»Blick zurück nach vorn« – Wettbewerb Archiv und Jugend auch 2008

Der Wettbewerb des Landes Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe \“Archiv und Jugend\“ findet auch in 2008/2009 statt (siehe Bericht vom 26.10.2007).

Für den erstmals im Durchführungsjahr 2007/2008 ausgelobten Landeswettbewerb hatten 24 Archive, jeweils 12 aus beiden Landesteilen, Projektanträge eingereicht, darunter zwei staatliche, drei kirchliche und 19 kommunale Archiveinrichtungen. 

Die aus Vertretern der beiden Archivämter und der Kulturabteilung der NRW-Staatskanzlei zusammengesetzte Jury prämierte 19, davon neun rheinische und zehn westfälische Archivprojekte, die sich 100.000,- EUR Preisgelder teilen.

Das Rheinische Archiv- und Museumsamt teilt in einer Presseinformation mit, dass es auch auch die neuerliche Initiative des Landes NRW und der beiden Landschaftsverbände ausdrücklich unterstützt: Der Wettbewerb mit dem Titel \“Blick zurück nach vorn\“ – Archiv und Jugend möchte besonders die nichtstaatlichen Archive ermutigen, sich in Einzel- oder Gemeinschaftsprojekten tatkräftig zu beteiligen. 

Wie schon zuvor stehen auch für die Neuauflage des Wettbewerbs Preisgelder in Höhe von 100.000,- EUR zur Verfügung. Projektideen können bis zum 30.6.2008 beim LWL-Archivamt für Westfalen bzw. beim Rheinischen Archiv- und Museumsamt eingereicht werden.

Mehr Informationen sowie den Ausschreibungstext zum Download findet man unter folgender Adresse:
http://www.rama.lvr.de/archivberatung/serviceleistungen/archivjugend09.asp.

Von der Migration zur Integration – Der Tag der Archive in Zwickau

Das Stadtarchiv Zwickau nahm in diesem Jahr erstmals am Tag der Archive teil. Für seine Veranstaltung hatte das Stadtarchiv das Motto „Heimat und Fremde“ entsprechend seiner Voraussetzungen konkretisiert und den Tag unter den Titel „Von der Migration zur Integration“ gestellt.
Im Mittelpunkt stand der Umgang der städtischen Verwaltung mit „Fremden“ gestern und heute und deren Widerspiegelung in der Überlieferung des Stadtarchivs aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

\"Im

Rund fünfzig Besucher verfolgten am 1. März 2008 in den dem Archiv benachbarten Kunstsammlungen, die für die Veranstaltung dankenswerter Weise einen Raum zur Verfügung stellten, aufmerksam den Vortrag der Zwickauer Ausländerbeauftragten Monika Zenner zu aktuellen Fragen von Migration und Integration. Dabei konnte sie auf die enge Zusammenarbeit der behördlichen Stellen mit mehreren Vereinen wie zum Beispiel „Wir gemeinsam in Zwickau“, „Deutsch-Kurdischer Freundschaftsverein“, Deutsch-Polnischer Kulturverein, Verein der Vietnamesen e. V. u.a. verweisen. Mehrere vor Ort ansässige Bildungsinstitute bieten Integrationskurse für die hier lebenden Ausländer an, die rege in Anspruch genommen werden.

Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Besucher die Präsentation des Stadtarchivs, um sich mit den vielfältigen historischen Aspekten der Thematik vertraut zu machen. So waren Reisepässe und Heimatscheine zu sehen. Mehrere Aktenstücke beschäftigten sich mit dem Umgang mit jüdischen Mitbürgern, insbesondere nach 1933 und mit der Problematik der Fremd- und Zwangsarbeiter sowie der Flüchtlinge und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg.

In Magazinführungen, die großen Zuspruch hatten, konnten sich die Besucher über die Vielfalt und Einzigartigkeit der im Zwickauer Stadtarchiv verwahrten Archivalien, die vom 13. Jahrhundert bis in die jüngste Vergangenheit reichen, informieren. 

Mit dieser erfolgreichen Veranstaltung präsentierte sich das Stadtarchiv als Ort der Erinnerung, der unmittelbaren Begegnung mit Vergangenem. Beim nächsten Tag der Archive wird sicher auch das Zwickauer Stadtarchiv wieder seine Türen für Besucher öffnen. 

