poland, Lithuania, Latvia and Estonia to monitor this fast-moving situation and provide what assistance it can to colleagues on the ground and to safeguard at risk archives.

Archives are irreplaceable cultural heritage and must be protected, along with the dedicated personnel who understand their importance, organization, and use.

Links:
Convention for the Protection of Cultural Property in the Event of Armed Conflict with Regulations for the Execution of the Convention (Den Haag, 14.5.1954)

Liste ukrainischer Archive (engl.)

Staatlicher Archivdienst der Ukraine: Webseite https://archives.gov.ua/en/

Der Internationale Archivrat („International Council on Archives“) ICA ist eine 1948 gegründete nichtstaatliche Organisation mit Sitz in Paris, die sich dem Archivwesen widmet. Im ICA sind nationale Archivverwaltungen, Fachverbände von Archivarinnen und Archivare, Kommunal- und Stadtarchive, Archive anderer Organisationen sowie einzelne Archivarinnen und Archivare vereinigt. Er hat rund 1.500 Mitglieder aus 195 Ländern und Territorien.

Kontakt:
ICA International Council on Archives
60 rue des Francs-Bourgeois
75003 Paris
France
Tel : +33 (0)1 81 70 55 62
Fax : +33 (0)1 81 70 55 61
ica@ica.org
https://www.ica.org/

Quelle: ICA, Position Statement, 25.2.2022; Art. ICA, in: Wikipedia, 27.7.2021

Offener Brief des VdA zum Ampel-Koalitionsvertrag

Mit einem Offenen Brief vom 24.2.2022 bezieht der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. aus archivfachlicher Sicht Stellung zum Ende 2021 ausgehandelten Koalitionsvertrag der Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP („Mehr Fortschritt wagen. Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“).

Der VdA begrüßt, dass dem Archivwesen im Ampel-Koalitionsvertrag eine gewichtige Rolle beigemessen wird, „da authentische Informationen in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen und damit die grundgesetzlich gebotene Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Regierungs- und Verwaltungshandeln gestärkt wird.“

Der deutsche Fachverband der Archivarinnen und Archivare appelliert zugleich daran, bei der Umsetzung der Vorhaben „fachliche Erfahrungen und Erfordernisse zu berücksichtigen.“ In seiner Stellungnahme hebt der VdA insbesondere folgende Aspekte der Regierungsvereinbarung hervor:

  • Weiterentwicklung der Informationsfreiheitsgesetze zu einem Bundestransparenzgesetz (S. 11)
  • Stärkung von Open Access und Open Science (S. 24)
  • Weitere Aufarbeitung des NSU-Komplexes (S.107)
  • Nachrichtendienste und Bundesarchivgesetz (S. 110)
  • Aufbau einer zentralen digitalen Themenplattform zur Wiedergutmachung von NS-Unrecht (S.110)
  • Anerkennung der Opfer der „Euthanasiemorde“ und Zwangssterilisation (S. 125)
  • Weiterentwicklung der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin zum Campus für Demokratie (S.125)

Hinsichtlich des geltenden Urheberrechts weist der VdA auf die Verlegenheit von Archiven hin, immer wieder legitime Nutzungsanliegen aus archivrechtlicher Sicht untersagen zu müssen. Dies betreffe auch die Anliegen öffentlicher Stellen, wollen diese beispielsweise archivierte Bilder oder Filmausschnitte in ihren Social-Media-Kanälen verwenden.

Link: Stellungnahme des VdA zum Koalitionsvertrag der Bundesregierung (24.2.2022)

Kontakt:
VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V.
Wörthstraße 3
36037 Fulda
Telefon: +49 661 29109-72
info@vda.archiv.net
https://www.vda.archiv.net/

Quelle: VdA, Meldung, 24.2.2022

Der Industrielle und Sozialreformer Max Bahr (1848-1930)

Ausstellung des Brandenburgischen Landeshauptarchivs und des Museums Viadrina in Frankfurt (Oder).