Kontakt:
Stadtarchiv Zwickau
Lessingstraße 1
08058 Zwickau
Tel.: 0375 834712
Fax: 0375 834747
stadtarchiv@zwickau.de

Hanau im Bombenkrieg

Anlässlich des 63. Jahrestages der Zerstörung Hanaus zeigt das Medienzentrum Hanau in seinen Räumen im März 2008 die Ausstellung \“Hanau im Bombenkrieg\“. Die vom Hanauer Geschichtsverein in Zusammenarbeit mit der Bildstelle Hanau erarbeitete Ausstellung dokumentiert die fortlaufende Zerstörung der Stadt Hanau während des 2. Weltkriegs. In fast 30 Luftangriffen auf das Hanauer Stadtgebiet, von denen der 20-minütige Angriff in den frühen Morgenstunden des 19. März 1945 der verheerendste war, kamen rund 2.000 Menschen (meist Frauen und Kinder) ums Leben. Die Luftangriffe gegen die Zivilbevölkerung zerstörten die idyllische Altstadt und die von Glaubensflüchtlingen erbaute Hanauer Neustadt zu 80 Prozent.

Die Ausstellung vermittelt Eindrücke aus der Perspektive der Bordkamera eines englischen Jagdflugzeugs. Fast 40 großformatige Luftbilder der englischen Royal Air Force (RAF) sind zu sehen und mit den erschreckenden Bildern aus dem Archiv der Bildstelle Hanau ergänzt worden. So erschließt sich dem Betrachter ein Gesamtbild vom Ausmaß der Zerstörung Hanaus. Die Ausstellung ist von Montag, 10. März 2008, bis Donnerstag, 20. März 2008, in der Bildstelle Hanau zu den folgenden Zeiten geöffnet: montags und dienstags von 8 bis 16.30 Uhr, mittwochs und donnerstags von 8 bis 15.30 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr.

Kontakt
Bildstelle Hanau
Hessen-Homburg-Platz 5
63452 Hanau
Tel.: 06181 / 2951600 
Fax: 06181 / 2951601 
hanau@medienzentrum.hessen.de

Quelle: Pressemeldung Stadt Hanau, 7.3.2008

Erster Internationaler Sommerkurs im Literaturarchiv Marbach

"Autopsie!" Der erste Internationale Marbacher Sommerkurs lädt im Juli 2008 Magister- und Masterstudiengänge ins Deutsche Literaturarchiv ein. Glücksfund, Archivschatz? Wie entstehen wissenschaftliche Fragestellungen aus der Konfrontation mit dem Quellenmaterial? Diese und andere Fragen stellt vom 17. bis 19. Juli 2008 im Deutschen Literaturarchiv Marbach ein dreitägiger Sommerkurs für Magister-, Master- und Staatsexamenskandidaten der literatur- und geschichtswissenschaftlichen Fächer. Er greift kulturwissenschaftliche Ansätze als Chance zur Reflexion auf und bringt aktuelle Praktiken literatur- und kulturwissenschaftlichen Arbeitens mit dem Archiv in Dialog. Die Teilnehmer arbeiten in Workshops gemeinsam zu einem jeweils begrenzten Thema und erhalten einen Einblick in die Tätigkeiten und Fragen der Erwerbung, Erschließung, Erforschung und Vermittlung. 

Das Stipendium umfasst die freie Unterbringung im Collegienhaus sowie die freie Verpflegung, während die Teilnehmer die Reisekosten tragen. Der Sommerkurs ist auf zehn Teilnehmer begrenzt, die Teilnahmegebühr beträgt 20,- Euro. Die Bewerbungen sind unter Verwendung des Stipendienantragsformulars mit einem kurzen Motivationsschreiben, einer Vita, Kopien der letzten Scheine sowie einer Kurzbeschreibung des Examensarbeitsthemas mit Archivbezug einzureichen. Bei der Orientierung hilft der OPAC Kallías des Deutschen Literaturarchivs. Ein Rechtsanspruch auf die Teilnahme besteht nicht. Programm, Ausschreibung und Stipendienformular können sich Bewerber herunterladen. 

Kontakt
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Marcel Lepper
Schillerhöhe 8-10
71672 Marbach am Neckar
Tel.: 0 7144 / 848 – 432
Fax: 0 7144 / 848 – 490
Marcel.Lepper@dla-marbach.de

Quelle: Pressemitteilung Deutsches Literaturarchiv Marbach, 13.2.2008

Kreisarchiv Soest macht Online-Recherche möglich

Beim Tag der offenen Tür im Kreisarchiv Soest in der Villa Plange am 1. März 2008 ging der Blick nicht nur zurück. \“Ein Zukunftsthema im Archivwesen ist die Zugänglichmachung von Findmitteln im Internet\“, sagte Landrätin Eva Irrgang und gab den Startschuss für die neue Beständeübersicht, erste Findbücher und den Online-Katalog der Archivbibliothek des Soester Kreisarchivs im Internet. Das Service-Angebot ist zu finden unter dem Landesportal "Archive.nrw.de".

Zwar könne ein Internetangebot wegen der Menge der in Archiven aufbewahrten Dokumente und der ungeklärten dauerhaften Haltbarkeit digitaler Daten nie das gewachsene Archiv ersetzen. Es vermittele den Bürgerinnen und Bürgern aber eine erste Orientierung und helfe, einen Archivbesuch vorzubereiten. \“Daher hoffe ich, dass Sie von diesem neuen Rechercheangebot künftig zahlreich Gebrauch machen werden\“, betonte die Landrätin.

Archive.nrw.de ist ein gemeinsames Internetportal aller NRW-Archive, das auch die Möglichkeit bietet, per Stichwortsuche gezielt zu recherchieren. \“Für dieses Serviceangebot haben wir die Beständeübersicht komplett überarbeitet und vervollständigt\“, erläuterte Kreisarchivarin Beatrix Pusch. Außerdem seien die ersten beiden Findbücher eingestellt werden, die einen Überblick über die Bestände "Kreisausschuss Soest" und "Kreisausschuss Lippstadt B" geben.

Mit dem Bibliotheksprogramm WEB-OPAC können Benutzer außerdem recherchieren, welche Bücher in der Archivbibliothek, die 20.000 Bände vorwiegend heimatgeschichtlicher Literatur umfasst, vorhanden sind. \“Das war ein immer wieder geäußerter Wunsch der Benutzer. Wir bieten diese Möglichkeit als eines der ersten Archive überhaupt\“, berichtete Beatrix Pusch.

Im neuen Internetauftritt des Kreisarchivs finden alle Interessierten außerdem die Benutzungsordnung, die Gebührensatzung und einen Benutzungsantrag, der vorab ausgefüllt werden kann. Informationen zum Archivgebäude Villa Plange, die häufg nachgefragt werden, und aktuelle Nachrichten runden das Angebot ab.

Kontakt:
Kreisarchiv Soest
Sigefridwall 20
59494 Soest
Telefon: 02921-302960
Telefax: 02921-302944
Kreisarchiv@kreis-soest.de

Quelle: Kreis Soest, Pressemitteilung, 3.3.2008

Ausstellung Architektur und Denkmäler der Kaiserzeit in Bielefeld verlängert

Die von der Schule für Historische Forschung, Universität Bielefeld, erarbeitete Ausstellung \“Architektur und Denkmäler der Kaiserzeit in Bielefeld (1871-1918)" im Institut Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld, Rohrteichstr. 19, wird bis zum 28.3.2008 verlängert. Öffnung: Montag bis Freitag 9 – 17 Uhr, Eintritt frei.

Begleitend zur Ausstellung findet am Sonntag, 9. März 2008, ab 14 Uhr ein etwa zweistündiger Stadtrundgang statt. Ab 13.30 Uhr kann die Ausstellung besichtigt werden. Treffpunkt: Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld, Rohrteichstr. 19.