Das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam und das Museum Viadrina in Frankfurt (Oder) zeigen vom 25. Februar bis zum 15. Mai 2022 im Museum Viadrina – Junkerhaus die Sonderausstellung „Jute, Häuser, Republik. Der Industrielle und Sozialreformer Max Bahr (1848–1930)“. Die zweisprachige Ausstellung (deutsch-polnisch) thematisiert das unternehmerische und soziale Wirken von Max Bahr, der das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in der Frankfurter Partnerstadt Gorzów maßgeblich prägte.


Abb.: „Jute, Häuser, Republik“. Der Industrielle und Sozialreformer Max Bahr (1848-1930) aus Landsberg an der Warthe.

Max Bahr aus Landsberg an der Warthe (heute Gorzów Wielkopolski) hat auch die Geschichte Brandenburgs um die Wende zum 20. Jahrhunderts mitgeprägt. Als Kaufmann baute er die Herstellung von Jute-Produkten aus. Ab 1905 war er mit seiner Jutefabrik einer der größten Arbeitgeber der Region. Seine geschäftlichen und persönlichen Kontakte reichten in alle Welt und brachten Bahr bis nach Amerika und Indien.

Max Bahr baute Hunderte Arbeiterwohnungen, ein Volksbad und das Volkswohlfahrtshaus als Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Als Sozialreformer setzte er sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen seiner Arbeiterinnen und Arbeiter, für mehr Chancengleichheit und für die gesellschaftspolitische Förderung von Frauen ein.

Von 1919 bis 1924 wirkte Max Bahr als Abgeordneter des Wahlkreises Frankfurt (Oder) für die sozialliberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) in der Weimarer Nationalversammlung und im deutschen Reichstag. Bis zu seinem Tod 1930 blieb er ein entschlossener Verteidiger der Republik.


Abb.: Blick in die Ausstellung

Die Ausstellung „Der Industrielle und Sozialreformer Max Bahr (1848-1930)“ ist ein Projekt des Brandenburgischen Landeshauptarchivs in Partnerschaft mit der Woiwodschafts- ­und Stadtbibliothek Zbigniew Herbert in Gorzów Wielkopolski. Erster Standort war Gorzów Wielkopolski, ehemals Landsberg an der Warthe (weitere Standorte in Polen und Brandenburg sind geplant). In 16 Themenmodulen veranschaulicht die Ausstellung anhand neuer Quellenfunde, wie der Unternehmer Wirtschaft, Politik und Alltag der Menschen veränderte – stets am Wohl der Vielen orientiert.

„Max Bahr hat sich zielstrebig hochgearbeitet, vom Kaufmannssohn aus der Provinz zum Unternehmer von nationaler Bedeutung“, erklärt Falko Neininger, Referatsleiter im Brandenburgischen Landeshauptarchiv, der die Ausstellung auf den Weg gebracht hat. „Vom brandenburgischen Landsberg aus etablierte er weltumspannende Kontakte. Er war neugierig, offen und unerschrocken. Wir denken, dass sein unternehmerischer Erfolg, sein soziales Engagement und seine Einsatzbereitschaft für Demokratie und Dialog neue Beachtung verdienen und freuen uns deshalb sehr, dass diese Ausstellung nun in Frankfurt (Oder), in der Stadt der Brückenbauer, zu sehen ist.“

Info:
„Der Industrielle und Sozialreformer Max Bahr (1848-1930)“
Ausstellung im Museum Viadrina – Junkerhaus
25. Februar bis 15. Mai 2022
Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag, 11–17 Uhr

Programm und Führungen
2. März 2022, 15.30 und 16.30 Uhr: Führung durch die Ausstellung
18 Uhr: Abendvortrag mit Dr. Falko Neininger (BLHA)

15. Mai 2022: Internationaler Museumstag
11 und 15 Uhr: deutsch-polnische Führung durch die Ausstellung mit Dr. Falko Neininger und Robert Piotrowski