Wertvoller Druck der Cembalosonaten C.P.E. Bachs erworben

Seine Reihe der Originaldrucke Carl Philipp Emanuel Bachs konnte das Bach-Archiv um ein bedeutendes Objekt erweitern: Carl Philipp Emanuel Bach: Sei Sonate per Cembalo… Wq 48 – ein Originaldruck aus dem Jahr 1742. Der von 1738 bis 1768 als Cembalist am Hofe Friedrichs des Großen tätige zweitälteste Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel (1714–1788) trat 1742 zum ersten Mal mit einer repräsentativen Sammlung von Tastenwerken an die Öffentlichkeit. Er widmete sein Opus 1 seinem damaligen Dienstherrn. Aus dieser Zueignung leitete sich der noch heute gebräuchliche Titel „Preußische Sonaten“ ab. Der Druck aus dem Jahr 1742 zählt zu den bibliographischen Raritäten. Der Ankauf wurde möglich durch die finanzielle Unterstützung der Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs Leipzig e.V. 

Kontakt
Bach-Archiv Leipzig
Wünschmanns Hof ( Interimsquartier)
Dittrichring 18-20a
04109 Leipzig 
Tel.: 0341 – 9137 – 0
Fax: 0341 – 9137 – 105
info@bach-leipzig.de 

Quelle: News Bach-Archiv Leipzig, 19.2.2008

Ältestes Kirchenbuch des Dresdner Schlosses wiedergefunden

Das vor kurzem in einem Tresor wiedergefundene älteste Kirchenbuch der Evangelischen Hofkirche des Dresdner Residenzschlosses befindet sich jetzt im Landeskirchenarchiv in Dresden. Nach der ersten Sichtung datiert Kirchenarchivrätin Dr. Carlies-Maria Raddatz das etwa DIN A5 große und sieben Zentimeter dicke Amtsbuch mit Eintragungen zur kurfürstlichen Familie und dem Hof auf die Jahreswende 1612/1613. Es stellt der Darstellung von Gottesdienst- und Predigtordnungen auch die Geschichte der Kurfürsten seit der Reformation voran. Das Kirchenbuch war 1730 noch zur Geschichtsschreibung über die Dresdner Oberhofprediger herangezogen worden und geriet später in Vergessenheit.

Während der Auflösung des Dresdner Kirchgemeindeverbandes im letzten Jahr hatte die Kirchenarchivrätin das Fehlen eines der alten Kirchenbücher in den Abgabelisten festgestellt. „Anhand der Liste wussten wir nicht, um was für ein Buch es sich handeln würde“, so Dr. Raddatz. Nach intensivem Suchen und der Beräumung des Tresors beim Gemeindeverband stieß man schließlich auf dieses Amtsbuch, das am 19. Dezember 2007 dem Landeskirchenarchiv übergeben wurde. Für uns und die Landesgeschichte sei dies ein „spektakulärer Fund“, sagt die Leiterin des Kirchenarchivs. Es sei auf der einen Seite ein „wichtiges Zeugnis für die lutherische Gedenkkultur des 17. Jahrhunderts“ und gebe zudem einige interessante Hinweise über das Leben am Dresdner Hof preis.

Zum Abschluss der ersten Bestandsaufnahme und historischen Einordnung wird das Landeskirchenarchiv das erste Schloss-Kirchenbuch der Öffentlichkeit vorstellen.

Kontakt:
Ev.-Luth. Landeskirchenamt Sachsens
Landeskirchenarchiv
Lukasstr. 6
01069 Dresden
Tel.: 0351/4692-353
www.evlks.de/landeskirche/landeskirchenamt/101.html

Quelle: Ev.-Luth. Landeskirchenamt Sachsens, Pressemitteilung, 4.3.2008; Doreen Hübler, Sächsische Zeitung, 5.3.2008

Archivalien aus 750 Jahren Betzinger Geschichte

Die lateinische Pergamenturkunde aus dem Jahr 1258, in der Betzingen zum ersten Mal schriftlich erwähnt wird, ist das Glanzlicht einer Ausstellung mit dem Titel „Archivalien aus 750 Jahren Betzinger Geschichte“, die derzeit vor den Diensträumen des Stadtarchivs im Reutlinger Rathaus zu sehen ist. Ermöglicht wird die Präsentation der Originalurkunde durch das Entgegenkommen des Hauptstaatsarchivs Stuttgart, in dessen Magazinen sie heutzutage verwahrt wird. Noch bis zum 20. März 2008 kann die wertvolle Leihgabe nun in Reutlingen gezeigt werden.

In dieser am 12. März 1258 ausgestellten Urkunde bestätigen Graf Ulrich von Württemberg, Herzog Ludwig von Teck sowie Heinrich von Neuffen, dass Heinrich Fink der Ältere von Schlossberg (bei Dettingen/Teck) und sein Sohn Werner ihre in Betzingen („Beczingin“) gelegenen Güter dem Klarissenkloster Pfullingen übergeben haben. Die Beurkundung durch drei hochadelige Herren legt nahe, dass es sich um einen bedeutenden Besitz gehandelt haben muss – vielleicht sogar um die Betzinger Mühle, als deren Besitzer die Pfullinger Klosterfrauen seit Anfang des 15. Jahrhunderts nachgewiesen sind. Auffällig an der nur etwa 7 x 18 cm großen und auf den ersten Blick recht unscheinbaren Urkunde sind zwei anhängende Wachssiegel mit einem Durchmesser von ca. 6 cm. Die Motive der beiden Siegel – zwei Signalhörner mit Band (sog. „Hifthörner“) auf einem Topfhelm bzw. ein Schild mit den württembergischen Hirschstangen – sind trotz Beschädigungen sehr gut zu erkennen.

Von der Ersterwähnung Betzingens im Jahr 1258 schlägt die Ausstellung einen Bogen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Unter den Themenschwerpunkten „Betzingens frühe Geschichte“, „Betzingen unter der Herrschaft Reutlingens“ sowie „Vom Bauern- und Weberdorf zur Arbeiterwohngemeinde“ werden dabei zahlreiche Quellen zur Betzinger Ortsgeschichte aus den Beständen des Reutlinger Stadtarchivs vorgestellt. Eine Urkunde über den Verkauf des sogenannten „Brosemhofes“ in Betzingen durch die Reutlinger Familie Ungelter dokumentiert beispielsweise, dass sich bereits im 14. Jahrhundert Teile der Betzinger Markung im Besitz von Patriziern aus der benachbarten Reichsstadt befanden. Bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts gelang es dann den Reutlinger Pflegschaften, den größten Teil der Betzinger Flur in ihre Hand zu bringen. So sind etwa im Lagerbuch des Reutlinger Spitals von 1479 bereits drei große Hoflehen für Betzingen aufgelistet.

Nachdem Reutlingen 1495 durch kaiserliches Privileg endgültig mit der Betzinger Ortsherrschaft belehnt worden war, ließ der Rat im 16. Jahrhundert in einem „Betzinger Vogtbüchlein“ das unter seiner Herrschaft im Dorf geltende Recht zusammenstellen. Auf 32 Blatt enthält dieses wichtige ortsgeschichtliche Zeugnis u. a. eine Dorfordnung sowie die Eidformeln des Schultheißen, der Richter und der Gemeinde. Auch einige Archivalien zur Kirchengeschichte Betzingens sind in der Ausstellung zu sehen. Einen Einblick in das gespannte Verhältnis zwischen dem Betzinger Pfarrer Johann Jacob Eberhard Kenngott und seiner Gemeinde gewährt beispielsweise ein Bericht von 1785, in dem der Pfarrer ausführlich den jahrzehntelangen Streit um gewohnheitsmäßige Abgaben schildert. Aus den Anfangsjahren Betzingens als politisch selbständige Gemeinde stammt ein großformatiger kolorierter Plan, den der Steinhauer Johannes Rupp für die Errichtung eines neuen Mühlkanals im Jahr 1805 anfertigte.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Betzingen durch die einsetzende Industrialisierung einen wirtschaftlichen Aufschwung. Den damit verbundenen tiefen Einschnitt in den Lebensalltag der Menschen veranschaulicht etwa eine Fabrikordnung der Firma Widenmann und Schickhardt aus dem Jahr 1846, die minutiös die Pflichten der Arbeiter regelt. 60 Jahre später entschied sich Betzingen zum Zusammenschluss mit der leistungsfähigen Nachbarstadt Reutlingen. Welche Betzinger man zur Vertretung der örtlichen Interessen in die bürgerlichen Kollegien der Achalmstadt wählte, ist im ausgestellten Protokoll der letzten Sitzung des Betzinger Gemeinderats vom 30. März 1907 nachzulesen. Die Ausstellung in den Wandvitrinen des Stadtarchivs kann zu den Öffnungszeiten der Rathaus-Eingangshalle bis Ende April 2008 besichtigt werden. Nach dem 20. März wird die Originalurkunde von 1258 durch eine Reproduktion ersetzt.