Link: Flyer zur Ausstellung

Kontakt:
Museum Viadrina
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11
15230 Frankfurt (Oder)
Tel. 0335 / 40 15 6-10 (Sekretariat): 8 bis 14 Uhr
Tel. 0335 / 40 15 6-29 (Ausstellung, Kasse): 11 bis 17 Uhr
Fax. 0335 / 40 15 6-11
kontakt@museum-viadrina.de
http://www.museum-viadrina.de

Brandenburgisches Landeshauptarchiv
Am Mühlenberg 3
14476 Potsdam
Telefon: +49 (0) 331 5674-0
Telefax: +49 (0) 331 5674-212
poststelle@blha.brandenburg.de
https://blha.brandenburg.de

Quelle: BLHA, Ausstellungseröffnung, 24.2.2022

Zeitgeschichtliches Archiv (ZGA) sucht Träger

In einer ausgedienten Industriehalle in Marzahn verwahrt das Berlin-Brandenburger Bildungswerk e.V. mehrere bedeutende Presseartikelsammlungen und das historische Archiv des Tagesspiegels. Doch die Tage des Vereins und des Zeitgeschichtlichen Archivs (ZGA) sind gezählt, und das Gebäude soll Ende 2022 abgerissen werden. Bislang hat sich keine Institution gefunden, die den Bestand übernehmen will. Zum deutschlandweiten TAG DER ARCHIVE am 5. und 6. März 2022 öffnet die einzigartige Sammlung für die interessierte Öffentlichkeit noch einmal ihre Türen.

Video: rbb-„Abendschau“ vom 4. Dezember 2021: Mit Thomas Friedrich vom Tagesspiegel kam rbb-Moderator Ulli Zelle um zu erfahren, ob der Schatz des ZGA noch zu retten ist.

Das ZGA ist eines der letzten großen Presseauschnittarchive in Deutschland. Chronologisch gesammelt wurden deutschsprachige Presseartikel einer großen Anzahl dafür ausgewerteter ost- und westdeutscher Zeitungen und Zeitschriften. Sie sind nach Themen geordnet und im System abgelegt.


Abb.: Dr. Harald Wachowitz betreut das Zeitgeschichtliche Archiv in Berlin-Marzahn ehrenamtlich (Foto: ZGA)

Die Besonderheit des ZGA: Es ist die einmalige, qualifizierte Sammlung von Themen deutsch-deutscher Geschichte. Politik, Kultur und Alltag in den Besatzungszonen, dann in den beiden deutschen Staaten und letztendlich der Transformation lassen hier Zeitgeschichte nachvollziehen. Das ZGA umfasst die Jahre 1945/46 bis 1992. Alles ist gut geeignet, um es zu digitalisieren. – 1.906.786 Artikel sind bereits in der Datenbank der ZGA für die Internet-Recherche erfasst und ermöglichen es vor Ort in Minuten, einen gesuchten Artikel in dem großen Bestand zu finden.

Doch die Erhaltung des Zeitgeschichtlichen Archivs für die Zukunft steht auf dem Spiel. Die Bewahrung der Sammlung und die Aufarbeitung seiner Bestände waren dem Verein Berlin-Brandenburger Bildungswerk – als arbeitsmarktorientiertem Beschäftigungsträger – nur mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen möglich. Dieser Geschäftsgrundlage ist inzwischen die Basis entzogen worden. Auch der Standort der Sammlung in Berlin-Marzahn wird zukünftig nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Sammlungen des Zeitgeschichtlichen Archivs brauchen daher dringend eine neue Trägerschaft. Mit der großen Bandbreite der dort versammelten Presseartikel und dem hohen Grad der archivalischen Erschließung sind die Sammlungen höchst anschauliche und alle gesellschaftlichen Bereiche umfassende Zeugnisse der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Ein bedeutender historischer Wert, den es zu sichern gilt.

Kontakt:
Zeitgeschichtliche Archiv (ZGA)
Premnitzerstr. 12
12681 Berlin
https://www.zga-berlin.de/

Quelle: Die Hellersdorfer, 23.2.2022; ZGA, Presseinformation.