Kontakt
Stadtarchiv Reutlingen
Marktplatz 22
72764 Reutlingen
Tel.: 07121 / 303 – 2386
Fax: 07121 / 303 – 2758
stadtarchiv@reutlingen.de

Quelle: Aktuelles Stadt Reutlingen; Nicole Linke, Südwest Presse, 5.3.2008

Wertvolle Inkunabel aus dem Jahre 1500 im Stadtarchiv Mönchengladbach

Das Stadtarchiv Mönchengladbach ist um eine Kostbarkeit reicher. Dabei handelt es sich um eine Inkunabel aus dem Jahre 1500, die im Rahmen der Auslagerung der Kreuzherrenbibliothek im Zweiten Weltkrieg in einen Odenkirchener Bunker gemeinsam mit mehreren anderen Büchern verloren ging. Im vergangenen Jahr bot das Kölner Auktionshaus Venator & Hanstein nun jedoch eines dieser verschollen geglaubten Bände – und zwar die Inkunabel aus dem Jahre 1500 – bei einer Bücherauktion an. Aufgrund des Stempels der Pfarrgemeinde St. Antonius Wickrath, zu dessen Archivbestand die Kreuzherrenbibliothek gehört, konnte die Herkunft des "Liber sextus Decretalium" geklärt werden, wie Pfarrer Michael Röring erklärte. Das Auktionshaus zeigte sich sehr kooperativ, so dass die Pfarrgemeinde das Buch Anfang des Jahres käuflich erwerben konnte. Für diesen Ankauf sucht die Pfarrgemeinde nun rückwirkend noch Sponsoren. 

Es wird davon ausgegangen, dass sich noch weitere Bände im Besitz von Wickrather Bürgern befinden, deren Vorfahren die Bücher aus den Trümmern des Pfarrhauses geborgen haben. Daher „wäre es schön, wenn die Bürger in Wickrath und Odenkirchen weiterhin ihre Augen für die alten Schätze offen hielten und sie der Pfarrgemeinde zur Verfügung stellen könnten. Möglicherweise befinden sich noch mehrere solcher Bücher in Privatbesitz“, führte Pfarrer Röring weiter aus. Es fehlen noch vier weitere Bücher aus der Kreuzherrenbibliothek. Jetzt liegt zumindest das wertvolle sechste Dekretalienbuch (Gesetzessammlung) von Papst Bonifaz VIII. aus der ehemaligen Bibliothek des Wickrather Kreuzherrenklosters im Stadtarchiv Mönchengladbach, in dem die Bibliothek des Kreuzherrenklosters aufbewahrt wird (siehe Bericht vom 3.9.2007). 

Guido Weyer, Fachbereichsleiter im Stadtarchiv und zuständig für die Kreuzherrenbibliothek, bittet außerdem darum, auch auf den Stempel des Mönchengladbacher Volksvereins in Büchern zu achten. „Wir haben neben der Kreuzherrenbibliothek auch die Bibliothek des Volksvereins hier im Archiv, bei der uns noch 850 der ursprünglich 94.000 Bücher der Bibliothek fehlen“. Für die Forschung und die Geschichte von Wickrath und der Stadt Mönchengladbach sei es wichtig, dass solche Bücher sicher und ihrem Zustand angemessen aufbewahrt werden. „So können auch die nachfolgenden Generationen noch damit arbeiten“, betonte Weyer. Ansprechpartner für die Bürger sind die Stadtbibliothek Mönchengladbach, die Pfarrgemeinden oder das Stadtarchiv. 

Kontakt
Stadtarchiv Mönchengladbach
Aachener Str. 2
41050 Mönchengladbach
Tel.: 02161 / 253241
Fax: 02161 / 253259
stadtarchiv@moenchengladbach.de 

Quelle: Pressemitteilung Stadt Mönchengladbach, 27.2.2008; bild.de, 29.2.2008; Michael Röring, Kirche im Bistum Aachen, 10.2.2008